Die USA führen Ebola-Screening an Flughäfen durch, während europäische Mediziner in die Region entsandt werden. Jetzt soll Deutschland aushelfen - die Charité in Berlin soll einen infizierten US-Arzt aufnehmen.
Ein US-Arzt hat sich in der Demokratischen Republik Kongo mit Ebola infiziert. Die jüngste Entwicklung hat Fragen über die Entscheidung der Trump-Regierung aufgeworfen, USAID zu kürzen und sich aus der WHO zurückzuziehen. Die USA verstärken ihre Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung von Ebola, versichern aber gleichzeitig, dass das Risiko für die allgemeine Bevölkerung weiterhin gering ist.
Währenddessen hat sich Deutschland bereit erklärt, den mit Ebola infizierten US-Arzt in der Berliner Charité aufzunehmen, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Die USA hätten die Regierung demnach um Hilfe bei der Behandlung gebeten. Auch weitere Verdachtsfälle sollen demnach auf sogenannten Sonderisolierstationen unterkommen.
Davon gibt es sieben Stationen in ganz Deutschland verteilt. Zuständig für die Versorgung von Patienten mit Krankheiten durch hochpathogene Erreger – also solche mit hoher Sterblichkeit – ist ein bundesweites Expertennetzwerk, der STAKOB.
Dabei handelt es sich um den Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger. In den Sonderisolierstationen gilt eine außergewöhnliche Schutzstufe.
In diesen Zentren liegt ein besonders hoher Standard der baulichen Infrastuktur und der persönlichen Schutzausrüstung vor. Dort ist außerdem besonders geschultes Personal beschäftigt, Medikamente und Labordiagnostik sind ebenfalls vorhanden.
Die Standorte der Stationen sind gleichmäßig über Deutschland verteilt. Dadurch können sie im Ernstfall innerhalb weniger Stunden von jedem Ort im Bundesgebiet auf dem Landweg erreicht werden.
USA verschärft Kontrollen gegen Ebola
Zu den von den US-amerikanischen Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention (CDC) angekündigten Maßnahmen gehört ein Gesundheitscheck von Flugreisenden, die aus den vom Ausbruch betroffenen Regionen einreisen. Für Menschen, die keine US-Pässe haben und die innerhalb der letzten 21 Tage nach Uganda, in die Demokratische Republik Kongo (DRC) oder in den Südsudan gereist sind, gelten Einreisebeschränkungen.
Die US-Botschaft in der ugandischen Hauptstadt Kampala teilte mit, sie habe vorübergehend alle Visadienste eingestellt.
"Zum jetzigen Zeitpunkt schätzt das CDC das unmittelbare Risiko für die US-Bevölkerung als gering ein, aber wir werden die sich entwickelnde Situation weiterhin bewerten und können die Maßnahmen für die öffentliche Gesundheit anpassen, sobald zusätzliche Informationen verfügbar sind", so die Gesundheitsbehörde in einer Erklärung.
US-Präsident Donald Trump erklärte, er sei "besorgt" über den Ausbruch des Virus, glaube aber, "dass er sich im Moment auf Afrika beschränkt".
Die Entscheidung wurde getroffen, nachdem ein amerikanischer Staatsbürger in der Demokratischen Republik Kongo positiv auf das Virus getestet wurde. Der Arzt hatte Ebola-Patienten behandelt.
US-Arzt und Verdachtsfälle sollen nach Deutschland gebracht werden
"Die Person entwickelte über das Wochenende Symptome und wurde am späten Sonntag positiv getestet", sagte Satish Pillai, der Leiter der Ebola-Bekämpfung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Person werde zur Behandlung nach Deutschland verlegt.
Die USA arbeiten daran, sechs weitere Personen zur Gesundheitsüberwachung zu evakuieren, fügte Pillai hinzu.
Bei dem Arzt handelt es sich deutschen Medienberichten zufolge, um einen Mediziner aus Virgina, der seit 2023 mit seiner Frau und vier Kindern in einer Missionsstation in Niakunde im Einsatz war.
Am Montag teilte das US-Außenministerium mit, dass es einen Reaktionsplan aktiviert habe und mit dem CDC und dem US-Militär an der möglichen Rückführung von Amerikanern, die von dem Ausbruch betroffen sind, zusammenarbeite.
"Innerhalb von 48 Stunden aktivierte das Ministerium einen Reaktionsplan und mobilisierte eine erste ausländische Unterstützung in Höhe von 13 Millionen Dollar für unmittelbare Reaktionsmaßnahmen", hieß es in der Erklärung.
"Mit diesen Mitteln werden die Maßnahmen der einzelnen Länder unterstützt, die Überwachung, Laborkapazitäten, Risikokommunikation, sichere Bestattungen, Ein- und Ausreisekontrollen und klinisches Fallmanagement fördern."
US-Hilfskürzungen und Rückzug aus der WHO
US-Beamte wichen Fragen darüber aus, wie sich die Kürzung der Mittel für die US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) durch die Regierung auf die Bemühungen zur Überwachung und Eindämmung der Ausbreitung des Virus ausgewirkt hat.
USAID war für die Verwaltung ausländischer humanitärer Hilfe und Entwicklungshilfe weltweit zuständig.
Die Behörde war eines der Hauptziele von Elon Musks Department of Government Efficiency (DOGE), das "verschwenderische" Staatsausgaben beseitigen wollte.
Auch die Vereinigten Staaten haben sich in diesem Jahr formell aus der WHO zurückgezogen.
Am Sonntag erklärte die WHO den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda zum globalen Gesundheitsnotstand.
Mindestens 100 Todesfälle wurden gemeldet, und bis Montag gab es rund 400 Verdachtsfälle. Die meisten der Betroffenen sind zwischen 20 und 39 Jahre alt, und mehr als 60 Prozent sind Frauen.
Unterdessen teilte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten mit, dass es Experten nach Afrika entsendet, um die Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs zu unterstützen.
Die Agentur teilte mit, dass ihr Team "sofort" zum Hauptsitz des Africa CDC in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba entsandt werde.
"Das ECDC befindet sich in Gesprächen mit dem Europäischen Katastrophenschutz und der humanitären Hilfe sowie dem Global Outbreak Alert and Response Network über die mögliche Entsendung weiterer Experten, wenn sich die Situation weiterentwickelt, zum Beispiel in den Bereichen Infektionsprävention, Epidemiologie, Überwachung und Risikokommunikation", so das ECDC in einer Erklärung