Die Internationale Energieagentur erwartet, dass der weltweite Ölverbrauch erstmals seit der Corona-Pandemie sinkt; der Krieg zwischen USA und Iran bremst Golf-Exporte, doch die Förderung nahm im Juni zu.
Die weltweite Nachfrage nach Rohöl geht nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) im Jahr 2026 um eine Million Barrel pro Tag zurück. Es wäre der erste jährliche Rückgang seit 2020, als Covid‑Lockdowns den Flugverkehr weitgehend stoppten und große Teile der Industrie zum Stillstand brachten.
Im Vergleich wirkt der diesmal erwartete Rückgang gering: Auf dem Höhepunkt der Pandemie brach die Nachfrage um rund acht Millionen Barrel pro Tag ein. Zugleich zeigt der Vergleich, wie stark die Schließung der Straße von Hormus die Weltwirtschaft getroffen hat.
Der Rückgang verteilt sich laut Monatsbericht der Agentur „stark ungleich“ – sowohl zwischen einzelnen Produkten als auch regional.
Frühere Analysen der IEA sehen die größten Einbußen in Asiens importabhängigen Volkswirtschaften und bei petrochemischen Grundstoffen wie Naphtha und Flüssiggas, deren Lieferketten über die Straße von Hormus führen.
Zum Zeitpunkt des Berichts lag der vorderste Brent‑Terminkontrakt, die wichtigste internationale Referenzsorte, bei rund 76 Dollar je Barrel. Das sind etwa sechs Prozent mehr als vor den US‑ und israelischen Angriffen auf Iran Ende Februar und deutlich weniger als die Höchststände von knapp 120 Dollar im März auf dem Höhepunkt des Konflikts.
Die US‑Referenzsorte WTI notierte mit etwa 72 Dollar je Barrel niedriger.
Juni: Fragile Erholung am Ölmarkt
Das Angebot hat sich im vergangenen Monat deutlich erholt, allerdings von einem extrem niedrigen Ausgangsniveau.
Im Juni stieg die weltweite Förderung um 4,1 Millionen Barrel pro Tag auf 98,8 Millionen Barrel. Die teilweise Wiederöffnung der Straße von Hormus ermöglichte es den Produzenten am Golf, zuvor geschlossene Förderstätten wieder anzufahren. Dennoch lag die Produktion noch 9,4 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkriegsniveau.
Die Exporte der Golfstaaten – einschließlich der über Ausweichrouten um die Meerenge herumgeleiteten Ladungen – kletterten um 6,5 Millionen Barrel pro Tag auf 16,1 Millionen Barrel. Vor Beginn der Kämpfe Ende Februar exportierte die Region im Durchschnitt 24 Millionen Barrel täglich.
Die weltweiten Ölbestände sind erstmals seit den US‑ und israelischen Angriffen auf Iran wieder gestiegen. Damit endete eine Phase von rekordhohen Lagerentnahmen. In den wohlhabendsten Volkswirtschaften gingen die Vorräte jedoch weiter zurück, weil Käufer neue Importe scheuten.
Waffenruhe bröckelt
Die Prognosen der IEA basieren auf einer Annahme, die inzwischen sichtbar wankt: dass die Waffenruhe hält und die Straße von Hormus schrittweise wieder öffnet.
Unter dieser Voraussetzung würde das weltweite Angebot in diesem Jahr um 3,7 Millionen Barrel pro Tag sinken. Die Produktion läge dann um 860.000 Barrel pro Tag unter der Nachfrage. Im nächsten Jahr wäre ein Anstieg um 7,5 Millionen Barrel pro Tag zu erwarten, der den Markt wieder in einen Überschuss drehen könnte.
Eine höhere Förderung in anderen Regionen und eine schwächere Nachfrage als vor Kriegsbeginn erwartet könnten laut IEA dennoch bis Jahresende einen Überschuss schaffen. Staaten hätten dann die Möglichkeit, ihre geleerten Reserven wieder aufzufüllen.
In dieser Woche gab es den zweiten, deutlich gravierenderen Bruch der im vergangenen Monat vereinbarten Waffenruhe.
Nachdem iranische Einheiten am Montag und Dienstag drei Handelsschiffe angegriffen hatten, griff das US‑Zentralkommando mehr als 80 Ziele in ganz Iran an. Betroffen waren unter anderem Luftabwehrstellungen, Küstenradar sowie über 60 Schnellboote der Revolutionsgarden. Parallel dazu entzog Washington die Genehmigung für iranische Ölexporte.
Iran setzte Drohnen und Raketen gegen Ziele in Bahrain und Kuwait ein, richtete jedoch keinen größeren Schaden an. US‑Präsident Donald Trump erklärte danach die Waffenruhe für beendet.
Teheran beharrt darauf, dass nur die von Iran vorgegebene Route durch die Straße von Hormus sicher ist. Laut Daten des Analysehauses Kpler fiel der Tankerverkehr am Mittwoch auf 13 Schiffe, verglichen mit einem Tagesdurchschnitt von 33 in der Vorwoche.