Die Ratingagentur hob am Freitag Portugals Kreditwürdigkeit von „A“ auf „A+“ an und bestätigte den Ausblick „stabil“, wie sie in einer Mitteilung erklärte.
Die Ratingagentur Fitch hat die Einstufung der portugiesischen Staatsanleihen von „A“ auf „A+“ angehoben und den Ausblick auf „stabil“ gesetzt, teilte das Unternehmen in einer Mitteilung mit, die auf seiner Website veröffentlicht wurde (Quelle auf Portugiesisch). Damit folgt Fitch dem derzeit hohen Vertrauen anderer Ratingagenturen und von Investoren in das Land, so die Agentur für Außenhandel und Investitionen Portugals (AICEP). Nach Angaben der portugiesischen Regierung (Quelle auf Portugiesisch) vergeben „alle Finanzratingagenturen“ Portugal die Note „A“.
Im August bestätigte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) (Quelle auf Portugiesisch) ihre unaufgeforderten Bonitätsnoten für Portugals Staatsanleihen bei „A+/A-1“ für langfristige und kurzfristige Verbindlichkeiten in Fremd- und Lokalwährung und hielt am positiven Ausblick fest. Auch Morningstar DBRS bestätigte im Juli 2025 (Quelle auf Portugiesisch) die Einstufung der Republik Portugal bei „A (hoch)“ mit „stabilem Ausblick“.
Die am Freitag veröffentlichte Entscheidung von Fitch stützt sich auf stärkere öffentliche Finanzen. Die Agentur erwartet einen weiteren Rückgang der Staatsschulden und ein robusteres Wirtschaftswachstum als in den meisten anderen Ländern. Grundlage ist nach eigenen Angaben ein starkes politisches Bekenntnis zu haushaltspolitischer Vorsicht.
„Die Anhebung spiegelt die Stärkung der öffentlichen Finanzen Portugals wider. Dazu gehören eine erwartete Rückführung der Staatsverschuldung und deutlich solidere Haushaltsüberschüsse als in vergleichbaren Ländern, getragen von einem starken politischen Bekenntnis zu haushaltspolitischer Vorsicht“, erklärt Fitch.
Nach Einschätzung der Agentur stützen überdurchschnittliche Governance-Indikatoren im Vergleich zu anderen Ländern mit „A“-Rating die Bonitätsnote Portugals. Hinzu kommen institutionelle Stärken durch die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und der Eurozone. Dem stehen jedoch weiterhin hohe öffentliche und externe Schuldenbestände gegenüber.
Fitch betont außerdem, dass die vorsichtige Wirtschaftspolitik, wiederholt besser als erwartete Haushaltsabschlüsse und anhaltende Leistungsbilanzüberschüsse die Widerstandskraft der portugiesischen Wirtschaft erhöht haben. Portugal könne Schocks dadurch besser abfedern.
Die Agentur rechnet damit, dass die Staatsverschuldung von 89,7 % des BIP im Jahr 2025 auf 87,0 % im Jahr 2026 und 82,9 % im Jahr 2028 sinkt. Grundlage sind anhaltende Primärüberschüsse und ein moderates nominales Wachstum. Dennoch dürfte die Schuldenquote deutlich über der erwarteten Medianrate von 59,5 % des BIP für Länder mit „A“-Rating bleiben.
Der Minister für Staat und Finanzen, Joaquim Miranda Sarmento, erklärte am Donnerstag, der Rückgang der Verschuldung im Verhältnis zum BIP sei „Frucht der Arbeit der Familien und Unternehmen in den vergangenen Jahren“. Dieser Prozess dürfe nicht abreißen; nötig sei ein anhaltendes Tempo beim Abbau der Staatsschulden. Sarmento forderte zudem einen deutlichen Bürokratieabbau. Übermäßige Verwaltungslasten „würgen Unternehmen und Bürger ab, begrenzen und verzögern private Investitionen, insbesondere ausländische Direktinvestitionen“ und hätten damit „einen starken Effekt auf das Potenzialwachstum des BIP“.
Auf der Plattform X sprach der Finanzminister von einer „ausgezeichneten Nachricht für Portugal“, das damit erstmals seit März 2011 wieder die Einstufung „A+“ erreicht.
