Von Erling Haalands Social-Media-Hype über die umstrittene Trump-Karte bis zu Lamine Yamals viralem Bruder Keyne: Euronews Culture zeigt die zehn größten Netzmomente der WM 2026.
Die WM 2026 geht in die Schlussphase, es stehen nur noch zwei Spiele aus.
Morgen spielt Frankreich gegen England um Platz drei. Am Sonntag steht im Finale das Duell Argentinien gegen Spanien an.
Die gemeinsam von den USA, Kanada und Mexiko ausgerichtete Endrunde bleibt in Erinnerung. Zahlreiche Szenen gingen weltweit im Netz viral – manche aus guten, andere aus ganz falschen Gründen.
Für viel Freude sorgten japanische Fans, die nach den Spielen die Stadien säuberten, besondere Essenswünsche der schottischen Anhänger, und Erling Haaland, der sich als echter Sympathieträger entpuppte – gleichzeitig überschatteten Skandale bereits vor dem ersten Anpfiff so manche Feier.
Für Ärger sorgten exorbitante Ticketpreise, die die WM wie ein elitär organisiertes Chaos wirken ließen. Hinzu kamen Zweifel an der behaupteten politischen Neutralität der FIFA, nachdem Gianni Infantino den erstmals vergebenen Friedenspreis der FIFA an Donald Trump verlieh. Infantino nutzte zudem einen Privatjet, um täglich zwei Spiele zu besuchen und trug damit zu dem bei, was das New Weather Institute (Quelle auf Englisch) als „das bisher klimaschädlichste Event“ bezeichnete.
Insgesamt war dieses Turnier eine zwiespältige Angelegenheit. Viele Fans und Nutzer sozialer Medien fragen sich inzwischen, ob die FIFA als Organisation das Fest verdirbt und dem Kult des Fußballs schadet – und ob die WM 2026 zu den umstrittensten der jüngeren Vergangenheit gehört.
Hier fassen Euronews Culture die zehn größten viralen Momente der WM zusammen – die guten wie die schlechten.
NEGATIV: Schiedsrichter abgewiesen
Zu den ersten Aufregern gehörte der Fall des somalischen Schiedsrichters Omar Artan. US-Grenzbeamte verhörten ihn elf Stunden lang und verweigerten ihm anschließend die Einreise.
Der 34-Jährige sollte als erster Somalier überhaupt bei einer WM-Endrunde auf dem Platz stehen. Doch die Grenzbehörde in Miami schickte ihn zurück – obwohl er einen Diplomatenpass und ein US-Einreisevisum besaß.
Artan, der im vergangenen Jahr zum besten männlichen Schiedsrichter Afrikas gewählt worden war, wurde von Somalias Präsident Hassan Mohamud als „ein Vorbild und eine Inspiration für die neue Generation von Somaliern“ gefeiert. Sein Ausschluss galt vielen als Makel dieser WM und der FIFA, die erklärte, sie sei machtlos.
„Eine Gastgeberregierung entscheidet letztlich, wer ein Visum erhält und wer in ihr Land einreisen darf“, hieß es in einer Mitteilung. Danach forderte FIFA-Präsident Gianni Infantino alle auf, bei der Debatte „cool zu bleiben“.
Der Vorfall machte deutlich, wie gnadenlos die von Donald Trumps Regierung eingeführten Einreiselisten greifen. Er zeigte zugleich, dass die angebliche politische Neutralität der FIFA offenbar nur gilt, solange Trump nicht persönlich eine Aufhebung von roten Karten verlangt. Mehr dazu weiter unten...
POSITIV: Schottland übernimmt die Stadt
Die Tartan Army weiß, wie man feiert. „No Scotland, no party“, lautet ihr Schlachtruf.
Die Eskapaden der schottischen Fans wurden zu einem der großen Viral-Hits, als sie Boston in Beschlag nahmen. Im Netz kursierten Videos von Schotten, die Verkehrshütchen auf Statuen setzten, Bars leer tranken und die Einheimischen mit ihrer Herzlichkeit und ihrem Humor für sich gewannen.
Sogar Haggis ist dank ihnen in Massachusetts wieder legal. Von solchen Geschichten darf es gern mehr geben.
