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Rheinmetall-Chef Papperger: "Die Roboter werden kommen"

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Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender des Rüstungskonzerns Rheinmetall
Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender des Rüstungskonzerns Rheinmetall Copyright  Rheinmetall/ Felix Matthies
Copyright Rheinmetall/ Felix Matthies
Von Eduard Wolter & Donogh McCabe
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Rheinmetall-Chef Armin Papperger über leere Raketenbestände, den Ausbau der Rüstungsproduktion und die Waffensysteme der Zukunft. Welche Rolle spielen Erfahrungen aus der Ukraine, der Skyranger, Drohnen, Kampf-Roboter und der Weltraum? Interview mit dem CEO des größten, deutschen Rüstungskonzerns.

Deutschland will seine Verteidigungsfähigkeit deutlich ausbauen. Doch dabei geht es längst nicht nur um mehr Munition und Raketen. Auch Flugabwehr, Drohnen und neue Technologien wie humanoide Roboter und Weltraumsysteme spielen eine zunehmend wichtige Rolle.

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Rheinmetall-Chef Armin Papperger spricht über die Aufrüstung, die aktuellen Engpässe – und darüber, welche Waffensysteme in Zukunft entscheidend sein könnten.

Bei der Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 in Wolgast haben wir mit Papperger über Deutschlands Rüstungsproduktion, die Rolle des Skyrangers und die Waffen der Zukunft gesprochen.

Euronews: Herr Armin Papperger, Sie haben im März gesagt, die Raketenbestände wären bedenklich leer. Wie ist der aktuelle Stand?

Papperger: Ich glaube, das ist immer noch so. Man kann so schnell Raketen nicht produzieren und das ist der Grund, warum wir auch als Rheinmetall ein großes Investitionsprogramm machen, aber nicht nur wir, sondern viele Hersteller.

Und es gibt wahnsinnige Engpässe bei Raketenmotoren, aber auch bei Gefechtsköpfen und wir müssen hier extrem viel schneller werden, um Deutschland, aber auch Europa und die NATO wieder auf eine Sollgröße zu kriegen, die ausreichend ist, wenn wir bedroht werden.

Euronews: Wo stehen wir beim Skyranger? Die Geräte wurden bestellt, aber kommen die auch noch rechtzeitig? Also wie schnell geht das jetzt?

Papperger: Ja, beim Skyranger und das ist wirklich ein Narrativ, das immer wieder reinkommt. Beim Skyranger ist es so, dass wir die Serienlieferung laut Vertrag in 2027 liefern müssen. Und das wird auch geliefert und es sind minimale Verzögerungen, die wir im Augenblick haben.

Wir haben einige Technologien, die wir erneuern müssen. Das ist einmal das Chassis, das ist die Radartechnologie und das sind die Missiles, die integriert werden müssen.

Aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir gemeinsam mit dem BAAINBw (Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr), aber auch oder mit dem Ministerium, eine gute Lösung finden in diesem Bereich.

Unsere Leute arbeiten Tag und Nacht daran und wie Sie wissen, wird die Kapazität im Bereich Skyranger extrem aufgebaut. Bis zu 400 pro Jahr bauen wir oder können wir bauen ab Ende nächsten Jahres. Also, ich sehe da keinerlei Bedenken.

Papperger und Pistorius bei der Kiellegung des dritten Bootes Kl. 424 in Wolgast
Papperger und Pistorius bei der Kiellegung des dritten Bootes Kl. 424 in Wolgast Stamm, Bundeswehr

Euronews: Für die Deep Strike Fähigkeiten gibt es ja ein Joint-Venture. Wo stehen wir da?

Papperger: Das Joint Venture, das wir auf der einen Seite mit Destinus haben, auf der zweiten Seite ist es das, was wir mit Lockheed Martin machen. Mit Lockheed Martin machen wir den Bereich der Artillerieraketen. Die Cruise Missiles machen wir mit Destinus. Diese beiden Joint Ventures sind in der absoluten Endphase der Unterschrift, und wir gehen davon aus, dass wir Ende diesen Jahres, Anfang nächsten Jahres bereits den ersten Auftrag für die Cruise Missiles bekommen.

Euronews: Müsste man nicht simplere Sachen bauen, dafür aber mehr? Zeigt das nicht die Ukraine?

Papperger: Das tun wir auch, aber das hilft mir in einigen Bereichen nicht. Wenn Sie heute sehen, wie die Leistungsfähigkeit eines Skyrangers ist, dass sie auch eine Rakete, die Mach 3 fliegt, runterschießen können. Das können Sie mit einem Interceptor nicht machen und das können Sie mit einem einfachen Gerät nicht machen.

