Stand Anfang August ist 2026 für mehrere europäische Länder das schlimmste Jahr seit 15 Jahren, gemessen an verbrannter Waldfläche; Euronews Business beleuchtet die am stärksten betroffenen Staaten.
In diesem Sommer wüten in Europa zahlreiche Wald- und Flächenbrände. Allein in Frankreich und Spanien mussten bis Ende Juli mehr als 320.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Die Feuer halten an, Hitzewellen breiten sich aus, Mitte August rückt näher.
Die Folgen der Brände lassen sich nur schwer beziffern. Die verbrannte Fläche ist leicht zu messen, doch der wirtschaftliche Schaden und andere Auswirkungen erfordern deutlich mehr Aufwand.
„Die Waldbrände in Europa zeigen in diesem Jahr, dass ihre wirtschaftlichen Kosten weit über die Wiederherstellung verbrannter Flächen hinausgehen“, sagt Professor Simone Varotto von der Henley Business School der University of Reading.
„Am Ende der Rechnung stehen zerstörte Wohnungen, Betriebe und Ernten, Einbußen im Tourismus und in der Industrie, gesundheitliche Schäden durch Rauch, zusätzliche Belastungen für die öffentlichen Haushalte und möglicherweise höhere Versicherungsprämien.“
Dennoch zeigt die verbrannte Fläche das Ausmaß der Brände und ihre möglichen Folgen.
Wie viele Hektar Land sind in Europa im Jahr 2026 bisher verbrannt? Welche Länder verzeichnen die größten Verluste? Sind die Brände 2026 kostspieliger als in früheren Jahren?
2026: Viertgrößte Brandfläche bis Anfang August
Anfang August belegt 2026 in der EU Platz vier bei der kumulierten Brandfläche, wie Daten von Our World in Data auf Basis des Global Wildfire Information System zeigen.
Bis zur Woche 31 brannten in der EU 489.826 Hektar. Mehr waren es nur 2012 mit 863.122 Hektar, 2022 mit 799.040 Hektar und 2017 mit 743.906 Hektar.
Im Durchschnitt der vierzehn Jahre von 2012 bis 2025 lag die Brandfläche in diesem Zeitraum bei 434.711 Hektar. 2026 liegt damit um 55.115 Hektar beziehungsweise 13 Prozent über dem Mittelwert.
Alle Werte beziehen sich jeweils auf denselben Zeitpunkt im Jahr, das Ende der Woche 31.
Varotto betont, dass die Brände in Europa vor allem Wälder, Buschland, Weiden und Ackerflächen getroffen haben. Mehrere Feuer erreichten jedoch auch Städte und Randgebiete.
38 Prozent der EU-Brandfläche liegen in Spanien
Am stärksten betroffen ist Spanien. Dort brannten bis Anfang August 2026 bereits 185.948 Hektar, das entspricht 38 Prozent der gesamten EU-Brandfläche.
Zwischen 2012 und 2025 lag der Durchschnitt bis Woche 31 bei 85.626 Hektar. 2026 ist der Wert damit mehr als doppelt so hoch.
Nach den Daten bis Woche 31 ist 2026 für Spanien das drittschlechteste Jahr seit Beginn der Vergleichsreihe 2012.
2022 gingen 258.340 Hektar verloren, 2012 waren es 211.350 Hektar.
2026 wird für Frankreich zum schlimmsten Waldbrandjahr
Frankreich steht an zweiter Stelle. Dort verbrannten in diesem Zeitraum 99.092 Hektar, das sind 20 Prozent der EU-Gesamtfläche.
Der vierzehnjährige Durchschnitt für Frankreich beträgt 31.648 Hektar. Der Wert für 2026 ist damit mehr als dreimal so hoch.
Seit 2012 ist 2026 für Frankreich das bisher schlimmste Jahr. 2019 verlor das Land 86.888 Hektar durch Brände – der zweithöchste Wert.
Bis Anfang August 2026 sind auch Italien mit 79.084 Hektar, Portugal mit 47.776 Hektar und Griechenland mit 23.839 Hektar stark von Wald- und Flächenbränden betroffen.
Für Italien ist 2026 im Blick auf die Brandfläche das fünftschlechteste Jahr der vergangenen 15 Jahre. Für Portugal gilt das Gleiche.
Im Vergleich dazu verläuft 2026 für Griechenland bisher weniger dramatisch. In mehreren früheren Jahren waren dort deutlich größere Flächen verbrannt.
Mehrere Länder verzeichnen 2026 deutlichen Anstieg
In einigen Ländern bleibt die gesamte Brandfläche zwar vergleichsweise gering, dennoch verzeichnen sie 2026 einen deutlichen Anstieg gegenüber ihrem vierzehnjährigen Durchschnitt.
So verlor Österreich bis Anfang August 1.687 Hektar, im Durchschnitt waren es 513 Hektar. Dänemark meldet 1.177 Hektar statt sonst 404 Hektar. In Deutschland verbrannten 6.045 Hektar gegenüber 3.098 Hektar im Mittel. Die Niederlande kommen auf 1.677 Hektar, bislang lag der Durchschnitt bei 352 Hektar.
Ähnlich entwickelt sich die Lage im Vereinigten Königreich: Dort gingen 22.206 Hektar verloren, gegenüber 12.311 Hektar im Durchschnitt. 2026 ist damit nicht nur für das Vereinigte Königreich, sondern auch für mehrere andere europäische Länder das schwerste Brandjahr der vergangenen 15 Jahre – zumindest nach dem Stand von Anfang August.
Die Türkei erlebt in diesem Jahr deutlich weniger Brände. Dort sind bislang 39.556 Hektar verbrannt, im Durchschnitt waren es 134.707 Hektar.
„Brandrisiko ist nicht mehr auf den Mittelmeerraum begrenzt“
Simone Varotto mahnt die Behörden im Vereinigten Königreich und empfiehlt, die Entwicklungen in Südeuropa als Frühwarnsignal zu verstehen.
„Die diesjährigen Hitzewellen und Brände in Südengland, die bereits mehr als 20.000 Hektar zerstört haben, zeigen, dass das Brandrisiko nicht mehr auf den Mittelmeerraum beschränkt ist“, sagte er.