Apple steigert iPhone-Umsatz im Quartal bis Juni um fast 22 %, enttäuscht aber mit Prognose für das laufende Vierteljahr die Erwartungen der Analysten.
Apple hat am Donnerstag mit seinen neuesten Quartalszahlen die Markterwartungen übertroffen. Treiber waren starke Verkäufe von iPhones und Mac-Computern. Es war zugleich der letzte Geschäftsbericht von Tim Cook als Konzernchef.
Anleger richteten den Blick jedoch auf den verhaltenen Ausblick und Warnungen vor Engpässen in der Lieferkette. Apple rechnet im laufenden Quartal mit einem Umsatzplus zwischen neun und elf Prozent. Analysten hatten im Schnitt rund zwölf Prozent erwartet.
Belastet wird das starke Quartal zudem durch steigende Preise für Speicherchips und Engpässe bei hochmoderner Fertigungskapazität. Ein Teil davon hängt mit dem Boom bei Künstlicher Intelligenz zusammen.
Apple hatte den Nachfrageanstieg zuvor als „beispiellose Herausforderung“ für die Unterhaltungselektronikbranche bezeichnet.
Als Reaktion kündigte Apple im vergangenen Monat an, die Preise für einige Mac- und iPad-Modelle anzuheben. Die Preise für iPhones blieben bisher unverändert, doch viele Analysten rechnen mit einem Anstieg im Laufe dieses Jahres.
Der iPhone- und iPad-Hersteller teilte am Donnerstag mit, im Zeitraum von April bis Juni einen Gewinn von 29,79 Milliarden Dollar (25,9 Milliarden Euro) erzielt zu haben. Das entspricht 2,02 Dollar je Aktie. Ein Jahr zuvor waren es noch 23,43 Milliarden Dollar (20,4 Milliarden Euro) beziehungsweise 1,57 Dollar je Anteilsschein – ein Anstieg um 27 Prozent.
Der Umsatz legte um 16 Prozent zu und stieg von 94,04 Milliarden Dollar (81,8 Milliarden Euro) auf 109,42 Milliarden Dollar (95,2 Milliarden Euro).
Die Erlöse aus dem iPhone-Geschäft nahmen um 21,7 Prozent zu und erreichten mit 54,25 Milliarden Dollar (47,2 Milliarden Euro) einen Quartalsrekord. Die Einnahmen mit Mac-Computern kletterten um 28,7 Prozent auf 10,35 Milliarden Dollar (9 Milliarden Euro).
Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Gewinn von 1,89 Dollar je Aktie und einem Umsatz von rund 109 Milliarden Dollar (94,8 Milliarden Euro) gerechnet, wie eine Erhebung des Datenanbieters FactSet zeigt. Rückerstattungen von Zöllen steuerten 0,11 Dollar je Anteilsschein zum Ergebnis bei.
„Heute kann Apple mit Stolz das stärkste Juni-Quartal unserer Geschichte vermelden, mit zweistelligen Umsatzzuwächsen bei iPhone, Mac und Services sowie in allen Regionen“, sagte Tim Cook, Apples Konzernchef.
Für Cook war es die letzte Telefonkonferenz zu den Ergebnissen, bevor er nach fünfzehn Jahren als Chef des Unternehmens abtritt. John Ternus, bisher Leiter der Hardware-Entwicklung, übernimmt am ersten September.
„Ich habe größtes Vertrauen in seine Führung, in das Managementteam und in die außergewöhnlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Apple“, sagte Cook.
Apple erwirtschaftet weiterhin hohe Barmittel, ohne die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz, die viele andere Tech-Giganten tätigen. „Das war in den meisten Bereichen des Geschäfts klar zu sehen“, sagte Thomas Monteiro, Analyst bei Investing.com.
„Während sich der Markt zunehmend Sorgen um die Entwicklung der freien Mittelzuflüsse bei anderen Konzernen macht, bleibt Apple der sichere Hafen im Sturm“, fügte er hinzu.
Monteiro warnte jedoch, dass die steigenden Speicherkosten Apple in den kommenden Quartalen zu schaffen machen könnten.
Cook sprach mit Blick auf den Preissprung bei Speicherchips von einer „Jahrhundertflut“. Apple rechne damit, dass die Speicherkosten im laufenden Quartal weiter steigen.
Zudem entfallen künftig die Zollrückerstattungen, die zuletzt die Gewinnmarge gestützt hatten. Die iPhone-Einführung im September und mögliche weitere Preisanhebungen sollten „den Schlag abmildern“, sagte Monteiro.
Die Apple-Aktie gab im nachbörslichen Handel am Donnerstag zeitweise um bis zu acht Prozent nach und machte anschließend einen Teil der Verluste wieder wett.
Zuletzt hatte Apple Nvidia den Titel als das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt wieder abgenommen.