Und wenn Sie heute mit dem Inspekteur des deutschen Heeres sprechen, dann sagt er Ihnen: "In zwei Jahren sieht die Bedrohung ganz anders aus." Der Skyranger ist wirklich etwas, wo Sie Multifähigkeiten haben. Das können wir mit unserer Interceptorlösung oder mit unseren einfachen Lösungen nicht.

Wir haben ja zum Beispiel auch ".50-Guns", mit denen wir leichte Drohnen, Drohnen der Kategorie 1, runterschießen können. Das wird ganz, ganz schwierig, wenn man dann hinterher Jet-Drohnen zum Beispiel hat, dann kann man das kaum mehr bekämpfen. Und deswegen glauben wir, dass eine nachhaltige Lösung die bessere ist.

Euronews: Wie groß ist die Rüstungsindustrie und auch Rheinmetall als Jobmotor wirklich?

Papperger: Ich glaube, dass wir ein guter Jobmotor sind. Wir sind ja zurzeit, ohne den zivilen Bereich, eine Größenordnung von 34.000 Menschen, die bei Rheinmetall arbeiten. Wir wachsen netto etwa 10.000 pro Jahr, und unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 auf 70.000 zu kommen, aber dann eine Lieferkette zu haben, die 210.000 Menschen sind. Also, wenn Sie das zusammenzählen, sind das fast 300.000 Menschen. Das ist ein Jobmotor.

Euronews: Wie schnell kann man denn Rüstungsproduktion, Munitionsproduktion – wie schnell kann man das hochfahren - Firmen wie Rheinmetall?

Papperger: Ja, wir tun es ja. Wir haben es ja gezeigt, bei der Munition zum Beispiel. Bei der Munition sind wir im Mittelkaliber von unter einer Million auf vier Millionen Schuss hoch. Im Artilleriebereich von 70.000 auf 1,5 Millionen Schuss. Bei der Panzermunition auf 240.000 Schuss, von 40.000, 50.000, 60.000 Schuss, je nachdem, wie das Jahr war. Also, wir tun das ja. Und was wir jetzt machen, ist: Wir haben die LKWs verdoppelt.

Also, die logistischen Fahrzeuge und die taktischen Fahrzeuge werden jetzt mehr als verdoppelt. Also, wir machen das. Nur im Augenblick haben wir nicht die Aufträge, um noch mehr zu machen. Rheinmetall hat ein Investitionsprogramm über sechs Jahre von 30 Milliarden Euro, und das ist Wahnsinn, was wir da im Augenblick investieren. Und deswegen ist es so wichtig, dass dieses Zeichen, das wir auch heute wiederum gesetzt haben, dass der Minister hier ist, dass der Minister sich auch darum kümmert, dass wir nicht nur die Kapazitäten aufbauen, sondern dass sie nachhaltig dann auch, dass die Menschen Arbeit haben.

Ja, das ist für mich ein super Zeichen gewesen, ein sehr, sehr gutes Zeichen, und das beruhigt mich auch ein bisschen, sodass die Bundesregierung ihre Verantwortung hier wirklich wahrnimmt.

Euronews: Was kommt als Nächstes? Die Drohnen waren jetzt zuletzt ein großes Thema. Was kommt als Nächstes? Ist es der Weltraum oder ist er es schon, oder sind es auch Kampfroboter, humanoide Roboter?

Papperger: Die Roboter werden kommen, das ist ganz klar. Wir haben ein Forschungszentrum in Bremen für den Bereich humanoide Roboter. Wir arbeiten daran. Wir haben noch keine Serienprodukte, deswegen sind wir da auch noch nicht in die Medien gegangen. Aber wir investieren da sehr viel Geld. Der Weltraum ist etwas, wo wir auch sehr viel Geld investieren, für den Bereich des Satellitenbaus auf der einen Seite, aber auch für den Bereich der Kommunikationsverarbeitung.

Das heißt, alle Informationen, die wir von den Satelliten bekommen, sollen vernünftig verarbeitet werden. Und die Drohnen werden bleiben, und der Rest bleibt auch. Den braucht man ja. Also, für den Kampf der verbundenen Waffen braucht man Artillerie, braucht man Panzerwaffen, braucht man konventionelle Munition, braucht man Drohnen und braucht den Bereich der Missiles.

Und jetzt ist nur die Sache, wie viel man von allem braucht. Es muss ein Mix sein in dem Bereich, ja. Und das wird sich ändern. Das heißt, die Menge von den einzelnen Bereichen, das wird sich verändern.

In eigener Sache: Sehen Sie auch die aktuelle Euronews Exklusiv-Reportage zur deutschen Panzerbrigade in Litauen:

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