Der bilaterale Handel erreichte 2025 mit 41,9 Mio. Dollar einen Rekordwert. Serbische Agrar- und Lebensmittelexporte legten Anfang 2026 um 54,1 % zu; beide Seiten sprechen über ein Freihandelsabkommen und neue Investitionsprojekte.
Serbien und Usbekistan haben am Montag in Belgrad erstmals ihre Gemeinsame Kommission für wirtschaftliche Zusammenarbeit einberufen. Das Treffen fand nur wenige Stunden vor der Ankunft des usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev zu einem zweitägigen offiziellen Besuch statt.
An dem Treffen nahmen der für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit zuständige serbische Minister Nenad Popović und Usbekistans Minister für Investitionen, Industrie und Handel, Laziz Kudratov, teil.
Nach Angaben von Euronews Serbien konzentrierten sich die Gespräche vor allem darauf, Handel und Investitionen auszuweiten, Unternehmen direkter zu vernetzen und Bereiche für gemeinsame Projekte zu identifizieren.
Der bilaterale Handel belief sich im Jahr 2025 auf rund 41,9 Mio. Dollar (36,1 Mio. Euro) – so viel wie noch nie. Nach Daten der serbischen Handelskammer entspricht das einem Plus von 27 Prozent gegenüber 2024, als das Handelsvolumen 32,9 Mio. Dollar betrug. Serbische Exporte machten davon 26,39 Mio. Dollar aus, die Einfuhren aus Usbekistan lagen bei 15,46 Mio. Dollar.
„Unsere Aufgabe besteht darin, diesen starken politischen Schwung in konkrete Ergebnisse zu verwandeln: mehr Handel, neue Investitionen, gemeinsame Projekte und eine stärkere Präsenz serbischer Unternehmen auf dem usbekischen Markt“, sagte Popović.
Agrarsektor treibt Ausbau an
Zu den am schnellsten wachsenden Bereichen der Zusammenarbeit zählen derzeit Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.
Die serbischen Ausfuhren von Agrar- und Lebensmittelerzeugnissen nach Usbekistan stiegen zwischen Januar und Juli 2026 um 54,1 Prozent, wie auf dem Treffen vorgestellte Zahlen zeigen.
Als weitere Wachstumfelder nannten die Vertreter Saatgut und Pflanzgut, Landmaschinen sowie Anlagen für die Lebensmittelverarbeitung.
Die beiden Regierungen blicken jedoch weit über den Agrarsektor hinaus.
Zu den diskutierten Branchen gehören Maschinen- und Elektrotechnik, Pharmaindustrie, Textilien, Bauwirtschaft, Energie, Transport und Logistik sowie Informationstechnologie, künstliche Intelligenz, Robotik und Digitalisierung.
Zum Abschluss des Treffens am Montag unterzeichneten Popović und Kudratov ein Protokoll, das vorrangige Bereiche und nächste Schritte festlegt. Beide Seiten vereinbarten zudem, die Kommission zum zentralen institutionellen Instrument zu machen, um Vereinbarungen nachzuverfolgen und neue wirtschaftliche Initiativen zu entwickeln.
Freihandelsabkommen: Gespräche starten
Als besonders weitreichender Schritt gilt die Aussicht auf ein bilaterales Freihandelsabkommen.
„Wir nehmen auch Gespräche über ein Freihandelsabkommen auf, das den zollfreien Handel ermöglichen und so den Warenaustausch steigern würde“, erklärte Kudratov.
Die Idee geht dem Besuch Mirziyoyevs voraus. Bereits bei Gesprächen in Taschkent im Mai hatten serbische und usbekische Vertreter darüber diskutiert, Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zu starten.
Beide Seiten wollen damit ihre bisher im Verhältnis zur Größe ihrer Volkswirtschaften noch bescheidenen Handelsbeziehungen deutlich ausbauen.
Ökonomische Entscheidungsträger in Usbekistan verweisen darauf, dass Serbien usbekischen Unternehmen als Brücke zu den Märkten in Zentral- und Südosteuropa dienen könnte. Umgekehrt erhielten serbische Firmen durch engere Beziehungen zu Usbekistan besseren Zugang zu einem der größten Märkte Zentralasiens.
Mirziyoyev-Besuch bringt politischen Schub
Die Kommission tagte kurz vor Mirziyoyevs Ankunft in Belgrad, wo er Gespräche mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić führen soll.
Nach Angaben der usbekischen Präsidentschaft liegt der Schwerpunkt des Besuchs auf Handel, Investitionen und gemeinsamen Projekten in den Bereichen Verkehr, Maschinenbau, Leicht- und Lebensmittelindustrie, Landwirtschaft, Pharmaindustrie und Informationstechnologie. Auch organisierte Arbeitsmigration steht auf der Tagesordnung.
Am Dienstag wollen beide Präsidenten eine gemeinsame Erklärung zur Einrichtung einer strategischen Partnerschaft zwischen Serbien und Usbekistan unterzeichnen, flankiert von einem Paket weiterer bilateraler Dokumente. Zudem ist in Belgrad ein serbisch-usbekisches Wirtschaftsforum geplant.
Der Besuch folgt auf Vučićs Reise nach Usbekistan im Oktober 2025 und fällt in eine Phase, in der Serbien die Eröffnung einer Botschaft in Taschkent vorbereitet – ein weiteres Zeichen für den raschen Ausbau der politischen Kontakte zwischen beiden Ländern.
Für Belgrad hat die Beziehung auch eine deutliche politische Dimension: Serbische Vertreter betonen immer wieder, dass Usbekistan Serbiens territoriale Unversehrtheit und seine Position in der Kosovo-Frage unterstützt.