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Floptropica: Wie gut kennen Sie das Lieblingsland der Gen Z?

Kris Jenner, Trisha Paytas, Nicki Minaj und Wendy Williams
Kris Jenner, Trisha Paytas, Nicki Minaj und Wendy Williams Copyright  Invision / AP Photo / Canva
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Von Mikhail Calvez
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Sie suchen in diesem Sommer einen Ort, um dem Alltag zu entfliehen? Wir hätten da eine Idee – doch vor der Buchung gibt es ein kleines Problem.

Die Zeiten sind hart. Der Arbeitsmarkt gleicht einem Minenfeld, die politische Stimmung wirkt von Tag zu Tag bedrückender, und obendrein ächzt Europa unter einer Hitzewelle.

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Angesichts dieser tristen Lage tut Abstand gut. Warum also nicht einen Urlaub buchen und den Kopf freibekommen? Wir hätten da ein Ziel …

Es gehört zu den Lieblingszielen der Generation Z, und Promis scheinen ebenfalls begeistert.

Schon von Floptropica gehört?

Floptropica ist eine Demokratie – immer ein Plus. Das imaginäre Land hat das drittgrößte Bruttoinlandsprodukt weltweit, bei gerade einmal zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Natürlich hat es wie jeder Staat seine Krisen erlebt, darunter Kriege. Aber einen Ort ganz ohne politischen Streit zu finden, ist heute kaum möglich.

Klingt verlockend? Bevor Sie Tickets buchen, sollten Sie eines wissen: Floptropica taucht auf keiner Karte auf.

Floptropica ist die zeitgemäße Version des imaginären Wohlfühlortes für Menschen, die dauerhaft online sind – ein Fantasieland, das TikTok-Nutzende erschaffen und weiterentwickeln. Mitmachen können alle. Nur physisch hinreisen klappt nicht.

Woher der Name kommt

Der Name des Landes erklärt sich fast von selbst: Er setzt sich aus „flop“ und „tropics“ zusammen. Ein paar Details gibt es trotzdem.

Das Wort „flop“ haben Social-Media-Nutzende schnell übernommen, vor allem Fangemeinden rund um Musik, Filme und Serien – die sogenannten „Twitter stans“.

Mit dem rasanten Ausbau sozialer Netzwerke und der Unzufriedenheit über Elon Musks Plattform X haben sich diese Fandoms weiter im Netz verteilt. Auf TikTok entstand das, was heute „Floptok“ heißt.

Unter „Floptok“ versteht man Inhalte junger User über Künstlerinnen, Künstler und Events, die sich in ihrer „flop era“ befinden – also in einer Phase, in der der Erfolg spürbar nachlässt. Berühmte Sängerinnen wie Billie Eilish und Zara Larsson haben diesen Begriff bereits aufgegriffen.

Ein etabliertes Fantasieland

Was als Nischen-Meme begann, ist inzwischen zu einer riesigen Community geworden, die unablässig an der Hintergrundgeschichte des Landes feilt.

Die Geschichte des Landes ist so umfangreich – und so widersprüchlich, weil jede und jeder daran mitschreiben kann –, dass sie hier kaum Platz findet. Eines aber lässt sich kurz erzählen: den Konflikt, den wir bereits erwähnt haben. Die Flops, oder Floptropicanerinnen und Floptropicaner, führten Krieg mit einem anderen Fantasiestaat namens DaBoyz. TikTok-Nutzende schufen dieses Land als virtuelle Verbannung für bestimmte Personen des öffentlichen Lebens wie Andrew Tate, John Cena und Baschar al-Assad.

Nicki Minaj galt lange als geehrtes Mitglied der Community, wurde jedoch aus Floptropica verbannt – wegen umstrittener Äußerungen zur LGBTQIA+-Community.

Damit genug zur Konfliktgeschichte. Hier einige grobe Orientierungspunkte, um Floptropica besser kennenzulernen.

Das nicht existierende Land verfügt über eine eigene Regierung, eine Verteidigungsstruktur, Nachrichtenangebote und sogar eine Website. Es gibt sieben „Amtssprachen“ – einige aus der realen Welt wie Englisch, Spanisch und Portugiesisch, dazu frei erfundene Sprachen wie Flopa, Chinass, Wetnamese und Potaxie.

