Eine Passagierin des Kreuzfahrtschiffes "Hondius", auf dem das Hantavirus ausgebrochen war, liegt nun im Universitätsklinikum Düsseldorf. Denn dort is "eine von nur sieben Sonderisolierstationen in Deutschland", wie Klinikumssprecher Pott Euronews erklärte.
Der Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" besorgt aktuell Menschen auf der ganzen Welt. Vier Passagiere sind in Folge des Virus gestorben, aufgrund von befürchteten weiteren Erkrankungsfällen musste das Schiff seine Route ändern.
Es soll nun in den kommenden Tagen in Teneriffa anlegen, damit eine geordnete Evakuierung der Passagiere umgesetzt werden kann.
Drei Personen wurden bereits evakuiert, darunter auch eine Deutsche, die sich derzeit im Universitätsklinikum Düsseldorf befindet.
Die Auswahl des Krankenhauses ist kein Zufall: Im Düsseldorfer Klinikum gibt es "eine von nur sieben Sonderisolierstationen in Deutschland", wie der Sprecher des Universitätsklinikums Tobias Pott auf Anfrage von Euronews mitteilte.
Prinzipiell ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung selten und nicht bei allen Hantaviren möglich. Bei Andesviren kommt das nach Informationen des Robert-Koch-Instituts allerdings in einigen Fällen und besonders bei engem Kontakt vor. Die Inkubationszeit von Hantaviren beträgt typischerweise zwei bis vier Wochen, kann jedoch im Einzelfall kürzer oder deutlich länger sein.
Ob die Patientin in Düsseldorf tatsächlich infiziert ist, bleibt daher zunächst unklar. Hinzu kommt: Nach Angaben des Reiseveranstalters hatten mindestens 29 Passagiere das Schiff bereits vor zwei Wochen bei einem Zwischenstopp auf der Insel St. Helena verlassen – noch bevor der Virusausbruch bekannt geworden war. Behörden versuchen inzwischen weltweit, mögliche Kontaktpersonen zu identifizieren.
Damit ist nicht ausgeschlossen, dass auch in der Bundesrepublik weitere mögliche Infektionsfälle festgestellt werden könnten.
Doch inwiefern ist Deutschland auf die Versorgung von Personen mit dem Virus vorbereitet?
Hantavirus-Kontaktperson in Düsseldorf stationiert
Nach Informationsstand von Donnerstagnachmittag gilt die deutsche 65-Jährige bisher als symptomlos.
Das Universitätsklinikum teilte mit, dass die Hantavirus-Kontaktperson sicher in Düsseldorf eingetroffen sei. Sie wurde von der Feuerwehr Düsseldorf in der Nacht auf den 7. Mai an die Infektiologie übergeben. Der Transport und die Übergabe wurde als "reibungslos" beschrieben, es handle sich um ein Szenario, das regelmäßig geprobt werde. Nun soll der Zustand der 65-Jährigen weiter medizinisch abgeklärt werden.
Bisher gebe es keine Hinweise auf eine aktive Infektion, erklärte das Klinikum. Pott wies allerdings auch darauf hin, dass die Inkubationszeit – also der Zeitraum, in dem die Krankheit noch ausbrechen könnte – sehr variabel sei. Die Schutzmaßnahmen werden daher vorsorglich noch einige Zeit aufrecht erhalten.
"Das Team der Infektiologie – vom ärztlichen Dienst bis hin zum speziell geschulten Pflegepersonal – weiß genau wie sie mit Hochinfektiösen umgehen müssten", erklärte Pott, Sprecher des Universitätsklinikums Düsseldorf. Gemeinsam mit der Feuerwehr Düsseldorf würden regelmäßig genau solche Szenarien in großen Übungen geprobt.
Der wichtigste Faktor sei Pott zufolge, "dass das Personal entsprechend geschult und durch regelmäßige Übungen auch erfahren im Umgang mit Infektionskrankheiten ist", so der Klinikums-Sprecher. "Welche Ausrüstung für welchen Erreger? Wie zieht man alles sicher an und aus? Welche Anforderungen an Desinfektionsmittel etc. gibt es?", sind laut Pott Fragen, die sich das Personal stellen müsse.
