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The Big Question: Warum nutzen Europäer ihr Geld nicht besser?

ESMA-Vorsitzende Verena Ross zu Gast bei „The Big Question“
ESMA-Chefin Verena Ross in „The Big Question“ Copyright  Euronews
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Von Hannah Brown & Angela Barnes
Zuerst veröffentlicht am
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Rund 37 Billionen Euro liegen in der EU weitgehend ungenutzt. Warum investieren Europäer so wenig – und was braucht es, um dieses Kapital zu mobilisieren?

Seit der Gründung der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) im Jahr 2011 gehört Verena Ross zur Führungsebene. Zunächst war sie Geschäftsführerin, seit 2021 steht sie der Behörde als Vorsitzende vor.

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Aufgabe der ESMA ist es, den Schutz der Anleger zu stärken, geordnete Finanzmärkte zu fördern und die Finanzstabilität in Europa zu sichern.

Ross will ihr Amt im Oktober 2026 abgeben. Für die Euronews-Sendung The Big Question sprach Angela Barnes mit ihr über die europäische Investitionslandschaft, offene Herausforderungen und die Prioritäten für ihre Nachfolge.

US-Bürger investieren mehr: Warum bleiben Europäer zurückhaltend?

Eine der zentralen Aufgaben der ESMA ist die Unterstützung bei der Umsetzung der Capital Markets Union (Kapitalmarktunion). Diese langfristige Initiative zur Vertiefung der europäischen Finanzmärkte wurde kürzlich in Savings and Investments Union (SIU), auf Deutsch etwa Spar- und Investitionsunion, umbenannt.

„Wir haben, wie Sie sagen, nach wie vor eher 27 nationale Märkte als einen wirklichen europäischen Kapitalmarkt“, erklärte Verena Ross.

Die SIU soll die zersplitterten Kapitalmärkte der EU stärker zusammenführen. Europäische Unternehmen sollen weniger von Bankkrediten abhängen, Anleger mehr echte grenzüberschreitende Möglichkeiten erhalten.

„Kapital muss sich innerhalb der Europäischen Union so frei bewegen können wie Menschen“, ergänzte sie. Bürgerinnen und Bürger sollten überall dort, wo sie leben und investieren, ihr Geld für sich arbeiten lassen können.

„Es wurde im vergangenen Jahr viel darüber nachgedacht, wie wir hier einen echten Sprung nach vorn schaffen. Wie wir die umfangreichen Ersparnisse in Europa besser in produktive Investitionen umlenken, die Wachstum fördern und für Unternehmen und Anleger funktionieren.“

„Sobald man über Europas Kapitalmärkte spricht, drängt sich der Vergleich mit den USA auf. Die amerikanischen Märkte sind tiefer, liquider und werden von einer stärkeren Investitionskultur getragen“, sagte Ross.

Was hält Europäer also zurück? Warum beschäftigen wir uns weniger mit unseren Kapitalmärkten? Liegt es nur an der Zersplitterung?

Verena Ross, Vorsitzende der ESMA, im Gespräch mit Angela Barnes in der Sendung The Big Question
Verena Ross, Vorsitzende der ESMA, im Gespräch mit Angela Barnes in der Sendung The Big Question Euronews

„Im Allgemeinen sind die Menschen in Europa wahrscheinlich etwas weniger finanziell gebildet. Das liegt aber nicht daran, dass ihnen Intelligenz oder der Wille zum Lernen fehlt“, sagte Verena Ross in The Big Question.

„In den USA gibt es keine staatlich garantierten Umlagerentensysteme. Deshalb muss jeder, der arbeitet und über seine Altersvorsorge nachdenkt, sich direkt mit Investitionen an den Kapitalmärkten beschäftigen.“

Damit mehr Europäerinnen und Europäer diesen Blick auf ihre Finanzen entwickeln, braucht es nach Ansicht von Ross klarere und besser zugängliche Informationen sowie Werkzeuge, mit denen sich Anlageangebote vergleichen lassen. So könnten Menschen „die Risiken, die Kosten und die Chancen verstehen, die mit Investitionen an den Kapitalmärkten einhergehen“.

