Brüssel verteilt Einsatzkräfte aus 37 Staaten: Flugzeuge, Hubschrauber und Bodenteams unterstützen Frankreich und Spanien. Behörden befürchten, dass neue Hitzewellen große Brände bis nach Italien, Griechenland und Portugal tragen.
Europa hat in den vergangenen Wochen zahlreiche Waldbrände erlebt. Ein Ende ist nicht in Sicht, die Feuer verwüsten weiter große Gebiete in Frankreich und Spanien.
Im Notfall-Koordinationszentrum der EU in Brüssel verfolgen Experten die jüngsten Entwicklungen. Vor Ort kämpfen Einsatzkräfte darum, die Brände einzudämmen.
Die EU-Beamten spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie verteilen die knappen Ressourcen in Europa neu und sorgen dafür, dass die notwendige Ausrüstung rechtzeitig dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
„Das Team beobachtet die Lage, bewertet das Risiko in Frankreich und seine mögliche Entwicklung. Wir stehen ständig mit den französischen Behörden in Kontakt, um zu klären, ob sie zusätzliche Unterstützung benötigen“, erklärte Maria Zuber, die Leiterin der Einheit, am Mittwoch.
Die europäische Katastrophenschutzkapazität bündelt Einsatzmittel wie Löschflugzeuge, Hubschrauber und Feuerwehren aus den 27 Mitgliedstaaten und 10 Partnerländern, darunter Staaten des westlichen Balkans und die Türkei.
Bei Unglücken – von Waldbränden in Frankreich bis zu Erdbeben in Venezuela – koordinieren die Verantwortlichen in Brüssel verfügbare Hilfsangebote und gleichen sie mit den Anfragen der betroffenen Länder ab.
Seit Frankreich in der vergangenen Woche EU-Hilfe angefordert hat, haben Länder wie die Slowakei, Slowenien, Portugal und die Türkei Löschflugzeuge in den Südwesten des Landes geschickt.
„Es gibt noch Lücken, deshalb suchen wir weiter“, sagte Zuber. „Erst gestern Abend hat Serbien zusätzliche Hubschrauber angeboten.“
EU fordert Mitgliedstaaten auf, Ausrüstung bereitzuhalten
Die Feuer, die in diesem Jahr in Frankreich und Spanien wüten, sind die jüngsten in einer Reihe von Waldbränden in Europa. Forscher führen die zunehmenden Hitzewellen auf menschengemachten Klimawandel zurück. Einige der Brände wurden offenbar auch von Brandstiftern gelegt.
Die extremen Temperaturen haben die zuvor üppige Vegetation aus früheren Regenphasen ausgedörrt. Dadurch herrschen vielerorts "brandgefährliche" Bedingungen.
Angesichts der sich jedes Jahr verschärfenden Bedrohung stockt die EU ihre Mittel auf. Sie kauft eigene Löschflugzeuge und drängt die Mitgliedstaaten, zusätzliche Ausrüstung in Bereitschaft zu halten.
In Brüssel arbeiten Dutzende Mitarbeitende in einem Schichtsystem, um rund um die Uhr den Überblick über neue Krisen weltweit zu behalten.
Im Sommer unterstützen sie rund 25 Wetter- und Brandexperten aus den EU-Staaten. Diese beurteilen, wie sich die Feuer ausbreiten könnten, und identifizieren Regionen, in denen neue Brände entstehen können.
„Wir haben Mechanismen eingeführt und nach und nach verbessert, denn wir haben erkannt, dass Waldbrände in den vergangenen Jahren zu einer wachsenden Herausforderung geworden sind“, sagte Borja Miguelez, der stellvertretende Leiter des Notfallzentrums.
„Wir haben mehr Luftunterstützung verfügbar gemacht und die technische Ausstattung der Teams ausgebaut, die den Einsatz steuern.“
Die gleichzeitigen Brände in Frankreich und Spanien belasten Einsatzkräfte und Material stark. Miguelez betont jedoch, dass die EU bislang jede Hilfsanfrage erfüllen konnte.
In den kommenden Tagen werden weitere extreme Temperaturen erwartet. In anderen Regionen steigen die Waldbrandwarnungen deutlich, die Nachfrage nach Hilfe könnte damit weiter zunehmen.
„Heute haben wir es mit zwei Waldbränden von sehr großer Dimension zu tun. Gleichzeitig bleiben wir wachsam, denn der Sommer ist noch nicht vorbei und eine weitere Hitzewelle steht bevor“, sagte Miguelez.
„Wir sind daher sehr aufmerksam gegenüber allem, was noch kommen könnte.“