BlackRock verwaltet als erster Vermögensverwalter über 15 Billionen Dollar, fast das Dreifache der jährlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands, der größten Volkswirtschaft der EU. So ist das Geld verteilt.
Noch nie zuvor hat ein Vermögensverwalter die Marke von 15 Billionen Dollar (13 Billionen Euro) überschritten. BlackRock hat den Rekord in den am Mittwoch veröffentlichten Quartalszahlen bestätigt.
Das Wachstum kommt vor allem durch Kursgewinne und frisches Geld von Kunden.
Anleger überwiesen dem New Yorker Finanzriesen im zweiten Quartal 2026 netto 192 Milliarden Dollar (167 Milliarden Euro). Damit schloss BlackRock ein Rekordhalbjahr ab: Die Zuflüsse summierten sich auf 321 Milliarden Dollar (280 Milliarden Euro), mehr als doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Wie groß BlackRocks verwaltetes Vermögen ist, zeigt ein Vergleich mit der Weltwirtschaft: Der Konzern steuert mehr Geld als die geschätzte jährliche Wirtschaftsleistung aller Staaten außer den USA und China. Das entspricht fast dem Dreifachen des deutschen Bruttoinlandsprodukts.
Wichtig ist der Unterschied: Verwaltetes Vermögen ist ein Bestand an Anlagen. Das Bruttoinlandsprodukt misst hingegen die Wirtschaftsleistung eines Jahres.
Der Vermögenssprung fiel in ein ebenfalls sehr profitables Quartal.
Nach den Zahlen für das zweite Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 31 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar (6,2 Milliarden Euro). Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 13,91 Dollar und übertraf die Erwartungen deutlich.
Die BlackRock-Aktie legte am Tag der Veröffentlichung um rund sieben Prozent zu.
„Die Fundamentaldaten der Märkte sind robust und gut unterstützt. Höhere Margen und Gewinndynamik werden durch neue Technologie befeuert“, erklärte Vorstandschef Larry Fink.
„Unsere Dynamik nimmt zu, und ich war noch nie so optimistisch, was unser weiteres Wachstum angeht“, fügte Fink hinzu.
Wo die Billionen tatsächlich liegen
Zunächst einmal: Es handelt sich nicht um BlackRocks eigenes Geld.
Es sind gebündelte Ersparnisse von Pensionskassen, Versicherern, Staaten und Privatanlegern, die der Konzern gegen Gebühr verwaltet. Der Großteil fließt in Aktien.
Aktien machen 8,9 Billionen Dollar (7,7 Billionen Euro) aus, also 58 Prozent des Gesamtvermögens.
Anleihen und andere Zinsanlagen kommen auf weitere 3,4 Billionen Dollar (2,9 Billionen Euro), das sind 22 Prozent. Multi-Asset-Strategien, die verschiedene Anlageklassen kombinieren, halten 1,3 Billionen Dollar (1,1 Billionen Euro), also neun Prozent. Geldmarktprodukte wie US-Staatsanleihen bringen es auf 1,1 Billionen Dollar (960 Milliarden Euro), rund sieben Prozent.
Die viel beachteten alternativen Anlagen – Infrastruktur, Privatkredite, Private Equity und Immobilien – bleiben mit 449 Milliarden Dollar zwar ein vergleichsweise kleiner Block, rund drei Prozent der Gesamtassets. Sie sorgen jedoch für etwa 15 Prozent der Basisgebühren von BlackRock.
Produkte auf Rohstoffe und Währungen verwalten 152 Milliarden Dollar (132 Milliarden Euro). Kryptofonds, die 2024 aufgelegt wurden, kommen auf rund 49 Milliarden Dollar (42 Milliarden Euro).
Mindestens ebenso wichtig wie die Mischung ist die Art, wie das Geld angelegt wird.
Rund 41 Prozent des Vermögens stecken in börsengehandelten Fonds (ETFs). Fink betonte, dass die iShares-Produktpalette im Quartal die Marke von sechs Billionen Dollar überschritten hat – ungefähr doppelt so viel wie vor drei Jahren.
Häfen, Renten und Politik
Die schiere Größe von BlackRock führt immer öfter zu Geschäften mit geopolitischer Dimension. Der Streit um die Häfen an beiden Enden des Panamakanals ist eines der deutlichsten aktuellen Beispiele.
Nachdem US-Präsident Donald Trump behauptet hatte, China kontrolliere faktisch die Wasserstraße, erklärte sich CK Hutchison aus Hongkong im März 2025 bereit, 43 Häfen – darunter Terminals an beiden Enden des Kanals – an ein von BlackRock angeführtes Konsortium zu verkaufen. Der geplante Deal hat ein Volumen von 22,8 Milliarden Dollar (19,9 Milliarden Euro) und kam in Washington gut an. Dort gilt er als Schritt, um den Einfluss der USA auf die Häfen zurückzugewinnen.
Peking legte Einspruch ein und drängte darauf, den staatlichen Reedereikonzern Cosco einzubeziehen. Der Verkauf ist bislang nicht abgeschlossen.
Panama hob unterdessen im Februar Hutchisons Kanal-Konzessionen auf. Die Übergangsbetreibung übernahmen Maersk und MSC. An der Terminal-Sparte von MSC ist BlackRocks Infrastruktureinheit Global Infrastructure Partners beteiligt. Parallel laufen die Gespräche über das gesamte Hafenportfolio weiter.
Schon im Januar hatte Panamas Oberster Gerichtshof Hutchisons Konzessionen für die Containerterminals an beiden Enden des Kanals aufgehoben. Die Regierung übergab im Februar die vorläufige Kontrolle der Häfen an Maersk und MSC, zugleich liefen die Verhandlungen über das größere Paket weiter. BlackRocks Infrastruktursparte Global Infrastructure Partners hält Anteile an MSCs Hafengesellschaft.
Wie eng Larry Fink mit dem Weißen Haus verbunden ist, zeigte sich erneut im Mai. Er reiste nach Peking als Teil einer Unternehmensdelegation, die Trump zu dessen Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping begleitete.
Fink war dort gemeinsam mit Konzernchefs wie Teslas Elon Musk und Apples Tim Cook. Das Programm stand ganz im Zeichen von Handel und Technologie.
Der Einfluss des Unternehmens reicht auch in die amerikanische Rentenpolitik hinein.
Eine von Trump im vergangenen Jahr unterzeichnete Executive Order wies die Aufsichtsbehörden an, den Zugang zu nicht börsennotierten Anlagen über die 401(k)-Pensionspläne auszuweiten. BlackRock hatte diese Öffnung vorangetrieben und dürfte davon profitieren. Der Konzern entwickelt nun Produkte für Privatanlagen im Altersvorsorgesystem, die in der Regel höhere Gebühren bringen als Indexfonds.