Bessere Altersvorsorge, stärkere Unternehmen?

Wie die Menschen in Europa ihr Geld sparen, entscheidet nicht nur über ihre eigene langfristige finanzielle Sicherheit. Es hat auch Folgen für die Finanzierung von Unternehmen und das Wachstum der europäischen Wirtschaft.

„Derzeit kommt in Europa noch ein großer Teil der Finanzierung über Bankkredite. Wir müssen aber vielfältigere Finanzierungsquellen entwickeln. Im besten Fall entsteht eine Win-win-Situation, wenn wir Ersparnisse und die produktiven Investitionen, die sie ermöglichen, zusammenbringen“, sagte Ross.

Weil Europa so stark auf Bankkredite setzt, geraten Unternehmen schneller unter Druck, wenn sich die Kreditbedingungen verschärfen. Gleichzeitig liegen große Teile der privaten Ersparnisse auf Bankkonten, statt über die Kapitalmärkte in die Wirtschaft zu fließen.

Verena Ross hofft, dass die Savings and Investments Union die Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen breiter aufstellt, die Kapitalmärkte stärker integriert und Europa für internationale Anleger attraktiver macht.

„Wir leben in einer globalen Welt, und Kapitalmärkte sind ihrem Wesen nach global. Europa muss für ausländische Investoren attraktiv sein – ob sie aus Amerika, aus Asien oder anderswoher kommen. Europa soll ein Zielort für dieses Investitionskapital sein“, sagte sie.

Am Ende geht es ihrer Ansicht nach darum, die Barrieren abzubauen, die durch nationale Marktgrenzen entstehen, und einen stärker integrierten Markt zu schaffen, der sowohl europäischen Unternehmen als auch Anlegern nutzt.

Investieren in Europa: Wie es weitergeht

Verena Ross will die Öffentlichkeit besser über Kapitalmärkte informieren, warnt aber zugleich vor den Risiken schlechter Finanzinformationen von „Finfluencern“ und künstlicher Intelligenz.

„KI-Werkzeuge haben aus meiner Sicht eine wichtige Rolle. Sie bieten Chancen, bringen aber auch neue Risiken mit sich“, betonte sie und verwies darauf, dass viele Menschen sich heute stark auf KI als Informationsquelle stützen.

„Gleichzeitig müssen wir uns klarmachen, dass KI-Werkzeuge Verzerrungen haben können und sogar falsche Informationen liefern. Es ist sehr wichtig, dass Anleger nicht blind dem vertrauen, was aus dem jeweiligen KI-Tool kommt, das sie nutzen“, sagte sie.

Kurz vor Ende ihrer Amtszeit und ohne bereits über ihre Zukunftspläne zu sprechen, hofft die ESMA-Vorsitzende, dass ihre Nachfolge den Weg zu einem stärker integrierten europäischen Kapitalmarkt ebnet.

„Ich hoffe sehr, dass wir in zehn bis 15 Jahren einen europäischen Kapitalmarkt haben, der tief und liquide ist, der Anlegern attraktive Möglichkeiten bietet, in europäische Unternehmen zu investieren, und der die europäische Wirtschaft sowie ihre Position und Wettbewerbsfähigkeit in der Welt stärkt“, sagte sie.

Ob diese Vision Realität wird, hängt davon ab, wie weit Europa bei der Überwindung der seit Langem bestehenden Hürden auf dem Weg zu einem wirklich integrierten Kapitalmarkt kommt.

The Big Questionist eine Reihe von Euronews Business, in der wir mit Führungspersönlichkeiten sowie Expertinnen und Experten über einige der wichtigsten Themen der aktuellen Agenda sprechen.

Sehen Sie sich oben das Video an, um das vollständige Gespräch mit Verena Ross zu verfolgen.

Weitere Quellen • Edited by Arno Aubert

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