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Schon jetzt: Welle von Fake News vor Frankreichs Präsidentschaftswahlen 2027

ARCHIV: Der frühere französische Premierminister Gabriel Attal verlässt nach einem Treffen mit Präsident Emmanuel Macron den Élysée-Palast in Paris, am zehnten Oktober 2025.
ARCHIV: Der frühere französische Premierminister Gabriel Attal verlässt nach einem Treffen mit Präsident Emmanuel Macron den Élysée-Palast in Paris, am zehnten Oktober 2025. Copyright  AP Photo/Thibault Camus
Copyright AP Photo/Thibault Camus
Von James Thomas & Tamsin Paternoster
Zuerst veröffentlicht am
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Vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im Frühjahr 2027 sind mehrere Kandidaten, die die Nachfolge von Emmanuel Macron antreten wollen, Opfer von Desinformationskampagnen.

Die französische Präsidentschaftswahl ist für das Frühjahr 2027 angesetzt. Schon jetzt häufen sich Fake News und mutmaßlich ausländische Desinformationskampagnen, die inzwischen strafrechtliche Verfahren ausgelöst haben.

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Mitarbeitende des Bot-Beobachternetzwerks AntiBot4Navalny haben eine Kampagne entdeckt, die mit "Matryoshka" (auf Deutsch auch: "Matroschka") verbunden ist, einer verdeckten Einfluss- und Desinformationsoperation, die pro-russische Narrative verbreitet und auch hinter irreführenden Posts zu den Landtagswahlen in Deutschland steckt.

Zunächst nahmen die Posts in Frankreich den ehemaligen Regierungschef Gabriel Attal ins Visier, der als Nachfolger des scheidenden Präsidenten Emmanuel Macron kandidiert.

Gabriel Attal hat bei den französischen Behörden Strafanzeige gestellt wegen "aus russischen Netzwerken stammender ausländischer Einmischung", nachdem gefälschte Videos, die französische Medien imitierten, ihn im Internet attackierten.

Die Fake-Videos zeigten Logos bekannter französischer Medien wie Le Figaro und Libération. Sie versuchten, Attal zu diskreditieren, indem sie ihn mit politischen Skandalen in Verbindung brachten.

Einige Beiträge stellten Attals Gesundheit infrage. Eine erfundene Schlagzeile behauptete, er sei ins Krankenhaus eingeliefert worden, eine andere unterstellte ihm, der 37-Jährige wäre an Parkinson erkrankt.

Diese falschen Schlagzeilen behaupten, Attals Gesundheitszustand habe sich verschlechtert.
Diese falschen Schlagzeilen behaupten, Attals Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Euronews

Zum Teil paradox war, dass verschiedene Falschmeldungen Attal sogar vorwarfen, er habe eine Kampagne gegen „nicht existierende“ russische Desinformation gestartet, um die Blockierung auf der Plattform X zu rechtfertigen.

Andere Beiträge behaupteten, er habe Medien dafür bezahlt, Falschinformationen über ihn zu verbreiten, und er habe erwogen, ein Attentatskomplott auf sich selbst zu erfinden, um Russland die Schuld zuzuschieben.

Die Nachrichtenagentur AFP, die Attals Anzeige einsehen konnte, berichtete, die Anwälte des früheren Premierministers warnten, die fingierten Inhalte könnten die Integrität der kommenden Wahl untergraben.

Das Generalsekretariat für Verteidigung und Nationale Sicherheit (SGDSN) sowie Viginum, die Behörde zur Überwachung ausländischer Einflussnahme, sollen Attal vor der Desinformationskampagne gegen ihn gewarnt haben.

Attals Büro reagierte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Eine Auswahl gefälschter Beiträge in sozialen Netzwerken, die Falschinformationen über Attal verbreiten.
Eine Auswahl gefälschter Beiträge in sozialen Netzwerken, die Falschinformationen über Attal verbreiten. Euronews

Auch Kandidat Edouard Philippe im Visier

Nach der Kampagne gegen Attal stellten Forschende fest, dass das Matryoshka-Netzwerk seinen Fokus auf Édouard Philippe verlagerte, einen weiteren ehemaligen Premierminister und Präsidentschaftskandidaten.

Die Beiträge gegen ihn folgen einem ähnlichen Muster wie jene gegen Attal. Sie ahmen renommierte Medien wie Le Monde und AFP nach und vermischen reale Vorgänge mit verzerrten Behauptungen.

So behauptet ein Posting fälschlichlicherweise, eine Politikerin habe eingeräumt, Edouard Philippe habe Korruption um die Organisation LH French Tech organisiert.

Gegen Philippe läuft derzeit ein Verfahren wegen mutmaßlicher finanzieller Unregelmäßigkeiten. Es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass Stéphanie de Bazelaire, die in der Untersuchung ebenfalls eine Rolle spielt, diese Aussagen tatsächlich gemacht hat, obwohl der Post das nahelegt.

Im Zentrum der Ermittlungen steht eine vierjährige Vereinbarung im Wert von 2,154 Millionen Euro zwischen dem Großraum Le Havre und LH French Tech über den Betrieb des dortigen Innovationszentrums aus der Zeit, als Edouard Philippe Bürgermeister von Le Havre war.

Die Finanzstaatsanwaltschaft ermittelt gegen den Politiker wegen des Verdachts der Veruntreuung öffentlicher Gelder, Begünstigung, eines unzulässigen Interessenkonflikts und finanziellen Fehlverhaltens eines Amtsträgers.

Philippe weist die Vorwürfe zurück und betont, er arbeite vollständig mit den Ermittlern zusammen.

Andere Beiträge behaupten, Edouard Philippe habe sich dafür entschuldigt, die Bewohner der ehemaligen Kolonien Frankreichs als „Gesindel“ bezeichnet zu haben, und eine Firma im Besitz seiner Frau habe giftige Bestandteile für den COVID-19-Impfstoff von Moderna geliefert.

Für keine dieser Behauptungen gibt es glaubwürdige Belege. Auch ist nicht dokumentiert, dass die in den Posts imitierten Medien entsprechende Meldungen veröffentlicht hätten.

Das Matryoshka- oder Matroschka-Netzwerk nimmt nicht zum ersten Mal Wahlen ins Visier. Eine parallele Kampagne mit den gleichen Methoden richtet sich auch gegen Kandidatinnen und Kandidaten bei den deutschen Landtagswahlen im September.

Hier versucht die Kampagne, weiter bestehende Spannungen zwischen Ost- und West auszunutzen,was nach Einschätzung von Expertinnen und Experten bestehende Ressentiments anheizen und die politische Polarisierung weiter vertiefen soll.

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