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Aufsichtsbehörde warnt: Nikotinbeutel boomen bei Jugendlichen

Der Markt für Nikotinbeutel – kleine Beutel, die zwischen Zahnfleisch und Lippe liegen – wächst rasant, begünstigt durch Regelungslücken und aggressive Werbung.
Der Markt für Nikotinbeutel, kleine Beutel, die zwischen Zahnfleisch und Lippe liegen, wächst dank Gesetzeslücken und Marketingtricks rasant. Copyright  Bengt Wiberg from Pixabay
Copyright Bengt Wiberg from Pixabay
Von Giedre Peseckyte
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Aromatisiert, in sozialen Medien angepriesen, unauffällig und kaum reguliert: Nikotinbeutel verkaufen sich bei Jugendlichen immer besser. Die Kontrollorganisation STOP warnt vor einer neuen Welle der Nikotinabhängigkeit.

Der Markt für Nikotinbeutel – kleine Säckchen mit Nikotin, die zwischen Zahnfleisch und Lippe gelegt werden – wächst rasant. Grund sind Regulierungslücken und Marketingstrategien wie Social-Media-Kampagnen, Aromen und Sportsponsorings. Besonders gefährdet sind junge Menschen, warnt ein am Dienstag veröffentlichtes Kurzdossier (Quelle auf Englisch) von STOP.

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Im Jahr 2025 wurden weltweit schätzungsweise 34 Milliarden Nikotinbeutel verkauft – ein Plus von 660 Prozent gegenüber 2020, heißt es in dem Bericht. Der globale Markt könnte bis 2027 nahezu 16 Milliarden Dollar (13,8 Milliarden Euro) und bis 2028 rund 25 Milliarden Dollar (21,6 Milliarden Euro) erreichen.

Das sei „äußerst profitabel“, sagte Sophie Braznel, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin der Tobacco Control Research Group an der University of Bath in Großbritannien und Mitautorin des Dossiers, bei einer Pressekonferenz. Den Markt beherrschen die größten Zigarettenhersteller der Welt, darunter Philip Morris International (PMI) und British American Tobacco (BAT). Beide hielten 2025 jeweils etwa ein Drittel des globalen Beutelmarkts.

Der Boom sei „kein Zufall“, sagte Jorge Alday, Direktor von STOP und Mitautor des Berichts.

Er wirft den Tabakkonzernen vor, Regulierungslücken auszunutzen und die Produkte aggressiv sowohl an bestehende Nikotinkonsumentinnen und -konsumenten als auch an neue Zielgruppen zu vermarkten, darunter Jugendliche.

Gratisproben eines abhängig machenden Produkts

Nikotinbeutel enthalten schädliche krebserregende Stoffe, weitere Giftstoffe und das abhängig machende Nikotin, sagte Braznell. Trotz dieser Risiken dokumentiert der Bericht Online-Verkäufe, Werbung in der Nähe von Schulen und die Verteilung kostenloser Beutelproben in mehreren Ländern.

In Großbritannien haben Marken wie Velo, Nordic Spirit und Zyn laut dem Dossier kostenlose Proben über ihre Online-Shops und bei Events angeboten sowie durch Promoteams in Stadtzentren verteilt.

„Man stelle sich ein Unternehmen vor, das es in Ordnung findet, kostenlose Proben eines süchtig machenden Produkts zu verteilen“, sagte Alday. „Genau damit hat die öffentliche Gesundheit zu kämpfen.“

Unternehmen bewerben die Beutel zudem in Geschmacksrichtungen von Minze und Früchten bis hin zu Kaffee, Gewürzen und Tabak. Selbst dort, wo Aromen eingeschränkt sind, bringen Hersteller Ersatzbezeichnungen wie „Rush“, „Blast“, „Frost“, „Exotic Black“ oder „Urban Vibe“ auf den Markt, so Alday.

Weitere Strategien bestehen darin, die Beutel in Kampagnen mit Freundschaft, einem aktiven Lebensstil, Romantik und Erfolg zu verknüpfen – Kampagnen, die Millionen Menschen erreichen, darunter Kinder und Jugendliche.

Alday verwies auf Formel-1-Sponsorings von PMI und BAT: „Diese Werbung erreicht Hunderte Millionen Formel-1-Fans, darunter Millionen Kinder und junge Menschen, die Rennübertragungen verfolgen und Unterhaltungs- sowie Social-Media-Inhalte konsumieren.“

Auch Social-Media-Influencerinnen und -Influencer tragen zur Verbreitung von Nikotinbeuteln bei, besonders unter jungen Menschen. Laut dem Dossier erreichte das Social-Media-Marketing von BATs Velo-Nikotinbeuteln zwischen 2018 und 2023 mehr als zehn Millionen Minderjährige unter 18 Jahren.

„Social Media ist natürlich ein äußerst nützliches und mächtiges Instrument, wenn man junge Menschen erreichen will“, sagte Alday. „BAT, PMI und Japan Tobacco haben alle Social-Media-Influencer eingesetzt, deren Follower-Zahlen von 24.000 bis 12 Millionen reichen, um Nikotinbeutel zu bewerben.“

Der Bericht betont außerdem, dass die unauffällige Nutzung der Nikotinbeutel sie für junge Menschen besonders attraktiv macht, weil sie sie an Orten konsumieren können, an denen Rauchen oder Dampfen verboten ist.

„Diese Marketingstrategie wirkt“, sagte Alday. „Es geht darum, immer mehr Geld zu verdienen, indem Menschen immer mehr Nikotin über eine ganze Palette von Produkten konsumieren.“

Regulierungslücke

Der boomende Markt für Nikotinbeutel ist der Regulierung in Europa und darüber hinaus weit voraus. Das ermöglicht es Tabakunternehmen, ihren Absatz bei Verbraucherinnen und Verbrauchern auszubauen – auch bei Jugendlichen.

In einigen Ländern sind Nikotinbeutel weder ausdrücklich erlaubt noch verboten – ein regulatorisches Vakuum. „Die Branche kann diese Graubereiche nutzen, um in Länder hineinzurutschen und den Boden für Abhängigkeit zu bereiten, bevor die Aufsichtsbehörden reagieren können“, sagte Alday.

Der Bericht wirft Tabakkonzernen außerdem vor, massiv bei politischen Entscheidungsträgern zu lobbyieren und mit Investitionsversprechen, wirtschaftlichen Anreizen und Warnungen vor illegalem Handel Einfluss auf die Regulierung zu nehmen.

STOP fordert Regierungen auf, Nikotinbeutel deutlich strenger zu regulieren – mit Altersgrenzen, Werbeverboten, Einheitsverpackungen, Aromenverboten, Obergrenzen für den Nikotingehalt und höheren Steuern.

Die Empfehlungen orientieren sich weitgehend an den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation und kommen zu einem Zeitpunkt, an dem EU-Politikerinnen und -Politiker noch darüber verhandeln, wie neue Nikotinprodukte geregelt werden sollen.

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