An der Studie ist auch die Universitat Pompeu Fabra beteiligt. Das Team entdeckt einen Mechanismus, der den Schutz von Bakterien im Labor aufhebt und neue Wege im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen eröffnen könnte.
Ein internationales Forschungsteam hat einen bislang unbekannten Mechanismus entdeckt, der Bakterien aus Biofilmen befreit. Diese Strukturen dienen ihnen als Schutzraum vor Antibiotika und dem Immunsystem. Der Fund beruht auf Untersuchungen an einem Modellbakterium und ermöglichte es den Forschenden, solche Gemeinschaften im Labor ohne Medikamente zu zerlegen. Der Ansatz könnte neue Strategien gegen hartnäckige Infektionen anstoßen.
Die Studie ist in „Nature Microbiology (Quelle auf Spanisch)“ erschienen und wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der University of California in San Diego geleitet. An dem Projekt nehmen auch Forschende der Universitat Pompeu Fabra (UPF) teil. Sie beschreiben, wie bestimmte Bakterien einen Hydrogel bilden. Dieses nimmt Wasser auf und baut dabei so viel Druck auf, dass es Zellen aus dem Inneren des Biofilms hinausschleudert.
Biofilme sind Ansammlungen von Bakterien, die eng zusammenleben und von einer klebrigen Schicht umhüllt sind, die sie selbst herstellen. Diese Hülle erschwert den Zugriff von Antibiotika und des Immunsystems. Sie steckt hinter vielen lang anhaltenden Infektionen, etwa an Prothesen, Kathetern oder schlecht heilenden Wunden.
Die Forschenden fanden heraus, dass die Bakterien zu einem bestimmten Zeitpunkt eine gelartige Substanz bilden, die Wasser aufnimmt. Dadurch entsteht genügend Kraft, um einzelne Zellen aus dem Biofilm herauszudrücken. So können die Mikroorganismen weiterwandern und neue Orte besiedeln.
Dem Team gelang es außerdem, diesen Mechanismus gezielt zu beeinflussen. Verstärkten sie ihn, zerfielen die Biofilme ganz ohne Einsatz von Antibiotika. Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch, dass ihre Versuche bislang nur im Labor stattgefunden haben und noch weit von einer Anwendung bei Patientinnen und Patienten entfernt sind.