Karex, der weltgrößte Kondomhersteller, rechnet wegen Lieferchaos und höherer Produktionskosten durch den Iran-Krieg mit steigenden Preisen.
Der weltgrößte Kondomhersteller, das malaysische Unternehmen Karex, rechnet mit Preiserhöhungen von 20 bis 30 Prozent, falls die durch den Iran-Krieg verursachten Störungen der Lieferketten anhalten.
Die Nachfrage nach Kondomen ist gestiegen. Höhere Transportkosten und Verzögerungen in der Schifffahrt haben die Lagerbestände vieler Kunden aufgezehrt, sagte Karex-Chef Goh Miah Kiat der Nachrichtenagentur Reuters.
Karex produziert jedes Jahr mehr als 5 Milliarden Kondome und exportiert sie in über 130 Länder. Das Unternehmen beliefert einige der größten Marken, darunter Durex und Trojan.
Karex liefert außerdem Kondome an den britischen Gesundheitsdienst NHS sowie an Gesundheitsorganisationen wie den Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria und den Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen.
„Die Lage ist eindeutig sehr fragil, die Preise sind hoch. Wir haben im Moment keine andere Wahl, als die Kosten an die Kunden weiterzugeben“, sagte Goh.
Sendungen nach Europa und in die USA sind inzwischen fast zwei Monate unterwegs. Andere Container sitzen auf Schiffen fest und kommen nicht am Ziel an, erklärte das Unternehmen.
Wie Kondome hergestellt werden
Seit Beginn des Krieges im Februar 2026 sind nach Angaben von Goh die Kosten für synthetischen Kautschuk und Nitril gestiegen, die in der Kondomproduktion zum Einsatz kommen. Auch Verpackungsmaterialien und Gleitmittel wie Aluminiumfolien und Silikonöl sind teurer geworden.
Die meisten Kondome bestehen aus Naturkautschuk, also dem Saft des Kautschukbaums. Varianten ohne Latex werden häufig aus Nitril oder Polyurethan hergestellt.
Lieferketten für petrochemische Vorprodukte leiden unter Transportstörungen, die durch die Auswirkungen des Konflikts auf die Schifffahrtsrouten durch die Straße von Hormus entstanden sind.
Auch Lieferanten von Aluminium und Naphtha, beides wichtige Materialien für Kondomverpackungen, melden Störungen.
Weltweite Kondomknappheit
Schon vor dem Krieg kam es auf dem Weltmarkt zu Engpässen, weil die US-Entwicklungsbehörde USAID abgewickelt wurde. Sie war der größte bilaterale Geldgeber für Familienplanung und reproduktive Gesundheit.
Die Behörde deckte rund fünfunddreißig Prozent der Verhütungsmittel in den weltweiten Lieferketten für Familienplanung ab und belieferte dreiundzwanzig Länder mit entsprechenden Produkten.
Staaten in Afrika und im Nahen Osten, die zu den wichtigsten Empfängern von USAID-Hilfen zählen, berichten seit dem Ende der Behörde von Engpässen bei Produkten für die sexuelle Gesundheit.
Nigeria meldete zwischen Dezember 2024 und März 2025 einen Rückgang der Verteilung von Kondomen für Männer um fünfundfünfzig Prozent, berichtet das Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS).
Goh zufolge verfügt Karex für die kommenden Monate noch über ausreichende Bestände. Das Unternehmen prüft zugleich, wie es die Produktion ausweiten kann, um die steigende Nachfrage zu bedienen.
Euronews hat Karex um eine Stellungnahme gebeten.