Taucher haben das Wrack der Hofuku Maru vor Luzón (Philippinen) aufgespürt. Der Frachter sank 1944 mit über 1.200 Kriegsgefangenen und wurde lange nicht gefunden. Ein digitalisierter Militärbericht löste das Rätsel.
Am 21. September 1944 war die Hofuku Maru als zweites Schiff in einem japanischen Konvoi vor der Westküste der philippinischen Insel Luzón unterwegs. An Bord befanden sich 1.289 britische und niederländische Kriegsgefangene, viele von ihnen bereits geschwächt, weil sie zuvor auf der sogenannten birmanisch‑thailändischen "Eisenbahn des Todes" Zwangsarbeit geleistet hatten.
Die Bedingungen waren extrem. Es gab kein Licht, kaum Belüftung und keine sanitären Einrichtungen. Die Essens- und Wasserrationen reichten gerade zum Überleben. Das Schiff trug keinerlei Kennzeichnung als Transporter für Gefangene.
Als Flugzeuge des US-Marineverbandes Task Force 38 den Konvoi angriffen, feuerten sie ihre Torpedos auf ein Ziel, das aus ihrer Sicht militärisch legitim war. Einer traf den Rumpf der Hofuku Maru.
Das Schiff brach in zwei Teile und sank in weniger als drei Minuten. Bis zu 1.000 Gefangene waren zu diesem Zeitpunkt noch in den Laderäumen eingeschlossen. Den wenigen, die zur Küste schwimmen konnten, stellten sich japanische Soldaten in den Weg und nahmen sie wieder fest. Von den 1.289 Gefangenen an Bord kamen 1.047 ums Leben.
Über acht Jahrzehnte blieb das Wrack unentdeckt. Die Unterlagen aus der Nachkriegszeit waren lückenhaft und widersprüchlich, die Einsatzberichte der Alliierten enthielten nur grobe Koordinaten, und die Aussagen der Überlebenden wichen in grundlegenden Details voneinander ab. Die Familien von mehr als tausend vermissten Soldaten hatten keinen Ort, an dem sie ihrer Angehörigen gedenken konnten.
Ein Dokument verändert alles
Das japanische Kaiserreich hatte mehr als 130 Frachter und Transatlantikdampfer zu Transportern für Kriegsgefangene umgebaut. Mehr als 125.000 alliierte Gefangene wurden auf diesen Schiffen zwischen Zwangsarbeitslagern in Südostasien hin- und hergebracht; rund 20.000 von ihnen starben bei den Überfahrten.
Die Gefangenen selbst nannten sie "Höllenschiffe". Trotz des Ausmaßes dieser Tragödien gehört ihre Geschichte bis heute zu den am wenigsten bekannten Kapiteln des Zweiten Weltkriegs.
Die Wende kam 2025. Der Forscher John Duresky, der mit der Hellships Memorial Foundation zusammenarbeitet, stieß auf ein digitalisiertes japanisches Dokument, das bislang niemand gründlich ausgewertet hatte. Der Bericht stammte von Offizieren des Flaggschiffs des Konvois. Er enthielt eine genaue Chronologie und eine Karte des Angriffs. Daraus ging hervor, dass die Hofuku Maru beim Treffer als zweites Schiff in der Formation fuhr und in zwei Teile zerbrach.
Die Forscher der Stiftung, die diese Angaben mit dem Einsatzbericht des Flugzeugträgers USS Bunker Hill abglichen, kamen zu dem Schluss, dass das Wrack mehr als 50 Kilometer südlich der bisherigen Suchzone liegen musste.
"Wir waren völlig verblüfft, als wir sahen, dass japanische Quellen genaue Angaben dazu enthielten, wo der Konvoi angegriffen wurde und welche Schiffe getroffen wurden", erklärt Randy Anderson, Gründer der Stiftung. "Das war der entscheidende Beweis."
Fünf Tauchgänge, 3D-Modell des Wracks
Mit den neuen Koordinaten setzte ein Team um den Fernsehproduzenten Josh Gates, den Unterwasserbild-Spezialisten Evan Kovacs und den Meeresarchäologen Calvin Mires Sonargeräte vor der Provinz Zambales ein. Das Wrack lag in rund 50 Metern Tiefe, nur wenige Kilometer vor der Westküste von Luzon.
Das Team absolvierte fünf technische Tiefentauchgänge. Vulkanasche des Pinatubo, der 1991 ausbrach, bedeckte Teile der Fundstätte. Trotzdem gelang es, hunderte Fotos aufzunehmen und daraus ein dreidimensionales fotogrammetrisches Modell zu erstellen. Die Abmessungen des Rumpfes, die Position der Masten und die Anordnung der Laderäume stimmten mit den Originalplänen der Werft überein.
Das Wrack liegt in zwei Teilen auf dem Meeresboden – manche Teammitglieder sprechen sogar von drei Sektionen. Das passt sowohl zu den amerikanischen als auch zu den japanischen Schilderungen seines Untergangs.
Bei den Tauchgängen stießen die Forscher zwischen den Trümmern auf menschliche Überreste. Damit gilt der Fundort als Kriegsgrab, das durch internationale Abkommen geschützt ist. Die exakten Koordinaten bleiben geheim, um das Wrack zu schützen.
Die Niederlande haben angekündigt, gemeinsam mit anderen Staaten nach Wegen zu suchen, die Opfer zu ehren. Die Hellships Memorial Foundation will parallel dazu Angehörige der Getöteten ausfindig machen. Fünf Wracks von Höllenschiffen sind bis heute noch nicht lokalisiert.
Der Fund der Hofuku Maru schließt dieses Kapitel nicht ab. Doch er gibt den Familien der Gefangenen endlich Gewissheit darüber, wo ihre Angehörigen achtzig Jahre nach dem Untergang der Hofuku Maru ihre letzte Ruhe fanden.