Brent-Öl steigt auf 100 Dollar je Barrel, Europas Börsen fallen, Asiens Märkte schließen kaum verändert, die Wall Street startet fester; die Märkte bleiben nervös, weil die US-Iran-Gespräche stocken und Trump seine Atomforderungen bekräftigt.
Die Nordsee-Sorte Brent ist am Dienstag um rund zweieinhalb Prozent gestiegen und hat sich zum Zeitpunkt des Schreibens bei etwa 100 US-Dollar je Barrel eingependelt. Die Gespräche zwischen den USA und Iran kommen kaum voran.
Die US-Sorte WTI verlor dagegen mehr als vier Prozent und notiert bei rund 92,6 US-Dollar je Barrel.
Seit vergangenem Mittwoch gaben die Ölpreise insgesamt nach. Damals schien ein Rahmen für ein Friedensabkommen oder zumindest eine längere, umfassendere Waffenruhe zwischen den USA und Iran kurz vor der Einigung zu stehen.
Iran warf den USA jedoch vor, die geltende Waffenruhe gebrochen zu haben, nachdem Washington eigenen Angaben zufolge defensive Angriffe im Süden des Landes durchgeführt hatte.
Das Außenministerium in Teheran erklärte, die US-Angriffe in der Provinz Hormozgan, wo iranische Medien am frühen Dienstag Explosionen meldeten, stellten einen „schweren Verstoß“ gegen die fragile Waffenruhe dar, die seit fast sieben Wochen gilt.
Inzwischen erklärte US-Außenminister Marco Rubio, die Verhandlungen über ein Ende des Konflikts könnten noch „einige Tage“ bis zu einer Einigung dauern.
US-Präsident Donald Trump bekräftigte am Montag in einem Beitrag in sozialen Netzwerken zudem seine Forderungen im Atomstreit. Die grundlegenden Punkte eines möglichen Abkommens bleiben damit hoch umstritten.
An den Finanzmärkten fallen die Reaktionen gemischt aus. Einige Börsen scheinen eine geringere Wahrscheinlichkeit einzupreisen, dass eine Einigung unmittelbar bevorsteht.
Europaweit gibt der Leitindex Euro Stoxx 50 um mehr als 0,7 % nach. Der breiter gefasste Stoxx 600 liegt kurz vor Handelsschluss am Dienstag rund ein Prozent im Minus.
Der britische FTSE 100, der deutsche DAX 30, Frankreichs CAC 40, Italiens FTSE MIB, der niederländische AEX und der Schweizer CH20 verlieren jeweils zwischen 0,1 und 0,7 %.
In Asien schlossen Japans Nikkei 225 und Taiwans TAIEX nahezu unverändert. Südkoreas KOSPI sprang dagegen um 2,5 %, getrieben von anhaltender Nachfrage nach Aktien aus dem KI-Sektor.
Die US-Börsen wirken jedoch weitgehend vom übrigen Marktgeschehen entkoppelt. Die WTI-Preise setzten am Dienstag ihren Rückgang fort, gleichzeitig startete der S&P 500 mit einem Plus von 0,6 % in den Handel.
Aktuelle Lage in der Straße von Hormus
USA und Iran hatten zuletzt Fortschritte auf dem Weg zu einem Memorandum of Understanding signalisiert. Ein solches Papier könnte den Konflikt beenden und den Schiffsverkehr durch die blockierte Straße von Hormus wieder in Gang bringen. Zudem würde es den Unterhändlern ein 60-tägiges Zeitfenster verschaffen, um komplexere Themen wie Irans Nuklearprogramm und Lieferketten zu klären.
Rubio betonte in seinen jüngsten Aussagen, die Straße von Hormus müsse „so oder so“ zugänglich bleiben. Der Verkehr durch die Engstelle ist deutlich zurückgegangen: Derzeit nutzen nur noch einige Dutzend Schiffe täglich die Route; üblich sind sonst 125 bis 140 Schiffe.
Iran lässt weiterhin nur eingeschränkten Schiffsverkehr zu. Vorrang haben Schiffe aus verbündeten oder befreundeten Staaten, die Durchfahrten werden über bilaterale Absprachen organisiert.
Berichte über neue Angriffe in der Straße von Hormus machen deutlich, wie weit die Weltwirtschaft noch von einer Normalisierung der Energie- und Warenströme entfernt ist.
Am Dienstag meldete die britische Behörde United Kingdom Maritime Trade Operations (UKMTO), ein Tankschiff habe nahe der Wasserlinie an Backbord eine Explosion von außen erlitten.
Das Schiff befand sich nach Angaben der Behörde rund 60 Seemeilen vor Maskat, der Hauptstadt Omans.
UKMTO erklärte, der Tanker und die gesamte Besatzung seien unversehrt geblieben, allerdings sei eine gewisse Menge Bunkeröl ins Meer gelangt.
Es ist der jüngste gemeldete Zwischenfall in der Nähe der Straße von Hormus zum jetzigen Zeitpunkt.