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Mumien-DNA aus Chile belegt: Kolonisation brachte Pocken nach Amerika

Küste bei Camarones in Nordchile: Hier entdeckten Forschende Spuren uralter Pockeninfektionen.
Die Küste von Camarones in Nordchile, wo Forschende Hinweise auf uralte Pockeninfektionen entdeckt haben. Copyright  Bernardo Arriaza via AP
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Von Marta Iraola Iribarren mit AP
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Forscher haben DNA chilenischer Mumien untersucht. Sie fanden das bislang älteste bekannte Pockenvirus-Genom aus Amerika.

In Chile geborgene DNA aus einer alten Mumie liefert nach einer neuen Studie den bislang deutlichsten genetischen Beleg: Die Pocken gelangten mit der europäischen Kolonisation nach Amerika.

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Die Pocken gehörten vor ihrer Ausrottung im Jahr 1980 zu den tödlichsten Krankheiten der Menschheitsgeschichte. Impfungen machten das möglich. Über Jahrhunderte tötete das Virus rund ein Drittel der Infizierten und hinterließ bei den meisten Überlebenden tiefe, teils entstellende Narben.

Der erste historisch belegte Pockenausbruch in Amerika ereignete sich 1518 während der spanischen Eroberung der Karibik. Die Krankheit breitete sich danach rasch über Nord‑, Mittel‑ und Südamerika aus und tötete Millionen Menschen. Besonders betroffen waren indigene Bevölkerungen ohne vorherige Immunität.

In der im Fachjournal Science (Quelle auf Englisch) veröffentlichten Studie untersuchten Forschende des Trinity College Dublin 13 zuvor geborgene Knochenproben von einer archäologischen Stätte in Camarones im Norden Chiles.

Die Analyse liefert den bislang klarsten genetischen Zusammenhang zwischen Pockenfunden aus Amerika und Varianten, die anderswo in der Welt zirkulierten. Sie zeigt, wie das Virus nach der europäischen Kolonisation auch abgelegene Bevölkerungen erreichte, erklären die Autorinnen und Autoren.

Die Forschenden fanden Hinweise auf zwei Pockeninfektionen in der alten DNA aus Beinknochenfragmenten eines Mannes und einer Frau im Alter zwischen achtzehn und 35 Jahren. Wahrscheinlich starben beide an den Pocken.

Durch Datierung der Überreste und Analyse der Virus‑DNA kamen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die beiden Personen wahrscheinlich zwischen 1492 und 1631 starben. Sie verglichen diese Variante des Pockenvirus mit anderen bekannten Stämmen und stellten fest, dass sie genetisch zwischen mittelalterlichen europäischen Stämmen und späteren Varianten liegt.

Das gilt als wichtiger molekularer Befund. Er deutet darauf hin, dass die Pockenstämme, die Menschen in Amerika infizierten, von Varianten abstammen, die zuvor in Europa kursierten.

„Niemand würde bezweifeln, dass die Pocken durch die Kolonisation in diesen Teil der Welt kamen, aber das beweist es“, sagte Patricia Foster, Biologin an der Indiana University, die nicht an der Studie beteiligt war.

Unklar bleibt, welche Bevölkerungsgruppe die Pocken aus Europa nach Amerika brachte, so die Studienautorinnen und ‑autoren. Nach den Reisen von Christoph Kolumbus in die Karibik 1492 und von Amerigo Vespucci entlang der südamerikanischen Küste etwa ein Jahrzehnt später erreichten verschiedene Siedlungswellen den Kontinent.

Die Krankheit könnte sich auch über Afrika ausgebreitet haben, im Zuge der Ausweitung des transatlantischen Sklavenhandels.

Die jetzt nachgewiesenen Infektionen stammen aus einer Region, in der es zuvor keine Hinweise auf Pocken gab. Das wirft neue Fragen auf, wie das Virus einen so abgelegenen Teil Südamerikas erreichte. Möglich ist, dass es sich über indigene Handelsnetzwerke verbreitete, die bereits vor der Ankunft der Europäer bestanden.

Die Untersuchung verschiedener Virusvarianten erlaubte es den Forschenden zudem, die Entwicklung des Erregers über die Zeit nachzuzeichnen. Dazu gehört der Verlust oder die Inaktivierung bestimmter Gene, die ihm möglicherweise halfen, sich an den Menschen anzupassen.

Die Ergebnisse machen deutlich, wie verheerend die Krankheit in ganz Amerika wirkte. Ganze Bevölkerungen verschwanden, und die Überlebenden waren gegenüber der europäischen Eroberung geschwächt, sagt Studienmitautorin Constanza de la Fuente Castro, biologische Anthropologin an der Universität Chile.

„Es war nicht nur ein kultureller oder demografischer Einschnitt. Er ist buchstäblich in biologische Spuren eingeschrieben, die wir noch heute bergen und lesen können“, sagt de la Fuente Castro.

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