Polen sei für Brüssel ein Vorbild, wie man Gesetze vereinfacht und Bürokratie abbaut, sagte Unternehmer Rafał Brzoska, einer der reichsten Polen, bei Euronews.
Der Abbau von Regulierung in der polnischen Wirtschaft gewinnt an Fahrt. Polen wird nach Ansicht von Rafał Brzoska, dem Chef von InPost, einem polnischen Logistik- und Paketdienstunternehmen, zum Vorbild für andere EU-Staaten. Im Euronews-Studio beim Europäischen Wirtschaftskongress sagte er, in den vergangenen 14 Monaten seien fast 200 konkrete Änderungen in Kraft getreten, die Unternehmern und Bürgern den Alltag erleichtern. Nach seiner Einschätzung ist das aber erst der Anfang tiefergreifender Reformen.
"Zum Tango gehören immer zwei", sagte Brzoska und spielte damit auf die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik beim Deregulierungspaket an. Sowohl Regierung als auch Opposition hätten den Prozess positiv aufgenommen, betonte er.
Von den 500 Vorschlägen, die das Deregulierungsteam in den ersten 100 Tagen ausgearbeitet hat, hat die Regierung rund 350 für das weitere Verfahren gebilligt. Knapp 200 Änderungen gelten bereits.
Zu den wichtigsten Neuerungen nannte Brzoska unter anderem die Unschuldsvermutung für Steuerpflichtige sowie die Möglichkeit, sich mit den Finanzämtern auf steuerliche Einigungen zu verständigen.
Immer mehr Änderungen betreffen inzwischen auch ganz normale Bürger. Ein Beispiel ist die automatisierte Auszahlung der Familienleistung 800 plus, die ab Juni gelten soll. Dann müssen Eltern keinen zusätzlichen Antrag mehr stellen.
"Sie machen das Leben deutlich leichter", unterstrich der Unternehmer.
Rafał Brzoska: Bürokratie das größte Problem Brüssels
Brzoska ist überzeugt, dass das polnische Deregulierungsmodell in Europa bereits auf Interesse stößt. Nach eigenen Angaben hat er die Grundzüge des Projekts in Brüssel schon mehrfach Experten vorgestellt.
Er fügte hinzu, er habe darüber auch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei dessen Besuch in Danzig gesprochen. Der französische Staatschef habe um eine detaillierte Präsentation der polnischen Lösungen gebeten.
"Diese ganz konkreten Beispiele sind auch in Frankreich ein Problem", sagte Brzoska.
Nach seiner Ansicht bleibt die übermäßige Bürokratie der Europäischen Kommission das größte Problem der EU. Chancen auf Verbesserungen für Unternehmen sieht er in der Entschlossenheit nationaler Führungspersönlichkeiten. Er betonte, er habe Macron gebeten, sich auf EU-Ebene für entsprechende Schritte einzusetzen.
"Die Beamten der EU-Kommission werden sich nicht von selbst entrümpeln. Europäische Führungspersönlichkeiten müssen diese Veränderungen erzwingen", sagte er.
InPost treibt Europa-Expansion voran
In dem Gespräch ging es auch um den weiteren Ausbau von InPost in Europa. Das aus Polen stammende Paketunternehmen ist derzeit in neun Ländern aktiv, die Ziele reichen jedoch deutlich weiter.
Brzoska kündigte an, dass die Dienste von InPost bis Ende des kommenden Jahres in fast der gesamten Europäischen Union verfügbar sein sollen – sowohl für Sendungen aus Polen ins Ausland als auch für Lieferungen aus anderen Staaten nach Polen. Das Wachstum will das Unternehmen vor allem über Kooperationen mit lokalen Logistikpartnern organisieren.
Der InPost-Chef betonte zudem, dass die viel beachtete Vereinbarung mit FedEx das Tempo der Europa-Expansion deutlich erhöhen könnte.