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Studie: Hitze macht Tour-de-France-Fahrern gesundheitlich immer mehr zu schaffen

Frankreich: Tour de France 2025
Frankreich: Tour de France 2025 Copyright  AP Photo / Jean-Christophe Bott / Keystone
Copyright AP Photo / Jean-Christophe Bott / Keystone
Von Amber Louise Bryce
Zuerst veröffentlicht am
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In Europa steigen die Temperaturen weiter. Eine neue Studie warnt vor Gesundheitsrisiken für Spitzensportler und fordert neue Termine für Sommerevents.

Viele der größten Sportereignisse Europas finden im Sommer statt. Doch der schleichende Klimawandel und die damit verbundenen steigenden Temperaturen setzen Sportlerinnen und Sportlern zunehmend zu, wie eine neue Studie zeigt.

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Im Fokus der Untersuchung stand die Tour de France. Das Team wertete Klimadaten zu mehr als fünfzig früheren Austragungen des Rennens aus. Ergebnis: Das Risiko von Hitzestress für die Teilnehmenden nimmt seit Jahren stetig zu. Die höchste Zahl extremer Hitzeepisoden verzeichneten die Forschenden im vergangenen Jahrzehnt.

Die Tour de France gilt als das größte und prestigeträchtigste Radrennen der Welt. Sie wurde 1903 ins Leben gerufen und findet seither jedes Jahr statt. Nur in den beiden Weltkriegen legte das Rennen eine Pause ein.

Die Teilnehmenden legen in dreiundzwanzig Tagen rund 3.300 bis 3.500 Kilometer zurück. Die Strecke umfasst einundzwanzig Etappen mit anspruchsvollen Profilen quer durch Frankreich. Traditionell endet die Tour auf der Avenue des Champs-Élysées in Paris.

Bisher blieb der Rundfahrt Temperaturen erspart, die ein maximales Risiko bedeuten würden. Laut Studie geschah das jedoch teils nur um wenige Tage oder Zehntelgrade.

„In unserer Analyse sehen wir zum Beispiel, dass die Stadt Paris im Juli bereits fünfmal die Schwelle zu hohem Hitzestress überschritten hat, viermal davon seit 2014. Andere Städte erlebten viele Tage mit extremer Hitze im Juli, glücklicherweise aber nicht an den Tagen einer Tour-de-France-Etappe“, schrieb Ivana Cvijanovic, Forscherin am französischen Institut für nachhaltige Entwicklung (IRD) und Hauptautorin der Studie, in einer Mitteilung.

„In gewisser Weise kann man sagen, die Tour hatte bislang großes Glück. Doch Hitzewellen mit Rekordwerten treten immer häufiger auf. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Rundfahrt auf einen Tag mit extremem Hitzestress trifft, der die bestehenden Sicherheitsprotokolle auf die Probe stellt“, so Cvijanovic weiter.

Wo ist das Hitzerisiko am größten?

Für den Zeitraum von 1974 bis 2023 analysierte das Team die Startzeiten und -orte der Etappen. So ließ sich das Risiko von Hitzestress klar bewerten. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal Scientific Reports (Quelle auf Englisch), zeigen, welche Regionen besonders stark von steigenden Temperaturen betroffen sind.

Toulouse, Pau und Bordeaux im Südwesten Frankreichs sowie die Regionen rund um Nîmes und Perpignan im Südosten wiesen besonders gefährliche Hitzeniveaus auf. Zugleich warnt die Studie, dass auch Paris und Lyon immer häufiger die Schwelle zu einem hohen Risiko überschreiten.

Desislava Petrova, Forscherin am Barcelona Institute for Global Health (ISGLOBAL), erklärte: „Bei der Planung von Etappen in diesen Regionen ist besondere Vorsicht geboten.“

Die Auswertung zeigt zudem: Am Vormittag ist es am sichersten. Die größte Hitze hält sich meist bis in den späten Nachmittag. Zeitpläne und Streckenführungen sollten daher angepasst werden, um den Schutz der Sportlerinnen und Sportler zu verbessern.

Ein wachsendes Problem für den gesamten Sport

Der Klimawandel gehört zu den dringendsten Herausforderungen unserer Zeit. In ganz Europa wird das Wetter immer unberechenbarer. Die Folgen sind vielfältig und längst noch nicht vollständig absehbar.

In Mittel- und Südeuropa haben sich extreme Hitzeereignisse zwischen 2010 und 2024 im Vergleich zu den Jahren 1961 bis 1990 etwa verzehnfacht, wie neue Zahlen zeigen.

Kurz vor den Olympischen Spielen 2024 in Paris meldete die US-Raumfahrtbehörde NASA (Quelle auf Englisch), dass die Temperaturen in der Stadt seit den Sommerspielen vor hundert Jahren um drei Komma eins Grad Celsius gestiegen sind.

Derart hohe Temperaturen können der Gesundheit massiv schaden, besonders bei Sportveranstaltungen. Erschöpfung und Hitzschlag drohen hier in besonderem Maß. Frühere Studien zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Lufttemperatur und der Zahl der Läuferinnen und Läufer, die bei Halbmarathons kollabieren.

Zwar verfügen die meisten Veranstalter über Sicherheitsprotokolle für Athletinnen, Athleten und Publikum. Die neue Studie macht jedoch deutlich, dass sie Zeitpunkt und Austragungsorte von Wettkämpfen grundsätzlicher überdenken müssen, vor allem im Spitzensport.

Die Forschenden fordern außerdem mehr Studien zu den Auswirkungen extremer Temperaturen auf den menschlichen Körper, insbesondere bei Menschen, die sich bis an ihre körperlichen Grenzen belasten.

„Um sportspezifische Verwundbarkeiten zu untersuchen, benötigen wir Zugang zu anonymisierten physiologischen Daten. Nur so können wir über bloße Hitzeindizes hinausgehen“, sagte James Begg, Forscher bei Galson Sciences Limited (GSL).

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