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WM-Fans werden zu Internetstars – und zeigen Fußball von seiner besten Seite

Fans der schottischen Tartan Army versammeln sich am Vorabend des WM-Gruppenspiels der Gruppe C Schottland gegen Brasilien auf der Ocean Drive – 23. Juni 2026
Schottland-Fans der Tartan Army feiern am Vorabend des WM-Gruppenspiels gegen Brasilien auf Ocean Drive, 23. Juni 2026 Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Craig Saueurs
Zuerst veröffentlicht am
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Kulinarische Entdeckungen, blitzsaubere Stadien und Dudelsackklänge in Bostons Straßen sind nur der Anfang: Fußballfans aus den USA, Kanada und Mexiko hinterlassen überall ihre Spuren.

Viele hatten erwartet, dass die FIFA-WM 2026 vor allem von Politik geprägt sein würde. Oder von Preisen. Oder von verweigerten Visa. Oder von allerlei anderen Problemen für reisende Fans.

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Stattdessen haben einige der größten Gesprächsthemen dieses Turniers bisher überhaupt nichts mit Fußball zu tun.

Norwegische Fans haben ein Baseballstadion erobert, Schotten haben Bostons Barkeeper für sich gewonnen, ein Deutscher ist zum größten Waffle-House-Botschafter der USA geworden, und Heerscharen von Gästefans haben Ranch-Dressing als kulinarischen Schatz entdeckt.

Hier sind einige der unerwartet schönsten Momente dieses Turniers – keiner davon fand bislang auf dem Rasen statt. Noch nicht.

Norwegen entdeckt Baseball

Kaum hatten sie Norwegens Sieg gegen Senegal gefeiert, tauschte eine Gruppe Wikinger den Fußball gegen Baseball. Am Mittwochnachmittag zog es sie ins Citi Field in New York, wo die heimischen Mets gegen die Chicago Cubs spielten.

Obwohl sie von Amerikas Volkssport so gut wie nichts wussten, waren sie nach Angaben eines norwegischen Fans im Lokalfernsehen die lauteste und stolzeste Truppe (Quelle auf Englisch) im ganzen Stadion.

In den ersten Spielabschnitten sangen sie immer wieder Norwegens inzwischen legendären „Viking row“-Jubel. Die Fans um sie herum – und sogar eine lokale TV-Reporterin, die sie interviewte – waren gleichermaßen irritiert und amüsiert, in einem sonst stillen Stadion.

Ein Reporter der Cubs löcherte sie mit Fragen, warum sie überhaupt da seien. Ein norwegischer Vertreter gab offen zu, dass die meisten kaum verstanden, was auf dem Feld passierte – außer, dass Home Runs gut sind.

Schottland trinkt Boston leer

Die Tartan Army gilt seit Langem als besonders reisefreudig. Nun hat Boston davon profitiert.

Fans in Kilts füllten die Pubs der Stadt, serenadierten die Einheimischen mit spontanen Gesängen und Dudelsack-Einlagen und schafften laut einem städtischen Mitarbeiter etwas Unerwartetes: Sie räumten nach einer beeindruckenden Zahl geleerter Biergläser selbst hinter sich auf.

„Ich bin froh, dass sie gekommen sind“, sagte er und lobte die Anhänger dafür, dass sie nach einem Tag voller Feiern ihren Müll selbst einsammelten. „Sie haben sich mit Klasse und Würde (Quelle auf Englisch) verhalten.“

Die Schottland-Fans leerten also nicht nur Bostons Pubs. Sie eroberten auch die Herzen der Einheimischen.

Tausende zogen nach dem Auftaktsieg gegen Haiti durch die Stadt zum Fenway Park. Sie füllten das Stadion der Red Sox mit Dudelsackklängen, Tartan-Mustern und Versionen der patriotischen Hymne „Flower of Scotland“.

Danach schrieb Sam Kennedy, Präsident der Boston Red Sox, an den schottischen Verband. Er bedankte sich bei der Tartan Army dafür, dass sie den Ballpark „wie ihr eigenes Stadion (Quelle auf Englisch)“ behandelt habe.

Nach der drei-zu-null-Klatsche gegen Brasilien gestern Abend droht Schottland und der Tartan Army nun schon am Montag die Heimreise, falls das Team nicht noch als eine der besten drittplatzierten Mannschaften die K.-o.-Phase erreicht.

Japan bleibt sich treu

Nur wenige WM-Traditionen sind so fest etabliert wie Japans Aufräumaktion nach dem Abpfiff.

Schon bei Japans erster WM 1998 reinigten die Fans das Stadion – so, wie es viele nach eigenen Worten schon als Kinder gelernt hatten. Seitdem hat sich dieses Ritual bei jedem Turnier wiederholt.

Nach dem vier-zu-null-Sieg Japans gegen Tunesien im mexikanischen Monterrey blieben die Anhänger erneut im Stadion und sammelten den Müll auf den Rängen ein.

Die Geste gilt inzwischen als so selbstverständlich, dass die Stadionbetreiber schon vor dem Anpfiff Tausende Müllsäcke verteilten, in der Erwartung, dass die japanischen Fans vor dem Heimweg wieder aufräumen würden. Genau so kam es – und eine der herzlichsten Traditionen des Fußballs lebte erneut auf.

Deutschlands größter USA-Fan

Wer behauptet, die amerikanische Soft Power sei tot, sollte mit ihrem neuen größten Anhänger sprechen: Freddy.

Der deutsche Superfan, der online als @FreddyLA7 auftritt, dokumentiert während des Turniers eine epische USA-Rundreise. Zugleich liefert er begeisterte Kritiken zu Diners, Fast-Food-Ketten und skurrilen Sehenswürdigkeiten am Straßenrand.

Seine unverhohlene Liebe zu Waffle House, Taco Bell und der Gastfreundschaft im amerikanischen Süden hat ihm Millionen Aufrufe eingebracht – und obendrein eine überraschende Einladung zu einer Führung durchs Weiße Haus.

Kansas legt den roten Teppich aus

Die Herzlichkeit fließt aber nicht nur in eine Richtung.

Als Algeriens Nationalteam in Lawrence im Bundesstaat Kansas ankam – einer Stadt, die nicht gerade als kosmopolitische Metropole gilt –, erklang zur Begrüßung nicht „The Star-Spangled Banner“. Stattdessen spielte die Marching Band der University of Kansas „Kassaman“, die algerische Nationalhymne, die die Studierenden eigens für diesen Anlass einstudiert hatten.

Damit war der Empfang im Mittleren Westen noch nicht beendet. Die Bewohnerinnen und Bewohner nahmen die Wüstenfüchse als ihre Mannschaft an, hängten algerische Flaggen in die Schaufenster, organisierten gemeinsame Public Viewings und schmückten die Innenstadt mit grün-weißen Girlanden.

Zumindest für ein paar Wochen ist diese Ecke des amerikanischen Heartlands so zu einer unerwarteten zweiten Heimat für Algerien geworden.

Und da noch etliche Wochen Fußball anstehen, dürften weitere unerwartete Freundschaften, zufällige Botschafter und wunderbar schräge kulturelle Begegnungen folgen.

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