In Österreich geboren und in einigen der besten Küchen Europas ausgebildet, wurde Wolfgang Puck in Los Angeles zum Star, wo seine kreative Küche Hollywoods Elite begeisterte.
An diesem Sonntag trifft sich Hollywoods größte Starschar bei den 98. Oscarverleihung, der glanzvollsten Nacht der Filmbranche. Dann werden die Trophäen vergeben (unsere Prognosen finden Sie, wenn Sie hier klicken), die Dankesreden ziehen sich gern in die Länge und mindestens ein Eklat ist fast garantiert.
Wenn der letzte Umschlag geöffnet ist und die mehr als dreistündige Gala endet, beginnt für die Gäste ein weiteres Ritual: das Dinner. Stars wie Timothée Chalamet, Guillermo del Toro, Jessie Buckley und Leonardo DiCaprio tauschen dann den roten Teppich gegen das Buffet beim Governors Ball.
Für ihr leibliches Wohl sorgt Wolfgang Puck – der Starkoch betreut inzwischen im zweiunddreißigsten Jahr das exklusivste After-Party-Catering der Academy. Unterstützt wird er von 75 Köchen für herzhafte Gerichte und 45 Pâtissiers; er sorgt dafür, dass Hollywoods A-Liste nicht zu sehr „hangry“ wird.
Wer ist der Mann hinter dem Oscar-Menü? Wie kam er zu einem der begehrtesten Jobs der Branche? Und vor allem: Was serviert er den Stars in diesem Jahr?
Wie Wolfgang Puck Hollywood erobert
Puck wurde 1949 in Österreich geboren. Seine klassische Kochausbildung begann er mit vierzehn Jahren in einigen der renommiertesten Küchen Europas. Seine frühen Stationen führten ihn von den großen Küchen des Hôtel de Paris Monte-Carlo in Monaco über das legendäre Maxim’s in Paris bis zum mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten L’Oustau de Baumanière in der Provence.
Mit vierundzwanzig verließ Wolfgang Europa und ging in die Vereinigten Staaten. Seinen Durchbruch erlebte er im Ma Maison, einem glamourösen Restaurant, in dem sich Schauspieler, Agenten und Studiobosse zu langen Lunches und späten Dinners trafen.
Dort knüpfte Puck Kontakte zur Hollywood-Elite und servierte ihnen eine lockerere, kreative Küche – etwa Pizzen mit Räucherlachs und Kaviar oder Lamm aus Sonoma mit geschmortem Gemüse und Rosmarin. Anspruchsvoll, aber mit spielerischem Touch.
Sein Ruf blieb nicht auf das Restaurant beschränkt. 1981 veröffentlichte Puck sein erstes Kochbuch, Modern French Cooking for the American Kitchen, mit den Rezepten, die Ma Maison berühmt gemacht hatten.
Ein Jahr später eröffnete er das Spago am Sunset Strip, ein Restaurant, das bald zum Symbol der ausgelassenen kalifornischen Fine-Dining-Szene wurde. Kurz darauf folgte Chinois on Main in Santa Monica, wo er französische Technik mit asiatischen Aromen verband.
Mit dem wachsenden Restaurantimperium stieg auch seine Bekanntheit. Ab 1986 war Puck regelmäßig in der Morgensendung Good Morning America zu sehen, im Jahr 2000 startete auf dem Food Network seine mit einem Emmy ausgezeichnete Serie Wolfgang Puck’s Cooking Class.
Hollywood merkte schnell, dass Puck etwas beherrscht, woran viele Köche scheitern: Spitzenküche in riesigen Mengen zu produzieren, ohne Kreativität einzubüßen. 1995 bat ihn deshalb die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, den opulenten Governors Ball auszurichten.
Aus dem einmaligen Auftrag wurde Tradition. Puck gehört heute so fest zur Oscar-Nacht wie der rote Teppich. Während Schauspieler ihre Dankesreden proben und Stylisten an Abendroben zupfen, läuft seine Küche längst auf Hochtouren – Tausende Gerichte entstehen, bevor die erste Statuette überreicht ist.
Governor's Ball 2026: Was auf der Speisekarte steht?
Wie man sich denken kann, ist die Verpflegung der Hollywood-Elite ein Mammutprojekt. Rund 1.500 Gäste werden in diesem Jahr erwartet; dafür hat Puck 75 Köche für herzhafte Speisen, 45 Pâtissiers und mehr als 300 Servicekräfte und Manager im Einsatz.
Zu den Neuheiten gehört eine Live-Izakaya-Station, inspiriert von der ungezwungenen Atmosphäre einer japanischen Kneipe, sowie eine italienische Gelato-Maschine, die den ganzen Abend über frisches Eis rührt.
Neben den neuen Stationen kehren viele von Pucks Klassikern auf die Karte zurück. „Comfort Food ist immer das Lieblingsessen der Leute – etwa unser Chicken Pot Pie, die Pizza mit Räucherlachs, Macaroni and Cheese oder die Mini-Wagyu-Burger“, sagte Puck bei einer Vorschau im Ray Dolby Ballroom in Los Angeles.
Pucks Team backt etwa 600 hausgemachte Pizzen, richtet rund 3.000 Portionen Artischocken-Agnolotti an und gießt etwa 2.000 Schoko-Oscars.
Dafür verarbeitet die Küche enorme Mengen an Zutaten: geschätzt 90 Kilogramm Dry-Aged-Ribeye, 136 Kilogramm hausgeräucherten Lachs, 13,6 Kilogramm Kaluga-Kaviar, 227 Kilogramm Wildpilze, 90 Kilogramm Nishiki-Reis und rund 180 Kilogramm Käse.
Außerdem stehen knapp acht Liter essbares, flüssiges 24-Karat-Gold bereit – an einer Station, an der die Miniatur-Schoko-Oscars mit ihrem charakteristischen Schimmer überzogen werden.
Den ganzen Abend ziehen Tabletts mit kleinen Häppchen durch den Saal: scharfe Thunfisch-Tatar-Hörnchen mit Sesam-Miso, Hummer-Corn Dogs und koreanisches Steak-Tatar auf gepufftem Reis. Dazu gibt es geräucherten Lachs auf „Oscar“-Matze, süße Erbsen-Falafel mit Hummus und Za’atar sowie Taro-Tacos mit Garnelen, Mango und Avocado.
Zum Dessert warten Himbeer-Panna-Cotta mit Zitronen-Sablé, Gianduja-Mousse-Éclairs und Mokka-Tiramisu im Glas. Ergänzt wird das süße Buffet durch Kokosmakronen, Pistazien- und Schokoladen-Macarons, Cranberry-Baisers und saftige Brownies aus dunkler Schokolade.