Es ist eine Auszeichnung, die seit 1965 das international beachtete Gesamtwerk europäischer Autorinnen und Autoren ehrt, heißt auf der Website des Kulturministeriums in Österreich.
Die portugiesische Schriftstellerin Lídia Jorge erhält den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2026. Das teilte das Kulturministerium am Dienstag in einem Kommuniqué auf seiner offiziellen Website (Quelle auf Portugiesisch) mit.
Der Preis würdigt seit 1965 das Gesamtwerk eines europäischen Autors oder einer europäischen Autorin, dessen oder deren Bücher international große Anerkennung gefunden haben. Die Werke müssen in deutscher Übersetzung vorliegen, heißt es in derselben Mitteilung.
Zur Begründung erklärt die Jury, „Lídia Jorge gehört seit vielen Jahren zu den wichtigsten Stimmen der portugiesischen Literatur“. In ihrem Werk sei die „Kritik am europäischen Kolonialismus“ ein zentrales Thema, ebenso „soziale Ungleichheit und Armut, die Diskriminierung von Frauen, Rassismus und die Nelkenrevolution von 1974“, heißt es weiter.
Die Jurymitglieder – Cristina Beretta, Thomas Keul, Thomas Macho, Marlene Streeruwitz und Andrea Zederbauer – erinnern zudem daran, dass die Autorin in „fast fünfzig Jahren als Schriftstellerin“ nicht nur 13 Romane verfasst hat, sondern auch zahlreiche Kinderbücher, Erzählungen, Theaterstücke, Gedichte und Essays. Ihre Arbeiten wurden im Lauf der Jahrzehnte „ins Spanische, Französische, Englische und Deutsche übersetzt“.
Zu den auf Deutsch vorliegenden Werken von Lídia Jorge zählen unter anderem O Dia dos Prodígios (1979), A Costa dos Murmúrios (1988) und Misericórdia (2022), neben weiteren Titeln.
„Lídia Jorge gehört zu den bedeutendsten Autorinnen der zeitgenössischen europäischen Literatur; ihr Werk ist so vielgestaltig und vielfältig, wie ihre Themen gewichtig und allgegenwärtig sind“, erklärte der österreichische Vizekanzler und Kunst- und Kulturminister Andreas Babler laut der Mitteilung.
Der Politiker betonte zudem, die portugiesische Autorin habe über „viele Jahrzehnte“ hinweg ihre hochpoetische Sprache genutzt, um für menschliche Gleichheit und die Wertschätzung des Lebens einzutreten. Er habe „die tiefste Bewunderung für die Autorin“ und sende ihr auch eine Glückwunschbotschaft, wird er weiter zitiert.
Die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Preises ist für den 27. Juli geplant und wird vom österreichischen Vizekanzler vorgenommen. Die Zeremonie ist Teil des Programms der Salzburger Festspiele.
Lídia Jorge wurde 1946 in Boliqueime im Kreis Loulé in der Algarve geboren. Sie studierte französische Literatur in Lissabon und lebte mehrere Jahre in Angola und Mosambik, zur Zeit des Kolonialkriegs. Neben der Literatur widmete sie einen Teil ihres Lebens der Lehrtätigkeit, vor allem im Sekundar- und Hochschulbereich.
Im Lauf ihrer Karriere wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 2003 mit dem Großen Preis für Roman und Novelle des Portugiesischen Schriftstellerverbands für O Vento Assobiando nas Gruas (2002). Hinzu kommen der FIL-Preis für Literatur in romanischen Sprachen 2020 und der Pessoa-Preis 2025.
Außerdem zeichnete der frühere Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa sie mit der Großkreuz des Ordens von Sant'Iago da Espada im Februar dieses Jahres (Quelle auf Portugiesisch) aus.