Iran kontert Donald Trump mit eigenen Waffen: KI-Videos im Trump-Stil gehen viral. Ein Clip mit einem Cover eines französischen Hits der achtziger Jahre erreicht über acht Millionen Aufrufe im Netz.
Willkommen im Zeitalter des Online-Propagandakriegs. Wir wären lieber in fast jedem anderen Zeitstrahl unterwegs.
Seit Donald Trump am 28. Februar mit gemeinsamen US-israelischen Luftschlägen den Krieg gegen den Iran eröffnet hat, trollt Teheran das Weiße Haus mit einer Flut KI-generierter Propagandavideos.
Die Clips zeigen Lego-Figuren, Sprüche wie „LOSER“ und „Get lost Goldilocks“ zu Gangster-Rap-Beats, Trump als Captain Jack Sparrow in einem neuen Film, präsentiert von „Pedoflix“... Eine scheinbar endlose Schrottflut, die Trump seine eigene Medizin kosten lassen soll.
Tatsächlich verlässt sich Trump seit Langem stark auf KI-Bilder und dreiste Popkultur-Raubszenen, um politische Gegnerinnen und Gegner sowie marginalisierte Gruppen lächerlich zu machen – eine Strategie, die Kurt Sengul, Forscher an der Macquarie University in Australien, im Gespräch mit Euronews Culture als „memetische Kriegsführung“ bezeichnet hat.
Der Chef-Troll im Weißen Haus teilte immer wieder Videos und Bilder, die gezielt Wut schüren – etwa von sich selbst als nächster Papst, Jedi-Ritter, Superman, König, der Fäkalien über Demonstrierende kippt und Jesus. Letzteres Bild löste sogar in Teilen seiner eigenen MAGA-Basis und bei prominenten Mitgliedern der katholischen Kirche Kritik aus.
Nun fällt Trump der eigene KI-Schund auf die Füße. Eine Gruppe popkulturell versierter Aktivistinnen und Aktivisten produziert satirische Inhalte, die online offenbar zünden – gemessen an den Millionen Aufrufen.
Auf der X-Seite von Explosive Media (Quelle auf Englisch), untertitelt mit „Iranian Lego-style animation team. Fast, Instant, Explosive“, erscheinen die meisten Anti-Trump-Clips, die ein riesiges Publikum erreichen. In den Propagandavideos zeigt das Team, wie sicher es westliche Kulturzitate und Bildästhetik beherrscht.
Viele stören sich an dieser Online-Kriegsführung des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Die Videos machen sich über einen realen Krieg mit enormen Opferzahlen lustig. Einige offizielle Regierungsaccounts verbreiteten die KI-Clips sogar weiter – als Replik auf ein Video des Weißen Hauses, das echte amerikanische Angriffe mit Szenen aus Filmen und Videospielen zusammenschneidet.
Das jüngste Beispiel ist ein KI-generiertes Musikvideo im Achtzigerjahre-Stil, das die iranische Botschaft in Südafrika geteilt hat. Darin singt Donald Trump über die Blockade der Straße von Hormus – unterlegt mit einer Coverversion des Hits „Voyage, voyage“ von der französischen Sängerin Desireless aus dem Jahr 1989.
Das Video, das die von einem Vokuhila-Trump angeordnete Blockade verspottet, trägt den Titel „Blockade, blockade“. Im Text heißt es etwa: „I will never give you up / The Strait of Hormuz must be shut“ und „Blockade, blockade / I thought this was easy-peasy / Now MAGA & Melania leave me / Surrender is beneath me“.
Zum Zeitpunkt des Schreibens hat der Clip rund acht Komma sechs Millionen Aufrufe – ein deprimierender Beleg dafür, wie gut diese Troll-Kommunikation funktioniert.
Einmal mehr kopieren solche Videos den Stil der Clips, die das Weiße Haus und Trump auf Truth Social verbreiten. Der Iran hat seinen Gegner verstanden – zumindest verstanden, wie Aufmerksamkeitsökonomie funktioniert.
Ein trauriges Zeugnis moderner geopolitischer Kommunikation? Ohne Frage.
Ist Trump in dem Trollkrieg, den er selbst entfacht hat, komplett ausgekontert worden? Zumindest hat er nun ebenbürtige Gegenspieler.
Zum „Voyage, voyage / Blockade, blockade“-Video hat sich inzwischen Desireless-Sängerin Claudie Fritsch-Mentrop zu Wort gemeldet – und sie ist alles andere als erfreut darüber, als Propagandainstrument zu dienen.
„Ich habe die Nase voll“, sagte sie dem französischen Sender BFMTV und fügte hinzu: „Ich weigere mich, irgendjemandem die Nutzung meines Songs ohne meine Zustimmung zu gestatten – schon gar nicht Politikerinnen und Politikern.“
Über die Tatsache, dass die Macher des Videos vermutlich keine Tantiemen gezahlt haben, hüllt man sich besser in Schweigen.
Die Slopaganda-Kriege gehen weiter. Und falls jemand den Zugang zu jenem alternativen Universum kennt, von dem der Dichter e. e. cummings schrieb: „there's a hell of a good universe next door; let's go“, bitte melden.