Antibiotikaresistente Gonorrhö breitet sich in Europa aus – Gesundheitsbehörden warnen vor immer mehr lokalen Ansteckungen statt Importfällen.
In Europa nehmen die Fälle von Gonorrhoe zu, bei denen die Erreger gegen Antibiotika resistent sind. Darauf weist das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hin.
Frühe Nachweise waren meist vereinzelte, oft mit Reisen verbundene Fälle. Seit 2025 hat sich dieses Bild geändert: In mehreren Ländern steigen die Zahlen deutlich, und Hinweise auf lokale Übertragung häufen sich.
Vor allem Frankreich, Deutschland, Schweden und das Vereinigte Königreich melden starke Zuwächse. Weitere Staaten registrieren weiterhin einzelne Fälle.
Die lokale Übertragung resistenter Gonorrhoe in Europa sei ein „Warnsignal, das wir nicht ignorieren dürfen“, sagte Csaba Ködmön, Mikrobiologie-Experte beim ECDC.
Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung sei derzeit zwar gering, doch zunehmende Resistenzen schwächten die Therapien, auf die man heute angewiesen sei, fügte er hinzu. Wenn sich resistente Stämme weiter ausbreiten, könnten die Behandlungsmöglichkeiten immer stärker eingeschränkt werden.
Standardtherapie ist derzeit Ceftriaxon, allein oder in Kombination mit Azithromycin. Doch die Bakterien werden gegen beide Wirkstoffe zunehmend resistent. Dadurch verlieren die Medikamente an Wirkung und die Weitergabe der Infektion bleibt bestehen.
Nach Angaben des ECDC gelangen ceftriaxonresistente Stämme vor allem aus Regionen außerhalb Europas nach Europa.
Vor allem Länder in Südostasien wie Kambodscha, Indonesien, Thailand und Vietnam gelten als wichtige Quellen resistenter Stämme, die sich international verbreitet haben. Einige davon haben in Europa und Nordamerika bereits zu Therapieversagen geführt.
Gleichzeitig warnt das ECDC vor immer mehr Hinweisen auf lokale Übertragung in Europa. Die wachsende Zahl der Nachweise könne auf eine frühe Phase der Ausbreitung hindeuten. Ohne konsequente Kontrollmaßnahmen bestehe das Risiko einer weiteren Verschärfung.
Gonorrhoe gehört zu den häufigsten bakteriellen sexuell übertragbaren Infektionen. Verursacht wird sie durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae. Unbehandelt kann die Erkrankung schwere Komplikationen auslösen, etwa Entzündungen im Beckenbereich, Unfruchtbarkeit oder Eileiterschwangerschaften.
Gonorrhoe-Fälle steigen rasant
Die Melderaten für Gonorrhoe in der europäischen Region sind nach Angaben des ECDC in den vergangenen zehn Jahren um 303 Prozent gestiegen.
Im Jahr 2024 wurden 106.331 Fälle bestätigt, so viele wie nie seit Beginn der EU-Überwachung im Jahr 2009. Weltweit treten Schätzungen zufolge jedes Jahr rund 82 Millionen Neuerkrankungen bei Menschen im Alter von 15 bis 49 Jahren auf.
Das ECDC weist darauf hin, dass der Anstieg nicht allein auf mehr Infektionen zurückgehen muss. Ausgeweitete Tests und vollständigere Meldesysteme tragen ebenfalls dazu bei.
Zwischen 2023 und 2024 stieg die Gesamtmelderate weiter. Haupttreiber war ein Plus von 7,9 Prozent bei Männern, während sie bei Frauen um 8,6 Prozent sank. Am höchsten waren die Raten bei Männern im Alter von 25 bis 34 Jahren sowie bei Frauen zwischen 20 und 24 Jahren.
Im Jahr 2024 entfielen 62 Prozent der gemeldeten Fälle auf Männer, die Sex mit Männern haben. Auf heterosexuelle Männer und Frauen zusammen kamen 37 Prozent.
Das ECDC stuft das Risiko für die allgemein sexuell aktive Bevölkerung als gering ein.
Höher ist das Risiko für Menschen mit mehreren oder häufig wechselnden Sexualpartnern und für Personen, die mit gelegentlichen oder neuen Partnern ohne Kondom verkehren. Für Reisende in Regionen mit hoher Verbreitung antibiotikaresistenter Stämme gilt ein moderates Risiko.