NEGATIV: „Hydration“-Pausen
Für viel Unmut sorgten in diesem Jahr die umstrittenen „Hydration Breaks“. Die Pflichtpausen in der Mitte jeder Halbzeit wurden mit dem Wohl der Spieler begründet. Viele kauften der FIFA diese Erklärung nicht ab. Die Anhänger quittierten das neue Vier-Viertel-Format, das eher an US-Sport erinnert, mit lautstarken Pfiffen.
Spieler und Trainer kritisierten die Veränderung des Spiels durch die neue Struktur, und viele warfen Infantino vor, hinter den Trinkpausen stecke vor allem finanzielles Kalkül. Kritiker sehen darin eine schamlose Gelegenheit für zusätzliche Werbung – ein reiner Griff nach mehr Geld.
Der derzeitige FIFA-Chef kündigte an, dass der Verband die Trinkpausen auch für künftige Weltmeisterschaften prüfen werde – trotz des massiven Gegenwinds im Netz. Sollten sie bleiben, dürfte vor allem die TV-Branche von zusätzlichen Werbefenstern träumen...
POSITIV: Kap Verde überrascht die Welt
Außenseiter verdienen Unterstützung. In diesem Jahr entzückte Kap Verde die Fans mit starken Auftritten – unter anderem gegen Spanien und Uruguay, gegen die das Team ein 0:0 und ein 2:2 erkämpfte.
Die „Blue Sharks“ bestritten ihre erste WM-Endrunde und wurden zum flächenmäßig kleinsten Land – und zum zweitdünnst besiedelten –, das sich je qualifiziert hat. Im K.-o.-Duell der letzten 32 verloren sie knapp mit 2:3 gegen Argentinien, doch viele staunten, wie schnell sich Kap Verde als ernst zu nehmende Größe im Weltfußball etablierte.
Ihr erfahrener Torhüter Vozinha avancierte dank seines überragenden Spiels gegen Spanien zum Star des Turniers. In dieser Partie wurde aus einem weitgehend unbekannten Spieler ein virales Phänomen: Seine Instagram-Followerzahl stieg von 50.000 vor dem Turnier auf über 27 Millionen.
Nach dem Ausscheiden sagte der 40-jährige Keeper bei CBS News: „In Kap Verde empfangen wir gern Gäste. Wir kochen vor unseren Häusern und essen gemeinsam auf der Straße. Jetzt geht das für mich nicht mehr immer. Aber ich bin glücklich, denn früher fragten die Leute, wenn wir sagten, wir kommen aus Kap Verde: ‚Wo liegt das?‘ Jetzt kennen sie unser Land. Das ist das Beste, was passieren konnte.“
Weise Worte, die sich auch in Zahlen spiegeln. Das Interesse an den Inseln als Reiseziel ist sprunghaft gestiegen, Suchanfragen nach „Cape Verde“ sollen um 5.000 Prozent zugelegt haben.
POSITIV: UEFA stellt sich quer
Mit Blick auf die erwähnten Werbe-, pardon, Trinkpausen stellte der europäische Verband klar, dass es sie im UEFA-Wettbewerb nicht geben wird. Für die Champions League und die Europameisterschaft 2028 soll es weiterhin zwei durchgespielte Halbzeiten ohne Unterbrechung geben.
Auch im Fall Omar Artan bezog die UEFA deutlich Position gegen die FIFA und äußerte sich kritisch zur Affäre um die rote Karte für Folarin Balogun. UEFA-Präsident Aleksander Čeferin unterstützte eine Erklärung, in der Infantino und die FIFA beschuldigt wurden, „eine rote Linie überschritten“ zu haben.
Damit sind wir beim nächsten Streitpunkt...
NEGATIV: Der „Trump Card“-Skandal
Eigentlich bedeutet eine rote Karte bei der WM automatisch eine Sperre für das nächste Spiel – es sei denn, Donald Trump mischt sich ein.
