Ein Erbe des Ray-Ban-Vermögens ruft die Familienholding öffentlich auf, einen milliardenschweren Plan zu stützen, mit dem er zwei Geschwister vor einer wichtigen Aktionärsabstimmung auskaufen will.
Leonardo Maria Del Vecchio, eines der Kinder des verstorbenen EssilorLuxottica-Gründers Leonardo Del Vecchio, hat einen privaten Erbschaftsstreit in die Öffentlichkeit getragen. Er drängt den Verwaltungsrat der Familienholding dazu, einen Aufkauf zu unterstützen, mit dem er seinen Einfluss auf eines der größten Vermögen Europas ausbauen würde.
EssilorLuxottica besitzt ein Portfolio von mehr als 150 Marken. Dazu gehören die Brillenmarken Ray-Ban und Oakley sowie das bekannte Streetwear-Label Supreme.
Der einunddreißigjährige Unternehmer legte seine Position in einem offenen Brief dar, den die italienische, Del-Vecchio gehörende Zeitung Quotidiano Nazionale am Freitag veröffentlichte.
Im Zentrum des Konflikts steht Del Vecchios Versuch, den gemeinsamen Anteil von 25 % seiner Geschwister Luca und Paola an Delfin zu übernehmen. Die Holding mit Sitz in Luxemburg bildet das Herzstück des Konzerns.
Schließt er den Kauf ab, steigt sein eigener Anteil auf 37,5 %. Damit wäre er mit Abstand größter Anteilseigner. Das könnte das innerfamiliäre Machtgefüge verändern – und bestimmen, wie das Vermögen der Dynastie an die nächste Generation übergeht.
In dem Schreiben warf er dem Verwaltungsrat von Delfin vor, nicht erklärt zu haben, warum er seine Haltung zu dem Geschäft geändert hat.
Nach Del Vecchios Darstellung tauchten Zweifel erst auf, nachdem die Anteilseigner bereits zentrale Teile der Transaktion gebilligt hatten. Zuvor war die Neuordnung öffentlich als stabilisierender Schritt beschrieben worden.
Der Plan stützt sich auf eine Finanzierung von rund 10 Milliarden €, an der UniCredit, BNP Paribas und Crédit Agricole beteiligt sind. Es wäre eines der größten Akquisitionsdarlehen, das je eine Privatperson in Europa aufgenommen hat.
Mit fortschreitenden Gesprächen drängten die beteiligten Banken laut Del Vecchio auf klarere Zusagen zu künftigen Dividenden, zur Stabilität des Kapitals und zur langfristigen Ausrichtung von Delfin. Diese Forderungen seien angemessen, argumentierte er, doch der Verwaltungsrat habe keine einheitliche, transparente Linie vorgelegt.
Italiens Finanzsystem: Delfin-Holding am Scheideweg
Die Entscheidung hat Bedeutung weit über die Familie hinaus.
Delfin hält einen bedeutenden Anteil am Brillenriesen EssilorLuxottica und ist an einigen der wichtigsten Finanzinstitute Italiens maßgeblich beteiligt, darunter Banca Monte dei Paschi di Siena, Assicurazioni Generali und UniCredit.
Mit einem Nettovermögenswert von mehr als 40 Milliarden € spielt die Gesellschaft in den Debatten über Bankenfusionen im ganzen Land immer wieder eine Rolle.
Gleichzeitig zeichnet sich eine alternative Lösung ab.
Delfin-Verwaltungsratschef Francesco Milleri erwägt laut „La Repubblica“ einen Gegenentwurf: Demnach würde die Holding selbst die Anteile von Luca und Paola zum gleichen Wert zurückkaufen und sie auf die sechs übrigen Erben verteilen.
Der Vorschlag könnte den Anteilseignern bei der Versammlung am 30. Juni vorgelegt werden, einem Termin, den Del Vecchio drastisch beschreibt. Es werde dort nicht um Dividenden oder die Bilanz gehen, schrieb er, sondern um „Wesen und Zukunft von Delfin“.