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Billionen liegen brach: So viel Geld verlieren Europäer mit ihren Ersparnissen

Archivbild: EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen und die Spar- und Investmentunion Maria Luís Albuquerque spricht auf einer Pressekonferenz in Brüssel, März 2025
ARCHIV: EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen und die Spar- und Investitionsunion Maria Luís Albuquerque bei einer Pressekonferenz in Brüssel, März 2025 Copyright  AP Photo/Virginia Mayo
Copyright AP Photo/Virginia Mayo
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am
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Laut einer Revolut-Studie verlieren Europäer im Schnitt 294 € Kaufkraft pro 10.000 € Bankguthaben. In 20 EU-Staaten liegen 6,3 Billionen € auf niedrig verzinsten Konten, während Brüssel das Geld in die Kapitalmärkte lenken will.

Wer sein Erspartes ungenutzt auf dem Konto lässt, zahlt einen Preis. Neue Zahlen zeigen, wie hoch er ist.

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Revolut hat vergangene Woche seinen European Wealth Drain Index veröffentlicht. Die Studie kombiniert eine Befragung von 20.007 Erwachsenen in 20 Mitgliedstaaten mit offiziellen Daten zu Einlagen und Inflation. Das Ergebnis: Ein Kontinent, in dem Haushalte still und leise ärmer werden und ihr Geld auf Konten liegen lassen.

In zwölf der 20 untersuchten Märkte reichen die durchschnittlichen Einlagenzinsen nicht aus, um die Teuerung auszugleichen.

Im Schnitt bringen Sparguthaben 2,76 Prozent Zinsen, bei einer Inflation von 2,94 Prozent. Selbst wer sein Geld fest anlegt, verliert also real an Kaufkraft.

Trägheit, Verunsicherung und App-Müdigkeit

Der entgangene Gewinn ist noch höher als der reine Inflationsverlust.

Verglichen mit der jährlichen Rendite von 9,06 Prozent, die der MSCI-Europe-ETF über zehn Jahre erzielt hat, errechnet Revolut: Haushalte verzichten im Schnitt auf 638 Euro pro 10.000 Euro Guthaben und Jahr, wenn sie ihr Geld auf dem Konto liegen lassen.

Hochgerechnet auf Einlagen von 6,3 Billionen Euro sind das 422 Milliarden Euro Wachstumskapital pro Jahr, das Europas Unternehmen nicht erreicht.

Dafür, dass Sparer nicht umschichten, nennt die Studie vor allem drei Gründe.

Zwei Drittel haben noch nie die Bank gewechselt, um bessere Zinsen zu bekommen. 26 Prozent sagen, sie bevorzugten schlicht ihr bisheriges Institut. 18 Prozent halten den Unterschied für vernachlässigbar, 15 Prozent wissen nicht, wo sie überhaupt suchen sollen.

Fast die Hälfte, 46 Prozent, verschätzt sich bei der realen, um Inflation bereinigten Rendite. 19 Prozent wissen nicht, dass die Teuerung ihre Guthaben überhaupt schmälert. Mehr als die Hälfte nutzt mehrere Finanz-Apps; von diesen sagen 45 Prozent, die Zersplitterung erschwere ihnen das Investieren aktiv.

Hinzu kommt: Ein Fünftel der Europäerinnen und Europäer hat überhaupt keine Ersparnisse.

Wenn die Trägheit so groß ist, stellt sich die Frage, ob bessere Produkte allein ausreichen – oder ob es stärkere Anreize braucht, ähnlich der automatischen Anmeldung in der betrieblichen Altersvorsorge.

Rolandas Juteika, Leiter Vermögensverwaltung und Handel bei Revolut, lehnt diesen Ansatz ab.

Sein Unternehmen mit mehr als 80 Millionen Kunden hat allerdings ein klares Geschäftsinteresse an der Debatte. Revolut verkauft genau jene Anlageprodukte, die laut Studie mehr Europäer nutzen sollten, und meldet, dass die Zahl der aktiven EU-Privatanleger auf der Plattform im Jahresvergleich um 56 Prozent gestiegen ist.

Bei den Menschen, die gar nicht investieren, nennt die Umfrage vor allem zwei Hürden: Für 29 Prozent ist das wahrgenommene Risiko ausschlaggebend, für 27 Prozent fehlendes Wissen.

„Zwangsweise Anmeldung löst nicht die eigentlichen Ursachen der Trägheit: wahrgenommenes Risiko (29 Prozent) und fehlendes Wissen (27 Prozent)“, sagte Juteika gegenüber Euronews. Er ergänzte: „Mit einer mittleren Erstanlage von nur 18 Euro sehen wir aus erster Hand, dass eine Grenze von einem Euro die Kundinnen und Kunden ganz natürlich zum Handeln ermutigt.“

Gefragt, ob das Bündeln von Bankkonto, Sparfunktion und Anlageprodukten in einer einzigen App die Zersplitterung tatsächlich verringert oder nur verlagert, spricht Juteika von einem strukturellen Unterschied.

Die Zusammenführung dieser Funktionen „entfernt die administrative Mauer zwischen Gehalt, Ersparnissen und Kapitalmarkt“, sagte er.

Europa spaltet sich in drei Sparwelten

Die regionalen Unterschiede fallen deutlich aus.

In Mittel- und Osteuropa klafft die Lücke zwischen Inflation und Einlagenzinsen am stärksten. Bulgarien verzeichnet einen Abstand von 2,3 Prozent, die Slowakei von 1,7 Prozent und Litauen von 1,3 Prozent. Gleichzeitig ist dort die Bereitschaft am größten, auch kleine Beträge zu investieren: In Bulgarien und Rumänien wären jeweils 51 Prozent bereit, zu beginnen.

