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Foo Fighters sind zurück: Urteil zum Album „Your Favorite Toy“ und wichtigste Alben

Euronews Culture urteilt über Foo Fighters-Song 'Your Favorite Toy' – diese Alben sollten Fans besitzen
Euronews Culture bewertet Foo-Fighters-Song „Your Favorite Toy“ – und nennt unverzichtbare Alben Copyright  Roswell - Capitol - RCA
Copyright Roswell - Capitol - RCA
Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Nach „But Here We Are“ kehren die Foo Fighters mit neuem Mitglied und reduziertem Gitarrensound zurück. Wo steht „Your Favorite Toy“ in ihrer Diskografie?

Seit nunmehr drei Jahrzehnten erleben die Foo Fighters Höhen und Tiefen. Doch ihr jüngstes Album – das 2023 erschienene „But Here We Are“ – markierte einen späten Höhepunkt ihrer Karriere.

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Es war die erste Veröffentlichung der Rockband seit dem plötzlichen Tod des langjährigen Schlagzeugers Taylor Hawkins und von Dave Grohls Mutter. Die verbliebenen Fighters kanalisierten ihren Schmerz in eine kathartische Platte, die bis heute beeindruckt. Sie fegte auch das Etikett vom angeblich braven „Middle-of-the-road-Dad-Rock“ vom Tisch, das Kritiker der Band nur zu gern anhängen.

Für das nun vorliegende zwölfte Album versprach Grohl eine Platte, die sich „neu anfühlt“ – ein frisches Kapitel nach all den Verlusten.

Was beim Hören von „Your Favorite Toy“ sofort auffällt: Es klingt … nun ja, kein bisschen neu. Die Songs haben ordentlich Energie, die Riffs sind kräftig, Grohl findet sein raues Knurren wieder. Trotzdem wirkt das Album vertraut – und im Vergleich zum Vorgänger wie eine kleine Enttäuschung.

Your Favorite ToyYour Favorite Toy

Die Band versucht, an das anzuknüpfen, was ihr 2011 mit „Wasting Light“ gelang – einer rohen, auf Band aufgenommenen Rückbesinnung auf den Kern des Rock. In dieser Hinsicht überzeugt „Your Favorite Toy“: Es klingt kantig und ungeglättet. „Caught In The Echo“ zündet sofort; „Of All People“ setzt auf herrlich punkige Akzente; und das Album-Highlight „Spit Shine“ zeigt, was Neuzugang Ilan Rubin (ehemals Nine Inch Nails) am Schlagzeug draufhat. Er läuft auf der ganzen Platte zur Hochform auf.

Bekenntnisse und Selbstgeißelung ziehen sich als Thema durch die Songs. Das überrascht kaum: Grohls öffentliches Eingeständnis von Untreue und die Entlassung von Hawkins’ Nachfolger Josh Freese hielten die Band vor dem Erscheinen von „Your Favorite Toy“ in den Schlagzeilen. Diese Turbulenzen hätten kreativer Treibstoff sein können. Doch die oft unbeholfenen Texte nehmen den Songs die Wucht. Zeilen wie „I move in complication / Waiting for intersection / I wanna take it back / Nobody here is truly free“, „You know you should be dead / But you’re alive instead“ oder „Was it ever good enough? / Anything to be the person you want“ wirken eher schablonenhaft als wie schonungslose Konfrontationen mit den eigenen Dämonen.

Angesichts der langen Bandgeschichte und der vielen Krisen, die die Foo Fighters bereits überstanden haben, wäre es ohnehin viel verlangt, jetzt noch einmal eine komplette Neuerfindung zu erwarten. „Your Favorite Toy“ funktioniert als sechsunddreißigminütiger Energieschub, der sofort zündet und Alben wie „Concrete And Gold“ (2017) und „Medicine At Midnight“ (2021) klar hinter sich lässt. Auf Dauer bleibt allerdings wenig haften. Fans werden wohl erneut erklären müssen, dass die Foos inzwischen verlässliche, aber nicht mehr unverzichtbare Rock-Giganten sind.

Apropos unverzichtbar (Überleitung gelungen, danke): Hier folgt ein Überblick über die wirklich wichtigen Alben der Band – damit Neulinge nicht länger ratlos bleiben und langjährige Fans sich daran erinnern, welche Schätze die Foo Fighters im Lauf der Jahre abgeliefert haben.

