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Mysteriöses Objekt am Grund des Gardasees entdeckt – Forscher haben Vermutung

Ein Kitesurfer fährt am Samstag, den 9. Oktober 2021, auf dem Gardasee nahe Brenzone sul Garda in Norditalien an Segelbooten vorbei.
Ein Kitesurfer fährt am Samstag, den 9. Oktober 2021, auf dem Gardasee nahe Brenzone sul Garda in Norditalien an Segelbooten vorbei. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
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Am Gardasee sorgen immer wieder Sonar- und Tauchfunde für Aufsehen. Besonders im Nord- und Südbereich des Sees wurden in der Vergangenheit interessante Unterwasserstrukturen entdeckt und Überreste von Wracks gefunden.

Ein Forscherteam hat im Gardasee offenbar eine neue bemerkenswerte Entdeckung gemacht: In großer Tiefe wurde per Sonarmessung ein Objekt mit erheblicher Größe erfasst. Die Experten haben eine erste Vermutung, um was es sich handeln könnte: Die sogenannte Sonar-Anomalie zeigt eine längliche Struktur, die in Form und Größe einem Schiff ähnelt.

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Die Forscher vermuten demnach, dass es sich um das Wrack eines Kriegsschiffs handeln könnte.

Eine offizielle Bestätigung steht jedoch noch aus. Zunächst müssen die Daten von Fachleuten ausgewertet werden, bevor über eine genaue Dokumentation und einen möglichen Schutzstatus entschieden wird.

Die Entdeckung wurde in einer der tiefsten Zonen des Gardasees gemacht, weit entfernt von Uferbereichen und Badeplätzen.

Derartige Funde sind am Gardasee nicht ungewöhnlich. In großer Tiefe von über 300 Metern mit schwierigen Sichtverhältnisse entstehen häufig Sonar-Echos, die Schiffswracks ähneln können. Neben tatsächlichen historischen Wracks – etwa kleineren Dampfschiffen, Fischerbooten oder militärischen Fahrzeugen aus dem 2. Weltkrieg – können aber auch Felsformationen, Baumstämme oder Sedimentablagerungen zu Fehlinterpretationen führen.

Diese historischen Wracks wurden im Gardasee gefunden

Jahrzehntelang hatten Meeresarchäologen intensiv nach einem Amphibienfahrzeug vom Typ DUKW, einen sechsrädrigen Lkw, gesucht, bevor es 2012 schließlich entdeckt wurde. Das Amphibienfahrzeug war im 2. Weltkrieg von General Motors entwickelt worden, um Truppen und Material sowohl über Land als auch über Wasser zu transportieren.

67 Jahre lang lag die "Duck" (engl. für "Ente"), wie das Fahrzeug umgangssprachlich genannt wurde, unentdeckt in rund 180 Metern Tiefe auf dem Grund des Sees. Es wurde zur Grabstätte für mindestens 24 US-Soldaten, nur ein Besatzungsmitglied überlebte.

Die Region stand im 2. Weltkrieg unter Kontrolle der von Deutschland unterstützten RSI. RSI steht für "Repubblica Sociale Italiana", Italienische Sozialrepublik.

Dabei handelte es sich um einen Reststaat unter Benito Mussolini, der nach dessen Sturz 1943 mit Unterstützung des nationalsozialistischen Deutschlands gegründet wurde.

Nachdem Italien im September 1943 einen Waffenstillstand mit den Alliierten geschlossen hatte, besetzte Deutschland große Teile Norditaliens. Mussolini, der zuvor abgesetzt und verhaftet worden war, wurde damals von deutschen Truppen befreit und an die Spitze der RSI gesetzt.

Die US-Soldaten sollten schließlich in der Nacht vom 29. auf den 30. April 1945 den Gardasee überqueren und die Villa Feltrinelli in Gargnano erreichen, die bis kurz zuvor als Residenz von Mussolini gedient hatte. In Gargnano befanden sich zudem zentrale Einrichtungen der Italienischen Sozialrepublik. Mussolini war bereits am 28. April 1945 von italienischen Partisanen erschossen worden.

In dieser stürmischen Nacht sank das Fahrzeug jedoch unter ungeklärten Umständen.

Bei der Bergung wurde festgestellt, dass sich im Wrack keine vollständigen menschlichen Überreste mehr befanden. Im Gardasee herrschen zwar relativ gute Erhaltungsbedingungen für Wracks, aber nicht unbedingt perfekte Bedingungen für vollständige menschliche Konservierung über fast 70 Jahre.

Galeere aus dem 16. Jahrhundert

Im südlichen Bereich des Sees, rund um Sirmione und Desenzano, finden sich vor allem ältere Schiffsreste, darunter venezianische und militärische Fragmente.

Derzeit wird dort eine venezianische Galeere aus dem frühen 16. Jahrhundert erneut untersucht. Sie liegt genau zwischen Lazise und Sirmione in etwa 24 bis 27 Metern Tiefe. Es gilt als das älteste bekannte Schiffswrack des Sees. Historikern zufolge gehörte das Schiff zur Flotte der Republik Venedig ("Serenissima") und wurde vermutlich 1509 während des Kriegs der Liga von Cambrai absichtlich versenkt oder verbrannt, nachdem der venezianische Senat den Rückzug angeordnet hatte.

Das Wrack war bereits Ende der 1950er Jahre entdeckt und 1962 offiziell dokumentiert worden. Die aktuellen Untersuchungen gelten jedoch als die umfangreichsten Schutzmaßnahmen seit Jahrzehnten. Neue Analysen zeigen, dass der Rumpf überraschend gut erhalten ist. Das Schiff misst noch rund 30 Meter Länge und etwa 3,5 Meter Breite. Die kalten, dunklen und sauerstoffarmen Bedingungen am schlammigen Seegrund haben wesentlich zur Erhaltung beigetragen.

Die laufende Kampagne konzentriert sich auf die genaue Dokumentation des Wracks, Reinigungsarbeiten und langfristige Konservierungsmaßnahmen. Dabei beschäftigen sich die Forscher auch mit einem neuen Problem: Das Wrack wurde teilweise von invasiven Zebra-Muscheln besiedelt, die aus dem Schwarzmeerraum stammen und die Holzstruktur angreifen können. Deshalb sind zusätzliche Schutzmaßnahmen wie Geotextil-Abdeckungen und weitere Konservierungsarbeiten geplant.

Faszinierende Geologie

Der Gardasee entstand in seiner heutigen Form am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 bis 15.000 Jahren.

Geologisch ist er deutlich älter: Das Tal und die Grundstruktur des Seebeckens wurden über Millionen Jahre hinweg durch tektonische Prozesse und Erosion geformt. Während der letzten Kaltzeiten schoben sich dann gewaltige Gletscher aus den Alpen nach Süden und gruben das heutige Becken des Gardasees aus.

Als sich die Gletscher am Ende der Eiszeit zurückzogen, füllte sich das Becken mit Schmelz- und Flusswasser – der Gardasee entstand.

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