Europas Konzerne suchen im KI-Wettrennen Alternativen zu US-Techriesen: Airbus und BMW arbeiten mit dem französischen Start-up Mistral AI an Lösungen von Flugsicherheit bis Crashtests.
Airbus hat mit dem französischen KI-Start-up Mistral AI eine Partnerschaft geschlossen. Der Konzern will damit den Einsatz von KI in seinen Luftfahrt-, Verteidigungs- und Raumfahrtsparten ausweiten.
Laut einer gemeinsamen Mitteilung vom Donnerstag will der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern künstliche Intelligenz in Verkehrsflugzeugen, Hubschraubern sowie in seinen Verteidigungs- und Raumfahrtaktivitäten verankern.
Im Rahmen der Vereinbarung erhält Airbus Zugang zum gesamten Produktportfolio und zu den Forschenden von Mistral AI. So kann der Konzern maßgeschneiderte KI-Werkzeuge für komplexe Luft- und Raumfahrtprojekte entwickeln.
Airbus betonte, die Kooperation solle sich auf „vertrauenswürdige“ und „sichere“ KI konzentrieren, insbesondere für sensible Verteidigungs- und Raumfahrtanwendungen.
„Diese Partnerschaft ebnet den Weg für den Einsatz wirkungsvoller, wertschöpfender Anwendungsfälle vertrauenswürdiger und verantwortungsvoller KI in der Luft- und Raumfahrt“, erklärte Catherine Jestin, Digitalvorständin von Airbus.
„Gemeinsam werden wir den vollständig integrierten KI-Stack von Mistral ausrollen, um Innovation zu beschleunigen, zur Verbesserung der Flugsicherheit beizutragen und unseren Kunden mehr Wert zu bieten“, sagte Timothée Lacroix, Mitgründer und Technikchef von Mistral AI.
Die Zusammenarbeit verschafft Airbus außerdem Zugang zu den Forschungsteams von Mistral und ein gewisses Mitspracherecht bei der weiteren Produktplanung des Unternehmens.
Die Unternehmen haben mehrere Schwerpunkte für ihre Kooperation definiert. Sie wollen unter anderem KI-Systeme prüfen, die direkt an Bord von Flugzeugen und Raumfahrzeugen laufen können. Weitere Felder sind die automatisierte Erstellung technischer Dokumentation, schnellere Entwicklungszyklen durch KI-gestützte Simulationen und sogenannte Edge-KI – also Modelle, die direkt auf der Hardware laufen –, etwa zur automatischen Objekterkennung zur Unterstützung der Flugsicherheit.
Zudem untersuchen sie Verteidigungsanwendungen wie Cyber-Ermittlungen und Unterstützung bei Programmierarbeiten in hochgesicherten Umgebungen.
Beide Firmen erklärten, sie wollten in mehreren Kernbereichen eng zusammenarbeiten. Dazu gehört die Entwicklung von KI-Systemen für den Einsatz an Bord von Flugzeugen und Raumfahrzeugen.
Außerdem planen sie, KI-gestützte Simulationen einzusetzen, um Konstruktion und Flugzeugentwicklung zu beschleunigen.
Die Partnerschaft soll darüber hinaus militärische Einsatzmöglichkeiten von KI ausloten, darunter Cyber-Ermittlungen und Programmierhilfe in besonders geschützten Netzwerken.
Timothée Lacroix, Mitgründer und Technikchef von Mistral AI, sagte, beide Unternehmen wollten damit „Innovation beschleunigen, zur Verbesserung der Flugsicherheit beitragen und den Kundinnen und Kunden mehr Wert liefern“.
Die Vereinbarung fällt in eine Phase, in der europäische Unternehmen und Institutionen ihre Abhängigkeit von KI-Anbietern aus den USA zunehmend kritisch sehen. Sie sorgen sich um Datensouveränität, Sicherheitsrisiken und den Zugriff US-amerikanischer Gesetze auf Daten, die auf Infrastruktur in US-Hand liegen.
Mistral prüft zudem den Entwurf eigener Chips und könnte sie langfristig auch selbst entwickeln, sagte Geschäftsführer Arthur Mensch dem Sender CNBC. Das Unternehmen wolle „mehr von seiner Infrastruktur selbst kontrollieren“ und sich so im Wettbewerb mit US-Schwergewichten wie OpenAI und Anthropic behaupten.
Mistral AI wurde 2023 in Paris gegründet und positioniert sich als europäische Alternative zu US-Anbietern. Das Start-up setzt auf offen zugängliche Modellgewichte und Datensouveränität – Kriterien, die bei Beschaffungsentscheidungen im Verteidigungs- und Raumfahrtbereich stark ins Gewicht fallen dürften.
BMW schließt ebenfalls Partnerschaft mit Mistral AI
BMW gab am selben Tag eine separate Kooperation mit Mistral AI bekannt. Im Mittelpunkt steht der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Verbesserung von Crashtestsimulationen und der Fahrzeugentwicklung.
Der deutsche Autobauer erklärte, die Zusammenarbeit solle komplexe Entwicklungsarbeiten beschleunigen und die Genauigkeit von Sicherheitsprüfungen erhöhen. Dafür werden KI-Systeme mit dem umfangreichen Archiv von Crashtestsimulationen von BMW trainiert.
BMW führt jede Woche Tausende virtueller Crashtests durch und hat so mehr als ein Petabyte an historischen Simulationsdaten aufgebaut. Nach Unternehmensangaben eignen sie sich als Basis für branchenspezifische KI-Modelle für den Automobilbau.
Die Vereinbarung ist Teil einer breiteren Offensive europäischer Hersteller, künstliche Intelligenz in Konstruktion, Produktion und Forschung einzusetzen.