Sonne, Sommer, Strand: Die Qualität der deutschen Badeseen lässt kaum zu wünschen übrig. Das melden die Landesgesundheitsämter. Alle vier Wochen nehmen sie Proben, denn Hitze und Extremwetter können das Ergebnis schnell verändern.
Etwa 30 bis 50 Milliliter Wasser schluckt jeder beim Baden, Nichtschwimmer etwas weniger als Schwimmer. Kinder verschlucken beim Herumtoben oftmals ein Vielfaches davon, wie das bayerische Landesamt für Gesundheit mitteilte. Umso wichtiger ist, dass die Wasserqualität von Badeseen stimmt. Bakterien wie Blaualgen und andere Krankheitserreger sind ein Gesundheitsrisiko.
Zum Start der Badesaison wurden deshalb alle offiziell als Badegewässer ausgewiesenen Seen überprüft. Die Kontrollen gehen über den ganzen Sommer und reichen bis in den Herbst hinein. Der aktuelle Stand kann jederzeit über die Badegewässerkarte der einzelnen Bundesländer abgerufen werden.
Badewasserqualität seit 2001 auf konstant hohem Niveau
Seit über 20 Jahren sind Badegewässer in Deutschland meist sicher. Sollte es vereinzelt zu Gesundheitsrisiken kommen, wird schnell gehandelt. Dazu messen die Landesämter in zweiwöchentlichem oder monatlichem Abstand das Vorkommen verschiedenster Bakterien.
Die regelmäßigen Kontrollen der Badeseen beruhen auf der EU-Badegewässerrichtlinie von 2006. So ist Deutschland und auch jeder andere EU-Mitgliedsstaat verpflichtet, offizielle Badegewässer während der Badesaison regelmäßig auf bakterielle Verunreinigungen zu untersuchen.
Anhand von Messungen von E.-coli-Bakterien und intestinalen Enterokokken (beides fäkale Bakterien, die gefährliche Infektionen auslösen können) werden die Gewässer in die Kategorien "ausgezeichnet", "gut", "ausreichend" oder "mangelhaft" eingestuft. Die Ergebnisse werden in sogenannten Badegewässerkarten veröffentlicht und sollen Badegäste vor möglichen Gesundheitsrisiken schützen. Zuständig sind die Landesgesundheitsämter. Klicken Sie auf der Karte auf Ihre Region, um zur richtigen Gewässerkarte zu kommen.
Vor etwa einer Woche hat der baden-württembergische Gesundheitsminister, Manne Lucha, die Badesaison mit einer guten Nachricht eingeleitet: "Bürgerinnen und Bürger können auch dieses Jahr mit gutem Gewissen unbeschwert in unseren Seen baden", sagte Lucha bei der Vorstellung der Badegewässerkarte in Stuttgart.
Im europäischen Vergleich sei die Wasserqualität in baden-württembergischen Seen wieder überdurchschnittlich gut, so der Gesundheitsminister weiter. 97 Prozent von 311 Badestellen seien "sehr gut" oder "gut geeignet", haben die Behörden festgestellt. Diese sind aufgrund von EU-Vorgaben zu regelmäßigen Kontrollen ein- bis zweimal monatlich verpflichtet und sichern so die Qualität der Gewässer ab. Lediglich zwei Badestellen wurden mangelhaft bewertet, vier haben nur ausreichende Qualität erreicht.
Dieser Trend ist auch in ganz Deutschland zu sehen. Auch Bayern berichtet von einer insgesamt hohen Wasserqualität: Dort wurden 96 Prozent der 375 überwachten Badestellen als "ausgezeichnet" oder "gut" bewertet. Nur eine Badestelle in München erhielt die niedrigste Bewertung.
Die Badegewässer im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen haben ebenfalls eine "sehr gute Wasserqualität". Das teilte das Landesumweltamt (LANUK) jetzt mit. In NRW gibt es 86 ausgewiesene EU-Badegewässer mit 116 Badestellen.
Auch in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz zeigen die aktuellen Daten ein hohes Qualitätsniveau. In Hessen wurden alle 61 EU-Badegewässer entweder als "ausgezeichnet" oder "gut" eingestuft. Mecklenburg-Vorpommern meldet für 97 Prozent seiner knapp 500 regelmäßig kontrollierten Badegewässer die beiden höchsten Qualitätsstufen. In Rheinland-Pfalz erhielten fast alle der 68 überwachten Badeseen die Bestnote "ausgezeichnet".
Ähnlich positiv fällt die Bilanz in Norddeutschland aus. Schleswig-Holstein verweist auf mehr als 330 Badestellen an Nord- und Ostsee sowie im Binnenland, an denen unbeschwertes Baden möglich sei. Niedersachsen erklärte, seine 275 Badegewässer erfüllten die EU-Anforderungen "in hohem Maße". In Brandenburg weisen die meisten der 253 überwachten Badegewässer eine ausgezeichnete Wasserqualität auf.