In West- und Südeuropa liegen die größten Summen ungenutzten Bargelds. Allein in Deutschland sind es 1,9 Billionen Euro, in Frankreich 588 Milliarden Euro. Dort liegt die Opportunitätslücke bei rund 6 bis 7 Prozent.

In Nordeuropa liegen die Einlagenzinsen in etwa auf Inflationsniveau. Doch dort ist das Bewusstsein am geringsten: In Dänemark und Schweden verstehen weniger als 40 Prozent der Befragten, wie Inflation den langfristigen Vermögensaufbau beeinflusst.

Brüssel will Spargelder in Bewegung bringen

Die Ergebnisse treffen mitten in eine aktuelle politische Debatte.

Bei einer Rede vor französischen Wirtschaftsvertretern in Paris im vergangenen Monat formulierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fast dieselben Argumente. Sie stellte brachliegende Einlagen als Problem der europäischen Wettbewerbsfähigkeit dar, nicht nur der privaten Geldanlage.

„In Europa gibt es keinen Mangel an Technologie oder Ersparnissen“, erklärte von der Leyen und fügte hinzu: „Es fehlt noch immer an Kapazität, europäische Unternehmen hochzuskalieren.“

Unternehmen, die in Europa gegründet werden, verlagern nach ihren Worten zu oft den Schwerpunkt ins Ausland oder werden ganz übernommen, um dort Finanzierung zu finden.

„Europa hat Ersparnisse. Und leider liegen diese Ersparnisse ungenutzt herum“, fuhr sie fort.

„Heute liegen 10 Billionen Euro an privaten Ersparnissen auf Bankkonten. Ein großer Teil des europäischen Kapitals ist außerhalb unseres Kontinents investiert. Europa muss diese Ersparnisse jetzt für seine Unternehmen mobilisieren. Das ist das Ziel der Savings and Investments Union.“

Die 10 Billionen Euro der Kommission und die 6,3 Billionen Euro von Revolut beziehen sich jedoch auf unterschiedliche Größen.

Die Zahl der Kommission umfasst alle privaten Ersparnisse auf Bankkonten in der gesamten EU. Revolut berücksichtigt nur liquide Einlagen in den 20 untersuchten Märkten; sieben Mitgliedstaaten fallen damit heraus.

ARCHIV: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gibt am 2. September 2026 im EU-Hauptquartier in Brüssel eine Presseerklärung ab
ARCHIV: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gibt am 2. September 2026 im EU-Hauptquartier in Brüssel eine Presseerklärung ab AP Photo/Virginia Mayo

Die Rechnung hinter dem Interesse aus Brüssel ist einfach.

Der Draghi-Bericht schätzt den zusätzlichen Investitionsbedarf Europas bis 2030 auf 750 bis 800 Milliarden Euro pro Jahr. Das Geld soll Digitalisierung, Energie, Verteidigung und Infrastruktur finanzieren – Summen, die die Mitgliedstaaten nicht einfach über Schulden aufnehmen können.

Die öffentliche Verschuldung lag laut Eurostat im ersten Quartal dieses Jahres bei 82,9 Prozent der Wirtschaftsleistung in der EU und bei 88,9 Prozent im Euroraum. Wenn das zusätzliche Geld nicht von den Staaten kommen kann, muss es aus anderen Quellen stammen.

Als Instrument dafür dient die Savings and Investments Union, eine Strategie, die im März 2025 beschlossen wurde und von Finanzmarktkommissarin Maria Luís Albuquerque verantwortet wird.

Sie ist kein Mechanismus, um direkt auf Sparguthaben zuzugreifen, und verleiht auch keine entsprechenden Befugnisse.

Stattdessen setzt die Union auf Anreize und technische Infrastruktur. Eine Empfehlung zu Spar- und Anlagekonten soll privaten Sparerinnen und Sparern einen einfachen Zugang zum Kapitalmarkt eröffnen. Hinzu kommen eine Überprüfung des gesamteuropäischen Rentenprodukts, zu dem der Rat im Juni eine Position beschlossen hat, Regeln für Verbriefungen, neue Vorgaben dafür, wie Banken und Versicherer investieren dürfen, sowie eine stärkere Aufsicht.

„Zusammen könnten diese Maßnahmen bis zu 470 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen freisetzen“, sagte von der Leyen.

Juteika unterstützt den Ansatz, sieht aber eine entscheidende Lücke.

„Wichtig ist, dass sich die EU auf einen einheitlichen Binnenmarkt stützen kann, der von Open-Banking- und Open-Finance-Prinzipien getragen wird“, sagte er Euronews. „So können Bürgerinnen und Bürger ihre gesamte Finanzlage überblicken, Innovationen nutzen und Kapital reibungslos bewegen. Während die Politik nachzieht, überbrücken wir diese Lücke bereits in allen 27 Mitgliedstaaten.“

Doch nicht alle sind überzeugt. Kritiker wenden ein, dass die Kommission bei einer Finanzierungslücke dieser Größenordnung ein offensichtliches Interesse daran hat, wohin privates Geld fließt. Zudem konzentriere eine harmonisierte Aufsicht mehr Macht in Brüssel – zulasten der nationalen Behörden und der einzelnen Sparerinnen und Sparer.

Der Zeitplan ist eng, und von der Leyen hat bereits signalisiert, dass sie nicht auf alle warten will.

„Wir müssen jetzt eine Einigung erzielen, vor Jahresende, idealerweise mit allen 27 Mitgliedstaaten. Wenn das nicht gelingt, werden wir sie notfalls mit den Ländern erreichen, die dazu bereit sind“, erklärte sie.

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