Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Weniger Modelle, weniger Jobs? Volkswagen verschärft Sparkurs

Beschäftigte protestieren vor dem VW-Werk in Zwickau, Deutschland, am Donnerstag, dem neunten Juli 2026.
Protest vor VW-Werk in Zwickau: Beschäftigte demonstrieren am Donnerstag, dem neunten Juli 2026. Copyright  Jan Woitas/dpa via AP
Copyright Jan Woitas/dpa via AP
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Weniger Modelle, weniger Varianten, weniger Kapazität: Volkswagen stellt seine Strategie bis 2030 neu auf. Was das für Jobs und Werke bedeutet, bleibt offen.

Volkswagen hat seine Konzernstrategie bis 2030 vorgestellt. Der Autobauer will die Zahl seiner Modelle halbieren und die Variantenvielfalt bei Fahrzeugen um bis zu 75 Prozent reduzieren. So sollen Kosten gesenkt und die Komplexität im Konzern verringert werden.

WERBUNG
WERBUNG

Die Pläne folgen auf eine mit Spannung erwartete Sitzung des Aufsichtsrats. Dort ging es Medienberichten zufolge um eines der größten Umbauprogramme in der Geschichte der weltweiten Autoindustrie.

Europas größter Autobauer steht unter erheblichem Druck. Gründe sind unter anderem US-Zölle, sinkende Margen bei Elektroautos und vor allem der harte Wettbewerb in China, dem größten Automarkt der Welt.

Während der Sitzung im Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg am Donnerstag organisierte die IG Metall, eine der größten Gewerkschaften Deutschlands, koordinierte Proteste im ganzen Land. Eine Kundgebung fand direkt vor der Konzernzentrale statt, weitere Aktionen gab es an rund 20 Standorten von Volkswagen, Audi, Porsche, MAN und der Software-Tochter Cariad.

Gewerkschaftsvertreter warnten, die Unternehmensführung riskiere einen "großen Konflikt" mit der Belegschaft. Volkswagen prüft dem Vernehmen nach den Abbau von 100.000 Stellen weltweit, also mehr als 15 Prozent der Jobs, sowie die Schließung von vier Werken in Deutschland: der VW-Standorte Hannover, Emden und Zwickau sowie des Audi-Werks Neckarsulm.

Sollten diese Pläne umgesetzt werden, würden sie weit über die Vereinbarung hinausgehen, die Volkswagen 2024 mit den Gewerkschaften geschlossen hatte. Bereits damals war der Abbau von mehr als 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 vorgesehen.

Im nun vorgelegten Konzept nach der Aufsichtsratssitzung geht der Konzern jedoch nicht ausdrücklich auf mögliche Stellenstreichungen oder Werksschließungen ein.

Volkswagen kündigte stattdessen an, die jährliche Produktionskapazität auf rund neun Millionen Fahrzeuge zu senken, um auf den "deutlich verschärften Wettbewerb" zu reagieren. Vor der Covid-19-Pandemie lag die Kapazität bei etwa zwölf Millionen Fahrzeugen, derzeit sind es rund zehn Millionen.

Weitere Maßnahmen betreffen eine stärkere Ausrichtung von Produkten und Technologien auf einzelne Regionen. Außerdem will der Konzern Kapazitäten enger an die Nachfrage anpassen und die Unternehmensstruktur sowie das Investitionsportfolio vereinfachen.

Volkswagen-Chef Oliver Blume erklärte in einer Videobotschaft, "die weltweite Lage hat sich in den vergangenen zwölf Monaten deutlich verschlechtert". Er verwies auf geopolitische Spannungen, Zölle, hohe Kosten, zunehmende Regulierung und den verschärften globalen Wettbewerb.

Zugleich betonte Blume, Volkswagen müsse "Überkapazitäten abbauen". Damit ließ er die Möglichkeit von Werksschließungen offen. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und gemeinsame Serviceeinheiten sollen laut Blume Produktivität und Tempo im Konzern erhöhen.

Arno Antlitz, Finanzvorstand des Volkswagen-Konzerns, erklärte, die bislang vereinbarten Einsparungen seien "nicht ausreichend in der aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Lage".

Das Unternehmen wolle die Kostenstruktur seiner Fahrzeuge verbessern, die Gemeinkosten "deutlich senken", die Effizienz in den Werken steigern und Entwicklung sowie Entscheidungen bei neuen Technologien beschleunigen, sagte Antlitz.

Volkswagen beschäftigt weltweit rund 657.000 Menschen. Wie sich die geplante Reduzierung der Produktionskapazität auf die Belegschaft auswirkt, ließ der Konzern offen.

Volkswagen verweist seit Monaten darauf, dass ein umfassender Umbau des Konzerns nötig sei. Im Quartal bis März 2026 ging der Nettogewinn um 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro zurück, der Umsatz sank um 2 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro.

"Die nächsten Jahre werden entscheiden, wer künftig eine entscheidende Rolle in der Autoindustrie spielt", sagte Blume.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

50.000 Jobs weg, 4 Werke wackeln: Betriebsrat stellt VW-Chef Ultimatum

So viele Menschen werden in Deutschland jeden Tag zum Millionär

IG Metall warnt: VW steuert mit Sparkurs auf schweren Konflikt mit Belegschaft zu