Das sind die besten Foo-Fighters-Alben, die in keiner Sammlung fehlen sollten – gereiht:

The Colour And The Shape (1997)

The Colour And The ShapeThe Colour And The Shape

Wenn Sie nur ein Foo-Fighters-Album besitzen wollen, dann dieses. „The Colour And The Shape“, das zweite Album der Band, hat alles: Riffs („Monkey Wrench“), Hymnen („Everlong“), Balladen („Walking After You“), Ohrwürmer („See You“), Leidenschaft („Hey, Johnny Park“), massive Drums („Up In Arms“) und einen perfekten Abschluss mit „New Way Home“. Kein Song ist Füllmaterial; die Platte gehört zu den prägenden Rockalben der Neunziger. Fast dreißig Jahre später ist es noch immer ihr geschlossenstes und kraftvollstes Werk. Und falls Ihre Stimmbänder noch nie kurz vor der Kündigung standen, weil Sie bei „Monkey Wrench“ die Zeile „One last thing before I quit / I never wanted any more / Than I could fit into my head / I still remember every single word you said / And all the shit that somehow came along with it / Still there’s one thing that comforts me / Since I was always caged and now I’m freeeeeeeeeee...“ mitgebrüllt haben, dürfen Sie sich nur bedingt als Hardcore-Fan bezeichnen.

There Is Nothing Left To Lose (1999)

There Is Nothing Left To LoseThere Is Nothing Left To Lose

Im Vergleich zu „The Colour And The Shape“ wirkt das dritte Album der Foo Fighters deutlich radiofreundlicher, was alteingesessene Fans damals spaltete. Trotzdem gehört es verdient auf Platz zwei. Die poppigeren Stücke („Learn To Fly“, „Next Year“) stehen im perfekten Kontrast zu härteren Krachern wie dem gegen Courtney Love gerichteten „Stacked Actors“ und dem druckvollen „Breakout“. Und dann ist da noch die Ballade „Aurora“ – ein sehnsüchtiger, nahezu perfekter Song, der die Ehrlichkeit und Klasse von „There Is Nothing Left To Lose“ auf den Punkt bringt. Ja, hier klingt die Band klarer nach Pop-Rock und entfernt sich vom roheren Sound der Debüts „Foo Fighters“ und „The Colour And The Shape“. Aber genau das funktionierte.

Wasting Light (2011)

Wasting LightWasting Light

In der zweiten Hälfte der Foo-Fighters-Karriere bleibt „Wasting Light“ ihr stärkstes Statement. Zum Erscheinungszeitpunkt galt das Album als Rückbesinnung auf alte Tugenden: ein raues, gitarrenlastiges Werk mit den härtesten Songs seit über einem Jahrzehnt. Vom aggressiven „Rope“ und „White Limo“ über die Hymne „Arlandria“ bis zum stadiontauglichen Highlight „Walk“ – für diesen Neustart zog die Band in Grohls Garage, nahm mit Analogtechnik auf und hielt die Produktion bewusst knapp. Das Ergebnis: bissige Riffs, große Refrains und fünf Grammy-Nominierungen – darunter ein Sieg in der Kategorie Album des Jahres.

Foo Fighters (1995)

Foo FightersFoo Fighters

Das Debüt so weit unten? Ja, es ist ein Klassiker, aber irgendwo muss man eben Reihen ziehen. Im Kern ist „Foo Fighters“ ein Solo-Projekt: Dave Grohl spielte innerhalb von sechs Tagen jedes Instrument selbst ein. So verarbeitete er den Tod von Nirvana-Frontmann Kurt Cobain im Jahr 1994. Das Album war ein kraftvolles Statement – eine kathartische Übung, mit der einer der besten Rock-Schlagzeuger der Neunziger zum glaubwürdigen Frontmann aufstieg. Energetische Stücke wie „This Is A Call“, „Big Me“ und „I’ll Stick Around“ zeigten, dass das Leben nach Nirvana weitergeht – und sie funktionieren bis heute.

But Here We Are (2023)

But Here We AreBut Here We Are

Wie schon das erste Foo-Fighters-Album entstand auch „But Here We Are“ aus tiefem Schmerz. Nach einer Reihe enttäuschender Veröffentlichungen erschien das elfte Studioalbum der Band kurz nach dem plötzlichen Tod von Schlagzeuger Taylor Hawkins, der im März 2022 mit fünfzig Jahren starb. Wenige Monate später verlor Grohl auch noch seine Mutter. „But Here We Are“ ist der Sound einer Band, die sich Verlust und Trauer ohne Ausflüchte stellt. Perfekt ist die Platte nicht, aber sie gehört zu den wichtigsten und emotionalsten Werken der Foo Fighters – und setzte die Messlatte für alles, was danach kommt, sehr hoch. „Your Favorite Toy“ erreicht diese Höhe nicht, auch wenn das Cover zumindest farbenfroher geraten ist.

Foo Fighters: „Your Favorite Toy“ ist jetzt erschienen.

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