Auch in Ostdeutschland bleibt die Wasserqualität auf hohem Niveau. Sachsen-Anhalt spricht von einem "Spitzenniveau" bei seinen 69 ausgewiesenen Badegewässern. In Sachsen sind 32 Talsperren und Tagebaurestseen als EU-Badegewässer ausgewiesen, lediglich zwei davon bleiben aufgrund von Sanierungsmaßnahmen vorübergehend gesperrt.
Cyanobakterien: Blaualgen als Gesundheitsrisiko
Die Ergebnisse bestätigen einen langfristigen Trend: Schlecht bewertete Badegewässer sind in Deutschland mittlerweile die Ausnahme. Wo es dennoch zu Problemen kommt, sind diese meist auf kurzfristige Belastungen nach Starkregenereignissen oder auf vermehrtes Algenwachstum während längerer Hitzeperioden zurückzuführen. Aufgrund der regelmäßigen Überwachung können Behörden jedoch schnell reagieren und bei Bedarf Warnungen oder zeitweise Badeverbote aussprechen.
Das häufigste Problem in der vergangenen Badesaison waren Blaualgen. Sie färben das Wasser grünlich und hinterlassen Schlieren auf der Oberfläche. Ist ihr Anteil im See zu hoch, muss das Gewässer für das Baden gesperrt werden.
Denn eine hohe Konzentration von Blaualgen im Wasser birgt Gesundheitsrisiken. Wer Wasser aus diesen belasteten Seen schluckt, muss mit Magen-Darm-Beschwerden rechnen. Auch die Haut kann empfindlich reagieren, es kann zu Reizungen und Ausschlägen kommen.
Nur neun Badegewässer in ganz Deutschland hatten in der Saison 2024 eine mangelhafte Qualität, wie das Umweltbundesamt berichtet. Das sind 0,4 Prozent aller Badeseen in Deutschland. In knapp 150 Fällen mussten Badesee jedoch temporär oder für die ganze Saison geschlossen werden.
Grund dafür waren in knapp der Hälfte der Fälle Blaualgen, auch Cyano-Bakterien genannt, bilden sich diese Bakterien mithilfe von Sonnenlicht Sauerstoff. Tritt der Photosynthese-Prozess im großen Stil auf, kann die Wasserqualität stark beeinträchtigt werden, wie das Umweltbundesamt erklärt.
Enten gefährden Wasserqualität mehr als Menschen
Krankheitserreger werden laut dem bayerischen Gesundheitsamt vor allem von Menschen und Tieren in das Wasser getragen. Viren, Bakterien, Einzeller und Würmer gelangen demnach teilweise direkt mit Fäkalien oder indirekt über Abwässer in Badeseen.
Menschen können bei unzureichender Wasserqualität verschiedenste Folgen erleiden: Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Fieber, Hautausschlägen (z.B. verursacht durch Zerkarien, das sind die Larven von Saugwürmern), Atemwegsinfektionen bis hin zu teils lebensgefährlichen Organschäden zählt das Landesgesundheitsamt hierbei auf. Da die Erreger meist nur kurzfristig im Wasser überleben, gestaltet sich eine Aufklärung über den Ursprung meist schwierig.
Nicht selten tragen auch Wasservögel zur Verschmutzung der Gewässer bei. Normalerweise reinigen sich Badeseen zu einem gewissen Anteil selbst. Sind aber beispielsweise überdurchschnittlich viele Wildvögel an kleinen Badestellen, kann dieser Mechanismus überlastet werden.
Darüber hinaus scheidet eine Ente mehr Fäkalien aus als ein Mensch, wie das bayerische Landesgesundheitsamt berechnet hat, was zu einer höheren Wasserbelastung führt. Das Landesgesundheitsamt warnt Badebesucher unter anderem deshalb vor dem Füttern von Wildvögeln. Fütterungsverbote sollten unbedingt eingehalten werden, so die Behörde.
Wie Sie die Wasserqualität selbst erkennen können
Wer nicht direkt selbst mit Messgerät und -stäben wie die Profis vom Gesundheitsamt zum Badesee fährt, kann trotzdem an einigen Dingen erkennen, ob das Baden sicher ist.
Experten empfehlen:
- Abgrenzungen, Warnhinweise und Badeverbote beachten
- Nicht in trübe oder unbekannte Gewässer springen
- Gewässer bei aufziehendem Gewitter sofort verlassen
- Nicht mit vollem Magen und Alkoholeinfluss baden
Doch vor allem zu Beginn der Badesaison ist das Wasser noch besonders erfrischend. Die ersten Kontrollen des Jahres haben im Mai stattgefunden, offiziell geht die Badesaison noch bis Mitte September.