Am vierten Juli, dem 250. Gründungsjubiläum der USA, entsteht ein verstörendes Foto: Eine junge Schwarze in der Washingtoner Metro, umringt von maskierten weißen Rassisten. Viele fordern dafür den Pulitzer-Preis.
Ein Reuters-Foto von den Feiern zum 250. Unabhängigkeitstag in den USA an diesem Wochenende ist inzwischen zu einem der meistgeteilten Bilder geworden. In den sozialen Netzwerken wird es in diesem Jahr besonders intensiv diskutiert.
Die Aufnahme von Cheney Orr vom 4. Juli zeigt eine Schwarze Frau, die ruhig in einem Zug der Washington Metro sitzt. Um sie herum stehen Dutzende maskierte Mitglieder der weiß-nationalistischen Gruppe Patriot Front, die auf dem Weg zu einem Marsch in der Innenstadt von Washington, D.C., sind.
Die Bildunterschrift lautet: „Eine Pendlerin sitzt da, während Mitglieder der Gruppe Patriot Front am 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA mit der Metro fahren, Washington, D.C., 4. Juli 2026.“
Weitere Fotos zeigen die rassistische Gruppe, wie sie mit umgedrehten US-Flaggen und Konföderierten-Bannern über Capitol Hill marschiert. Auf ihren Kappen prangen 13 Sterne. Sie stehen für die ursprünglichen 13 Kolonien, die am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung verabschiedeten.
Doch vor allem Orrs Foto sorgt für Aufmerksamkeit. Kommentatoren nennen es „das prägende Bild der Epoche der amerikanischen Geschichte, in der wir leben“.
Der entsprechende Beitrag verbreitete sich rasch und ging viral. Tausende Nutzer reagierten darauf.
Zahlreiche Kommentare beschreiben das Foto als unheimlich starke Darstellung der Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen und der politischen Spaltung unter Donald Trump. Einige Nutzer ziehen Parallelen zu Rosa Parks, der Bürgerrechtsikone, die sich 1955 in Montgomery, Alabama, geweigert hat, ihren Platz in einem Bus zu räumen und damit gegen die Jim-Crow-Rassentrennungsgesetze verstieß.
„Bekommt sonst noch jemand Flashbacks zu dem Bild von Rosa Parks in diesem Bus?“
Mehrere Nutzer fordern, dass das Foto mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wird. Viele heben den Widerspruch hervor zwischen dem Jubel über das „größte Land der Erde“ und der Tatsache, wie wenig sich im Laufe der Zeit verändert hat – und wie sehr die USA sogar zurückgefallen sind.
Hier eine Auswahl der Kommentare:
„Dieses Bild ist eindrucksvoll, weil es eine einfache Wahrheit zeigt: Wer Einschüchterung betreibt, versteckt sich hinter Masken, normale Bürger müssen das nicht. Patriotismus bemisst sich nicht an der Größe der Fahne oder an der Lautstärke der Parolen. Er bemisst sich daran, ob jemand das Gründungsversprechen verteidigt, dass alle Menschen gleich geschaffen sind. Der wahre Test für Patriotismus ist nicht Schweigen angesichts von Hass, sondern der Mut, sich ihm entgegenzustellen.“
„Andere Dekade. Andere Gesichter. Gleiche Botschaft: Schwarzes Leben wird von manchen noch immer als etwas betrachtet, das überwacht, eingeschüchtert oder kontrolliert werden muss. Amerika feiert 250 Jahre Freiheit. Schwarze Amerikaner haben einen Großteil dieser 250 Jahre damit verbracht, dafür zu kämpfen, dass diese Worte auch für uns gelten. Andere Zeit. Gleicher Kampf.“
Behauptungen, das Bild sei gestellt oder mit KI erzeugt worden, lassen sich nicht belegen.
Die rechtsextreme Miliz Patriot Front hat ihren Sitz im US-Bundesstaat Texas. Sie entstand 2017 und erklärt, sie sei der „amerikanischen Nation“ verpflichtet.
Das Center for the Study of Extremism an der George Washington University (Quelle auf Englisch) bezeichnet Patriot Front als „weiß-nationalistische und faschistische Organisation, die die Idee eines homogenen weißen Ethnostaats in den Vereinigten Staaten propagiert. Die Gruppe setzt sich für die Bewahrung der weißen europäischen Kultur ein und betrachtet Multikulturalismus, Migration und Vielfalt als existentielle Bedrohungen für ihr Amerika-Bild“.