Auf sozialen Netzwerken behaupten Nutzer, Anne Hathaway sei mit falschem Babybauch über den roten Teppich zur Premiere von „The End Of Oak Street“ gegangen. Die Schauspielerin kontert und meint, die Dauer-Online-Community brauche dringend ein Hobby.
Alle reden darüber, wie Tom Holland und Zendaya ein großartiges Jahr haben, aber man sollte nicht vergessen, dass Anne Hathaway dem Jahr 2026 ihren Stempel aufdrückt.
Die dreiundvierzigjährige Oscarpreisträgerin gehört in diesem Jahr zu den verlässlichsten Kassenmagneten. Sie spielt unter anderem in The Devil Wears Prada 2 und The Odyssey mit und war außerdem in einem unserer bisherigen Lieblingsfilme des Jahres zu sehen, dem bislang kaum beachteten Mother Mary.
Derzeit ist sie auf Pressetour für ihre jüngste Rolle in David Robert Mitchells The End Of Oak Street, einem Science-Fiction-Survivalfilm, den J.J. Abrams produziert. Deshalb kursieren Gerüchte, das Werk gehöre zu seinem Cloverfield-Anthologie-Universum.
Als wäre das noch nicht genug Grund zum Feiern: Hathaway ist derzeit mit ihrem dritten Kind schwanger.
Doch selbstverständlich musste das Internet alles wieder seltsam machen.
Mit „seltsam“ meinen wir in Wahrheit „idiotisch“ – einmal mehr ein Beleg dafür, dass der schmerzlich vermisste Schriftsteller Umberto Eco recht hatte, als er sagte, die Tragödie des Internets sei, „dass es den Dorftrottel zum Träger der Wahrheit befördert“.
Und zu einem ausgesprochen lauten noch dazu.
Hathaway nahm an der Weltpremiere von The End Of Oak Street im Steven J. Ross Theater in Burbank in Kalifornien teil. Sie trug ein maßgeschneidertes Outfit von Atelier Prabal Gurung: tief sitzende Jeans und ein stylisches Crop-Top, das ihren Babybauch zeigte.
Wie so oft strahlte Hathaway auf dem roten Teppich. Doch einige Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien fühlten sich berufen, Darwins Theorie zu widerlegen und warfen der Schauspielerin nicht nur vor, „seltsam“ und „billig“ auszusehen, sondern beschuldigten sie sogar, einen falschen Schwangerschaftsbauch zu tragen.
Ausgelöst hatte den Spott ein viral gegangener Beitrag auf X (wo auch sonst?) von einem Account namens „21“. In den Kommentaren hieß es, mit Hathaways Bauch stimme etwas „nicht“.
„Sieht nach einem falschen Bauch aus. Der Bauchnabel wirkt unrealistisch“, kommentierte eine Person. Eine andere schrieb, es sehe aus wie „ein künstlicher Bauch“. Eine weitere Nutzerin meinte: „Ich habe Kinder, und ihr Bauch sieht aus wie diese Fake-Bäuche, die sie in Filmen benutzen.“
Charmant und selbstverständlich völlig angebracht.
Die absurde Verschwörungstheorie verbreitete sich so stark, dass Hathaway reagieren musste. Sie brachte dabei Stil und Humor in den digitalen Schweinestall.
Sie veröffentlichte ein Video des Abends auf Instagram (Quelle auf Englisch) und betitelte es mit: „Fake hair, real bump.“
Traurigerweise, wenn auch kaum überraschend, war damit noch längst nicht Schluss.
Als wäre es nicht schon geschmacklos genug, den Körper einer schwangeren Frau zu beschämen, machten einige Kommentierende anschließend Hathaways Stylistenteam für den angeblich „unvorteilhaften Kleider-Fauxpas“ verantwortlich.
„Unvorteilhaftes Styling für eine schöne schwangere Frau“, schrieb eine selbst ernannte Modeexpertin, während eine andere kommentierte: „Schwangerschaft ist schön, aber das ist ein Styling-Fail.“
Über Geschmack, Stilfragen und tief sitzende Jeans lässt sich streiten. Ein paar Punkte sollte man jedoch bedenken.
Erstens: Warum ist das überhaupt ein Thema?
Zweitens: Kein Schwangerschaftsbauch gleicht dem anderen. Werdet erwachsen.
Drittens: Wer das Gewicht eines Menschen in sich trägt, sollte tragen dürfen, was glücklich und bequem macht – ohne Angst vor Urteilen oder haltlosen Vorwürfen, eine Schwangerschaft nur zu simulieren. Wie Demi Moore, die 1991 für Annie Leibovitz im Magazin „Vanity Fair“ posierte, und Rihanna, die 2023 während der Halbzeitshow des Super Bowl stolz ihre Schwangerschaft zeigte, versteckt Hathaway ihre körperliche Veränderung nicht. Sie entscheidet sich, sie zu feiern, statt sie als „nicht glamourös“ oder „seltsam“ zu verstecken, wie es manche in den sozialen Netzwerken nennen. Ihre Reaktionen verraten, dass das Stigma rund um Mutterschaft und den sich verändernden Körper von Frauen noch immer tief sitzt.
Hinzu kommt der größere Kontext.
Anne Hathaway ist mit dem Schauspieler Adam Shulman verheiratet. Bevor sie 2016 und 2019 ihre ersten beiden Kinder bekam, erlitt sie 2015 eine Fehlgeburt. Besonders bitter: Sie verlor das Kind während der Proben und Aufführungen des Ein-Personen-Stücks „Grounded“, in dem sie jede Nacht eine Geburt spielen musste.
Sie sprach offen darüber und erzählte kürzlich in der Late-Night-Show von Seth Meyers, wie sehr es sie überraschte, trotz ihres Alters und nach Fruchtbarkeitsproblemen so schnell wieder schwanger geworden zu sein.
Als sie 2019 ihre zweite Schwangerschaft bekanntgab, sprach sie auch über die Schwierigkeiten bei der Empfängnis: „Für alle, die gerade durch die Hölle von Unfruchtbarkeit und Kinderwunsch gehen, bitte wisst, dass weder meine erste noch meine zweite Schwangerschaft ein gerader Weg war. Ich schicke euch extra viel Liebe.“
Vielleicht ist es zu viel verlangt, dass die chronisch Online-Präsenten echte Body-Positivity für alle verinnerlichen. Sie könnten ihre Energie aber zumindest auf wichtigere Themen richten. Oder damit aufhören, jenem Dorf seinen Idioten zu entziehen.
Anne Hathaway spielt die Hauptrolle in The End of Oak Street, der in dieser Woche in die Kinos kommt. Bleiben Sie bei Euronews Culture für unsere ausführliche Kritik.