Weltweit ist die Zahl vermögender Privatpersonen 2025 um 7,9 % auf 25,3 Millionen gestiegen. Doch wie hat Europa im globalen Vergleich abgeschnitten?
Die Zahl der vermögenden Privatpersonen weltweit ist im Jahr 2025 um fast zwei Millionen gestiegen. Ihr gemeinsames Vermögen legte um acht Komma sieben Prozent zu und erreichte mit 98,3 Billionen Dollar (86,2 Billionen Euro) einen Rekordwert – den stärksten jährlichen Sprung seit 2018, wie aus Capgeminis „World Wealth Report“ hervorgeht.
Doch was steckt hinter diesem Vermögenszuwachs? Profitieren die Europäer von diesem Boom? Und bringt der Anstieg der Superreichen der Wirtschaft überhaupt etwas?
Anders gesagt: Warum sollte sich eine durchschnittliche europäische Bürgerin oder ein durchschnittlicher europäischer Bürger dafür interessieren?
In dieser Ausgabe von „The Big Question“ spricht Stefan Grobe mit Gareth Wilson, Executive Vice-President bei Capgemini, über den neuesten „World Wealth Report“.
Was gilt als vermögende Privatperson?
Angesichts von fast zwei Millionen neuen Mitgliedern lohnt sich zunächst ein Blick darauf, was jemand zur sogenannten vermögenden Privatperson (HNWI) macht.
Grundvoraussetzung ist ein frei verfügbares Anlagevermögen von mehr als einer Million Dollar, die eigene Wohnung oder das Haus zählen nicht dazu. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich innerhalb dieser Gruppe weitere Kategorien.
zwischen einer und fünf Millionen Dollar: der sprichwörtliche Millionär von nebenan.
zwischen fünf und 30 Millionen Dollar: ein Millionär der mittleren Vermögensklasse.
unter 30 Millionen Dollar: eine ultravermögende Privatperson.
Diese Ultravermögenden (UHNWI) sind erwartungsgemäß selten: Sie stellen nur ein Prozent der Bevölkerung, halten aber 34,8 % des weltweiten Gesamtvermögens.
Werden Europas Millionäre reicher?
Kurz gesagt: ja.
Capgemini schätzt, dass es in Europa rund sechs Millionen HNWI in Europa gibt – ein Plus von sechs Komma fünf Prozent im Jahr 2024. Auch ihr Gesamtvermögen legt zu: Europa hat kräftig aufgeholt, das Vermögenswachstum der HNWI stieg von null Komma sieben Prozent 2024 auf acht Prozent 2025.
Dieser Vermögenszuwachs verteilt sich allerdings keineswegs gleichmäßig.
Luxemburg gehört zu den Märkten mit dem stärksten Wachstum: Die Zahl der HNWI nahm dort um 13,5 % zu – wenig überraschend bei niedrigen effektiven Steuersätzen, großzügigen Freibeträgen auf Kapitaleinkünfte und keiner Vermögenssteuer. In Deutschland wuchs die HNWI-Bevölkerung um 11,1 %, in Belgien um neun Prozent; Frankreich und das Vereinigte Königreich verzeichneten Zuwächse von jeweils 2,7 % beziehungsweise 2,6 %.
Was machen die Superreichen mit ihrem Vermögen?
Mit der steigenden Zahl wohlhabender Menschen und ihres Vermögens ändert sich auch, wie sie dieses Geld einsetzen.
„Wir beobachten eine stärkere Hinwendung zu Aktien, also zu Wertpapieren, zudem mehr Anlagen in festverzinsliche Produkte und einen Rückgang der Bargeldbestände“, erläuterte Gareth.
„Das ist interessant, denn Bargeld gilt eher als konservative Anlageklasse. Nun verlagern diese vermögenden Privatpersonen ihre Investments hin zu Anlagen mit höheren Renditen, aber auch potenziell höherem Risiko – vor allem in Aktien und Wertpapiere.“
Das Stichwort „höheres Risiko“ sollte dennoch nicht beunruhigen, denn für den Rest von uns ist das vermutlich eher positiv.
„Aufgrund ihres Vermögens und ihrer Investitionsbereitschaft sollte dieses Verhalten Wachstum erzeugen. Es schafft wirtschaftlichen Mehrwert rund um den Globus. Das sehen wir daran, wie einige Börsen reagiert haben“, fügte Gareth hinzu.
Branchen wie Verteidigung und Energie, derzeit ganz oben auf der europäischen Agenda, verzeichnen kräftige Gewinne und stützen so die Aktienmärkte. So legte etwa der deutsche Leitindex DAX um fast 22 % zu, nicht zuletzt dank Unternehmen wie Rheinmetall und Siemens Energy.
Auch Bergbau- und Verteidigungsunternehmen trugen dazu bei, dass der britische FTSE-100-Index im Jahr 2025 um 21,5 % zulegte.
„Die Rahmenbedingungen, die die Europäische Zentralbank mit ihren Zinsentscheidungen geschaffen hat, sorgen eindeutig für mehr Stabilität und ermöglichen Investitionen“, erklärte Gareth.
„Wir sehen zudem einen starken Fokus auf Innovation – etwa in Branchen wie der Verteidigung, aus naheliegenden, wenn auch unterschiedlichen Gründen […]. Auch das sorgt für Wachstum in den lokalen Volkswirtschaften, verbessert die Aktienperformance und trägt letztlich zu diesem Vermögenszuwachs bei den vermögenden Privatpersonen bei.“
The Big Question ist eine Reihe von Euronews Business, in der wir mit Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft und Expertinnen und Experten über einige der wichtigsten Themen der aktuellen Agenda sprechen.
Sehen Sie sich das Video oben an, um die vollständige Diskussion über Capgeminis „World Wealth Report“ zu verfolgen.