Kanye ›Ye‹ West plant nach zwölf Jahren Pause sein EU-Comeback: größtes Stadionkonzert aller Zeiten, trotz jüngster Absagen in Europa.
Der umstrittene US-Rapper Kanye „Ye“ West ist am Wochenende erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder in Europa aufgetreten. In der Türkei spielte er vor über 100.000 Fans in einem Stadion.
Das Konzert am Samstag im Atatürk-Olympiastadion in Istanbul ist sein erster EU-Auftritt seit 2014 und findet vor dem Hintergrund anhaltender Kontroversen statt, in deren Folge mehrere Konzerte abgesagt wurden – darunter in Frankreich, Großbritannien, Polen und der Schweiz.
Der Rapper versucht damit eine Art Comeback, nachdem es heftige Kritik an seiner langen Geschichte antisemitischer Äußerungen gab.
Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zog West demnach 118.000 Menschen an und erklärte, dies sei der größte Stadionauftritt der Geschichte.
„Ich will euch nur sagen: Wir haben gerade den Rekord gebrochen, 118.000, der größte Stadionauftritt aller Zeiten“, rief West dem Publikum zu.
Ob West damit tatsächlich einen neuen Rekord aufgestellt hat, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass kostenlose Solo-Konzerte schon deutlich größere Menschenmengen anzogen – etwa Lady Gagas Auftritt 2025 in Rio de Janeiro mit angeblich 2,5 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern sowie Shakiras Konzert am Strand von Copacabana im vergangenen Monat, zu dem Schätzungen zufolge 2 Millionen Menschen kamen.
Noch weiter zurück reicht der Rekordanspruch des französischen Elektro-Pioniers Jean-Michel Jarre: Sein Konzert 1997 in Moskau soll vor 3,5 Millionen Menschen stattgefunden haben.
Weitere Europa-Auftritte von West wurden gestrichen, zuletzt zwei Konzerte im kommenden Monat in der norditalienischen Stadt Reggio Emilia. Die italienischen Behörden erklärten, die Shows von West und Rapper Travis Scott würden nicht stattfinden und verwiesen auf Bedenken in Bezug auf die öffentliche Ordnung und Sicherheit.
Nur noch wenige Termine der Tour sollen stattfinden, darunter zwei Auftritte in den Niederlanden. Der niederländische Vizepremier Bart van den Brink sagte vergangene Woche, man brauche „triftige Gründe“, um Menschen die Einreise zu verwehren. Wests „frühere Äußerungen sind in diesem Moment kein Grund, ihm die Einreise zu verweigern“. West tritt am 6. und 8. Juni in Arnheim auf.
West sorgte ab 2022 mit antisemitischen Kommentaren für Empörung. Eine Reihe beleidigender Beiträge in sozialen Netzwerken führte dazu, dass er sowohl von X als auch von Instagram verbannt wurde. Seine Künstleragentur trennte sich von ihm, und Modehäuser wie Adidas und Balenciaga gingen ebenfalls auf Distanz zu West.
West veröffentlichte anschließend ein Foto von KKK-Gewändern, nahm seine frühere Entschuldigung bei der jüdischen Gemeinschaft zurück, erklärte sich selbst zum „Nazi“ und behauptete, er habe „Herrschaft über seine Frau“.
Im Februar 2025 begann West, T-Shirts mit Hakenkreuzen zu verkaufen, und im Mai veröffentlichte er den Song „Heil Hitler“, in dem er den NS-Diktator pries. In der Folge wurde ihm das Visum für die Einreise nach Australien entzogen, und in Brasilien droht ihm die sofortige Festnahme.
West entschuldigte sich für sein Verhalten und schaltete Anfang dieses Jahres eine ganzseitige Anzeige im Wall Street Journal. Darin ging er auf seine früheren antisemitischen Kommentare ein, sprach von einer „vier Monate langen manischen Phase mit psychotischem, paranoidem und impulsivem Verhalten“ und sagte, er habe „den Bezug zur Realität verloren“.
Trotzdem stellten viele den Zeitpunkt seiner Entschuldigung infrage – auch mit Blick auf die geplante Veröffentlichung seines neuen Albums „Bully“ im Jahr 2026.
Die verbleibenden EU-Termine von West sind bisher: Niederlande (6. und 8. Juni), Georgien (12. Juni), Albanien (11. Juli), Spanien (30. Juli) und Portugal (7. August).