Immer mehr Apotheken schließen, die Vergütung stagniert seit Jahren. Mit einem bundesweiten Streik erhöht die Branche nun den Druck auf die Politik.
Wer heute kurz in die Apotheke muss, um ein Medikament oder Rezept zu holen, wird vor verschlossenen Türen stehen: die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. (ABDA) hat für den 23. März 2026 zu einem bundesweiten Streik aufgerufen. Mit dem Protesttag will die ABDA ein Zeichen gegen die "chronische Unterfinanzierung" der Apotheken in Deutschland setzen. Gefordert werden höhere Honorare.
Vor dem Protest erhielt die Apothekerschaft auch politische Unterstützung. Stephan Pilsinger, Berichterstatter für Apotheken der Unionsfraktion, betonte, Apotheker leisteten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung, wie Apotheke Adhoc berichtet.
Forderungen nach höheren Honoraren wies er jedoch zurück und sprach sich stattdessen für eine Anhebung des Fixhonorars auf 9,50 Euro aus – für Apotheken im ländlichen Raum sogar auf bis zu 11,50 Euro. Ates Gürpinar, gesundheitspolitischer Sprecher der Linken im Bundestag, unterstütze den Streik und kritisierte, dass die Politik die Bedeutung der Apotheken unterschätze. Ihm zufolge gehe nicht nur um höhere Honorare, sondern um die grundsätzliche Rolle der Apotheken im Gesundheitssystem.
Während des Protests sichern Notdienst-Apotheken die Versorgung. Eine Übersicht der geöffneten Apotheken ist online verfügbar.
Warum wird protestiert?
Ende vergangenen Jahres gab es nur noch rund 16.600 öffentliche Apotheken in Deutschland. Das entspricht rund 440 weniger als im Vorjahr, wie die ABDA im Januar 2026 verkündete. Knapp über 500 Apotheken wurden laut der ABDA vergangenes Jahr geschlossen. Lediglich 62 wurden eröffnet.
Die Anzahl der Apotheken hat damit aktuell den niedrigsten Stand seit den 1970er-Jahren erreicht.
1977 gab es in Ost- und Westdeutschland zusammen 16.374 Apotheken. 1978 hingegen gab es in Berichten zufolge in Ost- und Westdeutschland knapp über 16.800 Apotheken.
Grund für den niedrigen Stand sind Insolvenzen, Personalmangel oder Nachfolgeprobleme, wie der Nachwuchsmangel. Aber auch die kaum gestiegene Vergütung spielt bei dem Apotheken-Sterben eine Rolle: Seit der Einführung eines festen Honorars vor 22 Jahren wurde dieses nur einmal angepasst. Damals, im Jahr 2013, wurde das Honorar um 3,1 Prozent erhöht.
Eine Erhöhung der Vergütung, die Apotheken für jede Arzneimittelabgabe bekommen wurde im Koalitionsvertrag der aktuellen Regiergung zwar auf 9,50 Euro festgeschrieben, wurde jedoch noch nicht realisiert. Ein konkreter Zeitpunkt für die Umsetzung ist bislang nicht festgelegt.
Zwar ist die Vergütung für Mitarbeiter seit 2013 nicht gestiegen, die Kosten für Apotheken sind es dennoch. Wegen dem Anstieg von etwa 65 Prozent ist ein wirtschaftlicher Betrieb vieler Apotheken deshalb kaum noch möglich.
Seit 2013 hat der ABDA zufolge jede fünfte Apotheke geschlossen. Die Folge ist, dass Menschen "längere Wege zur nächsten Apotheke in Kauf nehmen müssen", warnt ABDA-Präsident Thomas Preis.
Wie schneidet Deutschland im internationalen Vergleich ab?
Deutschland weist im europäischen Vergleich eine vergleichsweise geringe Apothekendichte auf: Mit 21 Apotheken je 100.000 Einwohner liegt es im unteren Drittel der EU und deutlich unter dem Durchschnitt von 32, wie es aus einem ABDA-Bericht aus dem Jahr 2024 heißt. In Frankreich sind es 31, in Polen 34 pro 100.000 Einwohner.
Während Länder wie Griechenland mit 101 Apotheken oder Zypern mit 65 eine auffallend hohe Dichte haben, liegen auch viele mittel- und osteuropäische Staaten noch vor Deutschland.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Entwicklung seit 2004: In Deutschland ist die Apothekendichte kontinuierlich gesunken – von 26 auf zuletzt 21 im Jahr 2023.
In einigen Nachbarländern blieb die Apothekendichte dagegen weitgehend stabil oder ging deutlich weniger zurück – etwa in Österreich (von 14 auf 16), der Schweiz (von 23 auf 21) oder Tschechien (von 22 auf 22).
In Belgien (von 50 auf 40) und Frankreich (von 37 auf 31) ist zwar ebenfalls ein Rückgang zu beobachten, dieser fällt jedoch weniger stark aus als in Deutschland.