Empfehlungen aus den Treffen internationaler Investoren am Taschkenter Internationalen Investitionsforum fließen in eine Reformagenda der Regierung für Banken, Energie, Künstliche Intelligenz, Kapitalmärkte und Unternehmensführung ein.
Usbekistan will auf Grundlage von 120 Empfehlungen ausländischer Investoren einen verbindlichen Fahrplan ausarbeiten. Die Vorschläge entstanden bei Gesprächen am letzten Tag des Tashkent International Investment Forum.
Die Empfehlungen kamen in einer Sitzung des Rats ausländischer Investoren auf den Tisch. Dort trafen sich internationale Investoren, Entwicklungsbanken und Finanzinstitute, die für das dreitägige Forum nach Taschkent gereist waren.
Die Regierung will die Umsetzung der Empfehlungen eng verfolgen und den Fortschritt direkt Präsident Schawkat Mirziyoyev melden, erklärten Regierungsvertreter.
Die Vorschläge betreffen Bereiche vom Bankwesen und Energiesektor bis hin zu Künstlicher Intelligenz, Kapitalmärkten und Corporate Governance.
Investorenempfehlungen werden zu Politik
Mirziyoyev sagte bei der Sitzung, die Empfehlungen ausländischer Investoren hätten bereits zu Änderungen im Steuerrecht, in der Finanzaufsicht und bei den Berichtspflichten für internationale Unternehmen im Land geführt.
"Die Vorschläge der Investoren schlagen sich in praktischer Regierungspolitik nieder", sagte er vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Nach Angaben des Präsidenten ist der Rat ausländischer Investoren im vergangenen Jahr von 54 auf 85 Mitgliedsunternehmen gewachsen. Er vertritt inzwischen Firmen, die in 23 Wirtschaftssektoren tätig sind. Im Exekutivausschuss sitzen Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), der Asiatischen Entwicklungsbank und der International Finance Corporation.
Zu den laufend diskutierten Reformen gehören Pläne für ein Tashkent International Financial Centre und ein Verfassungsgesetz, das dessen Arbeit regeln soll. Usbekistan hat zudem den Prozess eingeleitet, der OECD-Erklärung über internationale Investitionen und multinationale Unternehmen beizutreten. Damit soll der Investitionsrahmen des Landes stärker an internationale Standards heranrücken.
Treffen mit Entwicklungsbanken
Bei Gesprächen mit EBRD-Präsidentin Odile Renaud-Basso prüften beide Seiten ein Partnerschaftsportfolio im Wert von mehr als 7 Milliarden US-Dollar (6,1 Milliarden Euro). Usbekistan ist damit der größte Partner der Bank in Zentralasien. Neue Vereinbarungen betreffen nachhaltigen Verkehr, die Digitalisierung der Eisenbahn, Unternehmensgründungen, Wohnungsbaufinanzierung und Unterstützung des Start-up-Ökosystems des Landes.
Mirziyoyev traf außerdem Dilma Rousseff, die Präsidentin der New Development Bank. Beide sprachen über eine vertiefte Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Wasserwirtschaft, Verkehrsinfrastruktur und Privatsektorentwicklung. Die Bank zeigte Interesse an der Unterstützung umweltorientierter Projekte sowie regionaler Verkehrskorridore.
Rechtsstaatlichkeit bleibt Priorität
Investoren verwiesen zwar auf Fortschritte bei den Wirtschaftsreformen, doch Rechtssicherheit blieb eines der meistdiskutierten Themen.
Eduards Stiprais, Sonderbeauftragter der Europäischen Union für Zentralasien, sagte, internationale Unternehmen äußerten weiterhin Bedenken zur Vorhersehbarkeit von Regulierung und zur Stabilität der Rechtsrahmen.
"Die meisten Beschwerden, die uns erreichen, beziehen sich auf die häufig wechselnde Gesetzgebung", sagte er. "Das zweite äußerst wichtige Thema ist der Rechtsstaat."
Stiprais betonte die Bedeutung unabhängiger Gerichte und wirksamer rechtlicher Schutzmechanismen für Investoren. Die Debatten über das geplante Tashkent International Financial Centre könnten aus seiner Sicht helfen, einige dieser Sorgen zu adressieren.
Kapitalmärkte und Vertrauen der Investoren
Auch bei den Diskussionen über Privatisierungen und den Ausbau der Kapitalmärkte stand das Vertrauen der Investoren im Mittelpunkt.
Julia Hoggett, Vorstandschefin der Londoner Börse, sagte, internationale Investoren betrachteten Schwellenländer vor allem durch die Brille wirtschaftlicher Stabilität, regulatorischer Verlässlichkeit und rechtlicher Sicherheiten.
"Investoren wollen vor allem wissen, dass sie ihr Geld anlegen und es am Ende auch wieder zurückbekommen", sagte sie.
Hoggett erklärte, das Reformprogramm Usbekistans und jüngste Entwicklungen an den Märkten hätten das Vertrauen der Anleger gestärkt. Internationale Investoren blickten zunehmend auf Zentralasien als Region mit erheblichen langfristigen Wachstumsperspektiven.
Künstliche Intelligenz und künftiges Wachstum
Künstliche Intelligenz gehörte zu den Bereichen, die in den Empfehlungen der Investoren besonders hervorgehoben wurden. Sie spielte auch in den Gesprächen über zukünftiges Wirtschaftswachstum eine zentrale Rolle.
Benedict Macon-Cooney sagte, Länder, die von der KI-Wirtschaft profitieren wollen, müssten sich nicht nur auf die Einführung neuer Technologien konzentrieren, sondern auch die dafür nötige Infrastruktur aufbauen.
"Unternehmen müssen Daten als ihren Wettbewerbsvorteil begreifen, und Staaten müssen Daten als strategische Ressource verstehen", sagte er.
Zum Abschluss des diesjährigen Investitionsforums wurde deutlich, dass internationale Investoren nicht nur Projekte finanzieren. Sie mischen sich zunehmend auch in die Reformagenda ein, von der sie sich die Grundlage für nachhaltiges Wachstum versprechen.