Floptropica besteht aus acht Staaten mit eigenen Wahlbezirken. Selbst Fantasiestaaten halten schließlich Wahlen ab.

Nach Angaben der offiziellen Floptropica-Website ist Deborah Ali-Williams Präsidentin des Landes.

Ali-Williams leitete ursprünglich ein Bestattungsunternehmen in Houston im US-Bundesstaat Texas. Im Netz wurde sie rasch zur Kultfigur: Nutzerinnen und Nutzer feierten ihre Ruhe, ihr Organisationstalent und ihren Stil. Nachdem sie gesehen hatten, wie sie das Beerdigungsinstitut führt, beschlossen die Floptropicanerinnen und Floptropicaner, sie zur Präsidentin „zu wählen“.

Deborah Ali-Williams spielt in ihren TikToks und Instagram-Reels bewusst mit dieser Rolle und baut das Floptropica-Universum weiter aus.

Es gibt außerdem eine Königin namens Jiafei Dai. Ganz unkompliziert ist das allerdings nicht: Sie ist vollständig KI-generiert. Trotzdem ist die Community stolz auf ihre Queen und setzt alles daran, sie zu schützen.

Die einzelnen Staaten werden von Prominenten geführt. So leitet TV-Moderatorin Wendy Williams etwa Cvmberty Island, während Rapperin und Songschreiberin Elizabeth Eden Harris – besser bekannt als CupcakKe – CupcakKia übernimmt.

Weitere prominente Namen: Kris Jenner fungiert als Secretary of Cultural Affairs, und die US-Medienpersönlichkeit und Künstlerin JoJo Siwa verantwortet als Secretary of Environmental Sustainability die Umweltpolitik. Welche Qualifikation beide für diese Schlüsselposten mitbringen, bleibt ihr Geheimnis.

Auch Institutionen und Unternehmen gehören zum Fantasiestaat – ganz wie in der echten Welt. Es gibt unter anderem Flop Mobile Group, Yassifisoft, Vodafone Floptropica, die University of Servington, Flopwagen, Jet69, Flopvision und Burger Queen.

Klingt nach einem Land, dessen Staatsbürgerin oder Staatsbürger Sie gerne wären? Dann müssen Sie sich nicht durch langweilige Bürokratie kämpfen. Einen „offiziellen“ Pass und Fanartikel zu den einzelnen Staaten gibt es direkt über die Website von Floptropica.

Floptropica: Einfluss auf Netz und Gesellschaft

Viele fragen sich: „Wozu dieses ganze Schauspiel?“.

Eine klare Antwort gibt es nicht. Manche sehen darin ein Werkzeug, mit dem jüngere Generationen kurz der Realität entfliehen können. Andere halten es für einen weiteren albernen Online-Trend.

Unbestreitbar ist jedoch der Einfluss auf das Netz und die Popkultur. Viele TikTok-Accounts rund um Floptropica zählen mehrere Millionen Follower, und immer mehr öffentliche Persönlichkeiten greifen das Phänomen auf – darunter Marco Ballarini, Bürgermeister der italienischen Stadt Corbetta, und das Fernbusunternehmen FlixBus.

@marcoballarinisindaco

pookiee primo sindaco e primo politico a riconoscere lo stato legittimo di #FLOPTROPICA 💜 #floptok #noflop #ilsindacoditiktok #mayor @Floptropican Network™ @Floptropica Airlines @Floptropica Daily 🌴💖 @CupcakKe @jiafei.dai @All Peoples' Funeral Home @Lilz Bullz Official

♬ original sound - PⱯULINSCHN

Am Ende gilt: Wenn die Satire auf die reale Welt, auf Promikult und Meme-Geschichte dabei hilft, abzuschalten und ein wenig Spaß zu haben – gerade in schwierigen Zeiten –, wer wollte sich darüber beschweren?

Das Fantasieland entwickelt sich ständig weiter. Vielleicht wirkt ein kurzer Ausflug nach Floptropica sogar therapeutisch. Und wer weiß: Eventuell verbirgt sich hinter JoJo Siwas Umweltagenda mehr Substanz, als man vermuten würde.

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