Extreme Hitze setzt Italiens „Käsebanken“ in Emilia-Romagna unter Druck: höhere Energiekosten, weniger Milch für die Parmigiano-Reggiano-Laibe.
Die Hitzewellen dieses Sommers in Norditalien schlagen inzwischen an unerwarteter Stelle zu: in den Lagerhäusern, in denen Regionalbanken gereiften Käse als Sicherheit für Kredite an Milchbauern aufbewahren.
Credito Emiliano, kurz Credem, akzeptiert seit 1953 junge Laibe Parmigiano Reggiano als Pfand. Die Tochtergesellschaft Magazzini Generali delle Tagliate lässt den Käse in Reggio Emilia und Modena reifen und lagert mehr als eine halbe Million Laibe mit einem Wert von deutlich über 300 Millionen Euro.
Die Produzenten erhalten zunächst 60 bis 80 Prozent des Wertes eines Laibs. Parmigiano muss mindestens zwölf Monate reifen, oft 24 oder 36. Dieses lange Warten bindet Geld, das kleine Käsereien nicht haben.
Dank Blockchain-Technologie können Landwirte ihre Laibe inzwischen verpfänden, obwohl der Käse in ihren eigenen Reifekammern liegt. Die Bank kann dadurch etwa doppelt so viel Kredit vergeben.
Doch die richtige Temperatur für diese Vorräte zu halten, ist deutlich riskanter geworden.
Der tägliche Stromverbrauch in den Tresorräumen stieg auf dem Höhepunkt der diesjährigen Hitze um rund 30 Prozent. Die Bank musste Kühlanlagen und Heizkessel erneuern, zusätzlich dämmen und die eigene Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen ausbauen.
Manche Laibe liegen bis zu drei Jahre im Lager. Jeder heiße Sommer treibt die Kosten nach oben, lange bevor der Käse verkauft werden kann. Der Sommer 2026 könnte einer der heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Italien werden.
Wo sich die Schäden zeigen
Die Belastung durch die extreme Hitze beginnt im Stall.
Steigen die Temperaturen über 40 Grad, liegen Kühe häufiger und fressen weniger. Die Milchleistung kann um bis zu zehn Prozent sinken.
„Extreme Hitze wirkt sich auf Qualität und Menge der Milch aus“, sagt Nicola Bertinelli, Präsident des Konsortiums Parmigiano Reggiano.
Die Regeln lassen kaum Spielraum. Der Käse darf nur in fünf Provinzen hergestellt werden, aus Milch von Kühen, die mit dort angebautem Gras und Heu gefüttert werden. Eine Trockenperiode trifft daher sowohl das Futter als auch den Bestand.
Die Dimensionen sind groß: In Italien wurden 2025 laut Konsortium 4,19 Millionen Laibe produziert, mit einem Verbrauchermarkt von rund 4 Milliarden Euro.
Ökonomen berichten, dass Hitze sich häufig genau so auswirkt, indirekt und mit zeitlicher Verzögerung.
R. Jisung Park, Arbeitsökonom an der Wharton School, erklärt, dass Hitze in den Vorstufen „messbare Auswirkungen auf die Bewertung von Unternehmen weiter unten in der Kette“ hat. Das zeigt sich, wenn eine Hitzewelle im Kuhstall Monate später zu einem Kostenproblem für eine Bank wird.
Ein im März veröffentlichtes Arbeitspapier der Europäischen Zentralbank kommt zu dem Schluss, dass der Wachstumsverlust durch extreme Hitze in Italien und Spanien geringer ausfällt als in Deutschland. Die Volkswirtschaften im Süden sind besser an hohe Temperaturen angepasst. Hinter moderaten gesamtwirtschaftlichen Zahlen können sich aber hohe Verluste entlang der Lieferkette verbergen.