Als die FIFA nach einem Anruf Trumps bei Gianni Infantino die Sperre für US-Stürmerstar Folarin Balogun aufhob, war der Aufschrei groß – es wurde zur größten sportlichen Kontroverse dieser WM. Balogun hätte das K.-o.-Duell gegen Belgien verpassen müssen, weil er dem bosnischen Verteidiger Tarik Muharemović auf den Fuß gestiegen war und dafür Rot gesehen hatte. Ein Telefonat später schien Trump die Regeln zu bestimmen.
„Danke an die FIFA, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit korrigiert hat!“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Die Reaktionen darauf fielen verheerend aus.
„Schämt euch! Wenn Geld das Sagen hat, verliert die Weltmeisterschaft jede Glaubwürdigkeit“, erklärte die belgische Sozialistische Partei. „Die Regeln zu verbiegen, um Trump zufriedenzustellen, zu versuchen, sich zum Sieg zu mogeln – was für ein beklagenswertes Bild für die FIFA, für die Fußball-WM und für die Vereinigten Staaten. Regeln müssen für alle gelten, im Sport wie im Leben.“
Die Empörung ging weltweit viral, die FIFA bekam prompt ein neues Spottkürzel verpasst („Fix It For America“), und es gab sogar Boykottaufrufe für das Spiel. Am Ende schien der Fußball die Antwort zu geben: Belgien fertigte die US-Auswahl mit 4:1 ab. Viele fragten sich anschließend, ob Donald Trump ein sportlicher Unglücksbringer ist, und die Memes nach dem belgischen Sieg begeisterten Fußballfans weltweit. Für zusätzlichen Applaus sorgte ein Beitrag des offiziellen X-Kontos der „Red Devils“, in dem es schlicht hieß: „Overturn this.“
POSITIV: Die Haaland-Besessenheit
Erling Haaland, von Fans „The Striking Viking“ genannt, avancierte zum herausragenden Spieler dieser WM. Nicht nur wegen seiner Leistungen als Norwegens wichtigster Akteur auf dem Platz, sondern auch dank seiner Aktionen abseits des Rasens.
Seine Ruder-Jubelpose, seine grundsympathische Art und die Bereitschaft, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, machten ihn zum Liebling des Internets.
Haaland wurde zum echten Social-Media-Phänomen. Besonders gefeiert wurden seine anhaltende „Bromance“ mit Englands Jude Bellingham, ein wiederentdecktes Rap-Video, das rasend schnell viral ging, und der ausgestopfte Waschbär als Souvenir, den er aus den USA mitbrachte. Von ihm würden viele Fans gern noch mehr sehen.
POSITIV: Der „Wonderwall“-Effekt
Lebwohl „Sweet Caroline“. Adieu „Vindaloo“ ( Schauder). In diesem Jahr sangen die England-Fans stattdessen „Wonderwall“ von Oasis.
Der Hit der Band entwickelte sich zum inoffiziellen WM-Song der englischen Mannschaft. Ob man England die Daumen drückte oder nicht, die Massenchöre in den Stadien und Fan-Zonen sorgten für Gänsehaut.
Zum ersten Mal ertönte „Wonderwall“ am 17. Juni im Dallas Stadium, nach Englands 4:2-Sieg gegen Kroatien. Zunächst stimmten die Fans an, dann waren die Spieler Jude Bellingham und Anthony Gordon zu sehen, wie sie den Text mitsangen. England-Kapitän Harry Kane erklärte später: „Das war einer meiner schönsten Momente überhaupt im England-Trikot, erst recht bei einem großen Turnier.“
Dank der WM-Euphorie kehrte „Wonderwall“ in die britischen Single-Charts zurück, und auch die Streamingzahlen schnellten in die Höhe. In einer Mitteilung schrieb Spotify: „Die Klassiker-Single von 1995 erlebt ein Comeback: In Großbritannien verzeichnet ‚Wonderwall‘ einen Anstieg der Abrufe um 50 Prozent – ein beträchtlicher Sprung angesichts der bestehenden Streams und der großen Fanbasis für einen so ikonischen und langlebigen Song.“
Leider hielt der Traum nicht an – „It’s coming home“ erfüllt sich auch diesmal nicht... Und Mick Jagger weiß es.