Auch der Präsident der Republik begrüßte am Morgen die Bewertung der Ratingagentur. „Dies ist eine ausgezeichnete Nachricht für das Land und eine wichtige externe Anerkennung der Leistung Portugals. Sie ist das Ergebnis einer mittel- und langfristigen Entwicklung, getragen vom Einsatz der Portugiesinnen und Portugiesen und einer verantwortungsbewussten Politik, die verschiedene Regierungen fortgeführt haben“, schreibt António José Seguro auf der Website des Präsidialamts (Quelle auf Portugiesisch). „Eine bessere Bewertung wird die Finanzierungsbedingungen für den Staat, die Unternehmen und die Familien verbessern, Investitionen und Beschäftigung fördern und es ermöglichen, mehr öffentliche Mittel auf die Bedürfnisse der Menschen zu lenken“, so der Präsident.
„Wenn man auf das Jahr 2026 eines Tages zurückblickt, wird dies sicher eine seiner wichtigsten wirtschaftlichen Nachrichten sein“, fügt Seguro hinzu.
Mehr Verteidigungsausgaben belasten Staatsfinanzen
Fitch schätzt, dass der Haushaltsüberschuss von 0,7 % des BIP im Jahr 2025 auf 0,1 % im Jahr 2026 zurückgeht. Gründe sind Notfallhilfen und Wiederaufbauausgaben nach den Stürmen, Steuerentlastungen und Wohnungsbauprogramme im Staatshaushalt 2026, ein Investitionshöhepunkt bei den Kreditkomponenten des Plans für Aufbau und Resilienz (PRR) sowie steigende Ausgaben für Löhne und Renten.
Diese Effekte dürften laut Fitch teilweise durch höhere Sozialbeiträge infolge des anhaltenden Beschäftigungswachstums und durch eine umfangreiche Dividendenausschüttung der Caixa Geral de Depósitos ausgeglichen werden.
Für die Jahre 2027 und 2028 erwartet Fitch ein durchschnittliches Defizit von rund 0,4 % des BIP. Die Agentur rechnet damit, dass die Alterung der Bevölkerung und eine geringere Zuwanderung die Ausgaben erhöhen und den Druck auf die Sozialbeiträge verstärken. Der Finanzstabilisierungsfonds der Sozialversicherung, dessen Vermögen Ende 2025 13,9 % des BIP entsprechen dürfte, verschaffe jedoch „eine beträchtliche Sicherheitsmarge“.
Auch die Wohnungskosten bereiten Sorge. Der rasche Anstieg der Immobilienpreise hat sich bisher zwar noch nicht in „bedeutenden makrofinanziellen Risiken auf kurze Sicht“ niedergeschlagen. Er kann jedoch die Verwundbarkeit des Immobilienmarktes erhöhen und den Druck auf die Wohnungserschwinglichkeit verstärken, warnt die Agentur.
Im ersten Quartal 2026 lagen die Preise für Wohnimmobilien rund 99 % über dem Niveau des vierten Quartals 2019. In der Eurozone betrug der Anstieg im gleichen Zeitraum 31 %.
Das geringe Angebot und die starke Nachfrage nach Wohnraum, verstärkt durch hohe Zuwanderung, deuten laut Fitch darauf hin, dass die Spannungen am Immobilienmarkt vor allem struktureller Natur sind. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit einer abrupten Korrektur auf kurze Sicht. „Ein solides Bankensystem dürfte helfen, die mit dem Immobilienmarkt verbundenen Finanzrisiken und die daraus resultierende Verschuldung der Haushalte zu begrenzen“, so die Agentur.
Ein weiterer Faktor ist das NATO-Ziel, die Verteidigungsausgaben bis 2035 auf fünf Prozent des BIP zu steigern. Fitch erwartet, dass dies „mittelfristig zusätzlichen Druck auf die öffentlichen Finanzen“ ausübt. Dennoch sieht die internationale Ratingagentur in der relativ stabilen Haushaltspolitik über mehrere Regierungswechsel hinweg einen wichtigen Puffer, der die Risiken aus größerer politischer Unsicherheit abmildert.