In München ist ein Ehepaar mit chinesischen Wurzeln festgenommen worden. Die beiden sollen gezielt Professoren der RWTH Aachen kontaktiert haben, um Informationen über militärisch nutzbare Technologien zu bekommen und an China weiterzuleiten.
Die Bundesanwaltschaft hat in München den 55-jährigen Xuejun C. und dessen 52-jährige Ehefrau Hua S. wegen mutmaßlicher Spionage-Tätigkeit für China festnehmen lassen. Zuvor waren die Wohnung und die Arbeitsräume der beiden Deutschen mit chinesischen Wurzeln durchsucht worden.
Die Beschuldigten sind laut Bundesanwaltschaft "dringend verdächtig, für einen ausländischen Geheimdienst tätig zu sein". Das Ehepaar suchte Kontakte zu zahlreichen Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, insbesondere zu Lehrstuhlinhabern für Luft- und Raumfahrttechnik, Informatik oder Künstliche Intelligenz. Ziel der mutmaßlichen Spione aus China waren "wissenschaftliche Informationen über militärisch nutzbare Hochtechnologie".
Dabei soll sich das Ehepaar entweder als Dolmetscher oder als Mitarbeitende eines Automobilherstellers ausgegeben haben.
An einigen Universitäten in Deutschland gelten in bestimmten Forschungseinrichtungen Einschränkungen für Studierende aus China, da seit langem Spionage befürchtet wird. Ein besonderes Augenmerk gilt Doktorandinnen und Doktoranden, die vom Chinese Scholarship Council (CSC) gefördert werden. Denn sie müssen per Vertrag zustimmen, regelmäßig Kontakt mit einer chinesischen Botschaft zu halten und nicht gegen die Interessen ihres Heimatlandes zu verstoßen. Als erste in Deutschland hatte die Universität Erlangen-Nürnberg 2023 entschieden, keine derart geförderten Studierenden mehr aufzunehmen.
Deutsche Wissenschaftler zu Vorträgen nach China gelockt
Offenbar war es dem Ehepaar sogar gelungen, Wissenschaftler unter dem Vorwand nach China zu locken, um gegen Honorar Vorträge zu halten.
Nach einem Bericht des Spiegel waren auch Forschende der RWTH Aachen von der Spionage betroffen. Genau an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen war dem Handelsblatt zufolge in der vergangenen Woche eine Jobbörse mit chinesischen Unternehmen abgesagt worden. Der Verfassungsschutz sei alarmiert, das China gezielt deutsche Exzellenz-Unis ins Visier genommen habe.
In Baden-Württemberg (Landkreis Konstanz und Stuttgart), Bayern (Landkreis Erding, München und Landkreis München), Berlin, Brandenburg (Landkreis Dahme-Spreewald), Niedersachsen (Landkreise Harburg, Lüneburg und Peine) und Nordrhein-Westfalen (Aachen und Rheine) wurden nicht-tatverdächtige mutmaßliche Zeugen ausfindig gemacht.
Zuvor größter China-Spionageprozess in Dresden
Ende September 2025 hatte das Oberlandesgericht Dresden Jian G., einen ehemaligen Mitarbeiter des AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah wegen Spionage für China zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
Der Verurteilte hatte dem Urteil zufolge jahrelang teils intime parteiinterne Details an China weitergegeben.