Archäologen haben bislang über 3.000 Silbermünzen entdeckt – und es könnten noch weitere ans Licht kommen. Der Schatz wurde in einem Feld im Südosten Norwegens entdeckt.
"Das ist ein historischer Fund. Dass er zudem aus der Wikingerzeit stammt, macht ihn noch spektakulärer“, freut sich Andreas Bjelland Eriksen, Norwegens Minister für Klima und Umwelt.
Der Schatz, der in der Nähe von Rena in Østerdalen entdeckt wurde, umfasst Münzen aus den 980er- bis 1040er-Jahren n. Chr., der Hochphase der Wikingerzeit. Auffällig ist, dass viele der Münzen aus dem Ausland stammen, insbesondere aus England und Deutschland, darunter auch Prägungen aus Dänemark und Norwegen. Bis dato wurden 3150 Silbermünzen ausgegraben.
Einige Münzen wurden unter den Herrschern Knut dem Mächtigen, Æthelred II., Otto III. und Harald Hardråde geprägt.
Um das Jahr 1000 zirkulierten in Norwegen überwiegend ausländische Münzen, weil es damals noch kein eigenes nationales Münzwesen gab. Erst unter Harald Hardråde, der von 1046 bis 1066 König von Norwegen war, änderte sich das. Die norwegischen Experten vermuten, dass der Münzschatz etwa in dieser Zeit vergraben wurde.
"Dies ist eine wirklich einzigartige Entdeckung, die man vielleicht nur einmal im gesamten Berufsleben macht. Dabei zu sein, wenn so etwas ans Licht kommt, ist sowohl beruflich als auch persönlich eine großartige Erfahrung", so die lokale Archäologin May-Tove Smiseth.
Zuletzt war in Norwegen im Jahr 1950 ein größerer Wikinger-Münzfund gemacht worden, so das Museum für Kulturgeschichte. Damals waren das rund 900 Münzen.
Archäologen gehen davon aus, dass die Münzen ursprünglich vermutlich in einem Lederbeutel oder einem anderen organischen Behältnis aufbewahrt wurden, das im Laufe der Zeit verrottete. Dadurch verteilten sich die Münzen über die Jahrhunderte hinweg auf dem Feld, möglicherweise zusätzlich durch Pflugarbeiten.
Auch zur Herkunft des Schatzes haben die Forscher eine Vermutung. Vom 10. bis ins späte 13. Jahrhundert gab es in der Region eine bedeutende Eisenproduktion. Wie frühere Ausgrabungen gezeigt haben, wurde Erz aus Mooren gewonnen, verarbeitet und anschließend in ganz Europa exportiert. Der Schatz könnte somit aus dem Wohlstand dieses Handels entstanden sein.
Zwei archäologisch geschulte Privatpersonen entdeckten den Schatz, als sie Mitte April das Feld mit Metalldetektoren absuchten. Nachdem sie 19 Münzen gefunden hatten, vermuteten sie einen größeren Schatz, brachen die Suche ab und informierten die zuständigen Archäologen der Provinzverwaltung.
Weitere Ausgrabungen sind geplant, um herauszufinden, ob sich an der Stelle noch mehr Münzen befinden und ob die damaligen Besitzer Hinweise hinterlassen haben, die den Grund für die Vergrabung des wertvollen Schatzes erklären. Um den Fundort zu schützen, ist das Gebiet für die Dauer der Untersuchungen für die Öffentlichkeit gesperrt.
Die Wikinger waren seefahrende Völker aus Skandinavien – dem heutigen Norwegen, Dänemark und Schweden –, die ungefähr zwischen dem späten 8. und frühen 11. Jahrhundert aktiv waren.
Bekannt wurden sie vor allem durch ihre Langschiffe, die ihnen Reisen und Raubzüge über große Entfernungen ermöglichten, bis hin zu den Britischen Inseln, Island, Grönland und sogar Nordamerika. Obwohl sie oft mit Raubzügen und Kriegen in Verbindung gebracht werden, waren die Wikinger auch Händler, Entdecker und Siedler, die Handelsnetze vom Nordatlantik bis zum Byzantinischen Reich und in die islamische Welt aufbauten.
Im Laufe der Zeit wandelten sich viele ihrer Gesellschaften von raubenden Gruppen zu sesshaften Gemeinschaften, nahmen das Christentum an und bildeten die frühmittelalterlichen Königreiche, aus denen die heutigen skandinavischen Staaten hervorgingen.