NEGATIV: Das Argentinien-Problem
Es wird zunehmend schwierig, Argentinien guten Gewissens die Daumen zu drücken. Mannschaft und Anhänger sorgen in diesem Jahr aus den falschen Gründen für Schlagzeilen.
Das Team steht nach dem 2:1-Sieg gegen England zwar im Finale, doch im Netz zeigt sich deutlich: Viele Nutzer wünschen sich eine Niederlage des Titelverteidigers. Fans wurden wegen rassistischer Gesänge kritisiert, ein Video führte sogar dazu, dass die FIFA eine Untersuchung wegen Missbrauchsvorwürfen einleitete. Der populäre Streamer IShowSpeed, der Black ist und live aus einem Spiel sendete, wurde von einem Argentinien-Anhänger aufgefordert, „im Zoo zu weinen“.
FIFA erklärte in einer Stellungnahme: „FIFA wurde über einen Vorfall mit einem Zuschauer und #IShowSpeed im Miami Stadium während des Spiels Argentinien gegen Cabo Verde am 3. Juli 2026 informiert und hat umgehend eine Untersuchung eingeleitet.“
Viele Fans greifen zudem eine Verschwörungserzählung auf, wonach die FIFA das Turnier zugunsten Argentiniens manipuliert – besonders seit dem Viertelfinale gegen Ägypten.
Ägypten lag in Führung, ein Treffer wurde unter umstrittenen Umständen aberkannt, und der Wunsch nach einer Videoüberprüfung eines Argentinien-Tores blieb ohne Erfolg. Ägyptens Trainer Hossam Hassan sagte: „Es geht nur ums Geld“, und fügte hinzu: „Sie wollen, dass Messi im Turnier bleibt. Im Fußball passieren wegen Interessen viele Dinge außerhalb des Spielfelds. Das war unfair. Ägypten hätte weiterkommen müssen. Wir waren die bessere Mannschaft.“
Noch heikler wurde es, als argentinische Spieler nach dem Sieg gegen England ein Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son Argentinas“ („Die Falklandinseln sind argentinisch“) präsentierten. Argentinien drohen Disziplinarmaßnahmen und eine Geldstrafe für den Verstoß gegen das FIFA-Verbot politischer Botschaften auf dem Spielfeld.
Die jüngste Kontroverse, die sich rasant in sozialen Netzwerken verbreitet? Viele verweisen darauf, dass Benjamin Netanjahu in einem Podcast erklärte, er unterstütze Argentinien als Favoriten auf den WM-Titel, während Israels Finanzminister Bezalel Smotrich postete (Quelle auf Englisch) auf X, unmittelbar nach Abpfiff des Spiels England gegen Argentinien: „Ich kann zwar nicht nach Großbritannien einreisen, weil ich die Idee eines palästinensischen Staates auslösche, aber zwei Tore sind ganz gut durchgekommen.“
Kurz gesagt: Viele werden im Finale am Sonntag Spanien die Daumen drücken.
POSITIV: Lamine Yamals kleiner Bruder Keyne
Zum Schluss noch eine heitere Geschichte: Die jüngste virale Sensation ist der kleine Bruder des spanischen Fußballers Lamine Yamal, Keyne.
Der dreijährige Junge mischt das Netz ordentlich auf. Immer wieder ist er zu sehen, wie er seinen Bruder anfeuert, „vamos“ ruft und der Kamera sogar Küsschen zuwirft. Ein kleiner Star ist geboren.
Das Magazin Hola! brachte es auf den Punkt: „Diesmal ist die größte Sensation des Wettbewerbs kein Athlet, keine Tore und nicht einmal der Pokal selbst... Es ist Keyne, Lamine Yamals dreijähriger Bruder, der das Turnier mit seinen urkomischen Momenten im Sturm erobert.“
Schon nach Spaniens Sieg bei der Europameisterschaft 2024 war Keyne gemeinsam mit seinem großen Bruder auf dem Spielfeld zu sehen. Es scheint, als kenne seine Ausstrahlung keine Grenzen.
Da Spanien am Sonntag im Finale auf Argentinien trifft, dürfte Keyne vor Turnierende noch für einige weitere Schlagzeilen – und Herzen – sorgen.