"Zuletzt ist auch die Entfernung zu den Niederlanden ein wichtiger Faktor", so Pott, "um Wegzeiten bis zu einem spezialisierten Zentrum kurz zu halten".
Im Universitätsklinikum selbst heißt es, dass eine besondere Expertise aufgrund der engen interdisziplinären Zusammenarbeit auf dem Campus besteht. So ist die Infektiologie nach Klinikumsangaben in engem Austausch mit der Virologie, der Mikrobiologie sowie der Radiologie. Zuständige Pflegekräfte seien besonders geschult und in Übungen mehrfach auf solche Fälle vorbereitet worden.
Sieben Sonderisolierstationen in Deutschland
Neben dem Klinikum in Düsseldorf gibt es sechs weitere Sonderisolierstationen dieser Art in Deutschland. Zuständig für die Versorgung von Patienten mit Krankheiten durch hochpathogene Erreger – also solche mit hoher Sterblichkeit – ist ein bundesweites Expertennetzwerk, der STAKOB.
Dabei handelt es sich um den Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger. In den Sonderisolierstationen gilt eine außergewöhnliche Schutzstufe. In diesen Zentren liegt ein besonders hoher Standard der baulichen Infrastuktur und der persönlichen Schutzausrüstung vor. Dort ist außerdem besonders geschultes Personal beschäftigt, Medikamente und Labordiagnostik sind ebenfalls vorhanden.
In anderen Schutzstufen sei die Ausstattung von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich, so Pott. "Nicht alle Krankenhäuser verfügen beispielsweise über Isolierzimmer mit einer speziellen Unterdruck-Lüftungsanlage mit Filtern und Schleusensystem, wie das Gebäude der Infektionsstation am UKD", erklärte der Sprecher.
Die Standorte der Stationen sind gleichmäßig über Deutschland verteilt. Dadurch können sie im Ernstfall innerhalb weniger Stunden von jedem Ort im Bundesgebiet auf dem Landweg erreicht werden.
Darüber hinaus gibt es Kompetenzzentren für den Seuchenschutz, die Infektionsschutzmaßnahmen auf Landesebene koordinieren. Diese Kompetenzzentren befinden sich mit einer Ausnahme direkt bei den Behandlungszentren. Lediglich in Nordrhein-Westfalen ist das Kompetenzzentrum in Bochum, das Behandlungszentrum im Uniklinikum in Düsseldorf.
Die Geschäftsstelle der Sonderzentren liegt beim Robert-Koch-Institut (RKI). Das dort ansässige Konsiliarlabor für Hantaviren hat auch Proben der Kontaktperson zur Testung erhalten, so das RKI in einer Mitteilung. Das RKI bewertet die epidemiologische Lage bundesweit und veröffentlicht Warnungen, Fallzahlen und Empfehlungen. Im Krankheitsfall würde das RKI auch bei der Verlegung in eine Isolierstation unterstützen.
EU-Katastrophenschutzverfahren
Aufgrund der Ankunft der MV Hondius auf der spanischen Insel Teneriffa hat die Regierung das EU-Katastrophenschutzverfahren aktiviert.
Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte am Mittwoch, die Entscheidung sei "aus Menschlichkeit" getroffen worden. Zugleich versicherte er, die Lage sei "kompliziert, aber unter Kontrolle".
Der Ausbruch mache eine koordinierte europäische Reaktion erforderlich – sowohl für die Evakuierung von Passagieren und Besatzungsmitgliedern als auch für das Gesundheitsmanagement bei ihrer Ankunft in Spanien. Vielen der Passagiere steht eine lange Quarantäne-Zeit bevor.
Die übrigen Passagiere des Kreuzfahrtschiffs sollen in ihre Heimatländer ausgeflogen werden, wie das RKI Euronews bestätigte. "Die Rückführung der deutschen Passagiere findet unter Federführung des Auswärtigen Amts statt", erklärte Pressesprecherin Susanne Glasmacher. Für die weitere Betreuung seien dann die Gesundheitsämter der jeweiligen Wohnorte zuständig.