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Tod von Deutschlands reichstem Mann schafft eine der größten Stiftungen Europas

Archivfoto: Klaus-Michael Kühne, Mehrheitseigner von Kühne + Nagel, auf einer Pressekonferenz in Hannover am 12. Oktober 2008. (AP Photo/Joerg Sarb)
Archivfoto: Klaus-Michael Kühne, Mehrheitsaktionär von Kühne + Nagel, auf einer Pressekonferenz in Hannover am zwölften Oktober 2008. (AP Foto/Joerg Sarb) Copyright  Copyright 2008 AP. All rights reserved.
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Von Una Hajdari
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Klaus-Michael Kühne hatte keine Kinder und wohnte in einem Schweizer Kanton ohne Erbschaftsteuer. Nach seinem Tod floss sein Vermögen von 42,2 Mrd. Euro steuerfrei an eine alte Stiftung, die nun zu den reichsten Europas zählt.

Der Logistikmagnat und ehemals reichste Deutsche Klaus-Michael Kühne verbrachte sein Leben damit, angeschlagene Unternehmen zu kaufen und zu sanieren. Mit dieser Strategie baute er Kühne+Nagel zum weltweit erfolgreichsten Luft- und Seefrachtspediteur auf.

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Nebenbei sicherte er sich bedeutende Beteiligungen an drei weiteren Transportkonzernen, darunter Hapag-Lloyd, eine der größten Containerschifffahrtslinien der Welt, und Lufthansa, Deutschlands nationale Fluggesellschaft.

Vorübergehend hielt er zudem ein Fünftel am Schienenlogistiker VTG, Europas größtem privaten Vermieter von Güterwagen. 2016 stieg er mit 160 Millionen Euro ein und verkaufte seinen Anteil zwei Jahre später für 300 Millionen Euro.

Am Ende hatte Kühne noch einen letzten Deal vorbereitet – abgeschlossen wurde er in dem Moment, als Kühne starb.

Kühne hatte keine Kinder und keine direkte Erbfolge festgelegt. Als er am 24. August 2026 starb, musste sein Vermögen von 49 Milliarden Dollar (42,2 Milliarden Euro) daher weder durch ein Testament noch durch ein Gericht oder ein Finanzamt geschleust werden.

Stattdessen floss das Geld, wie seit Jahrzehnten geplant, in die Kühne Stiftung. Die gemeinnützige Einrichtung hatte er zusammen mit seinen Eltern vor rund fünfzig Jahren gegründet.

Über Nacht wurde die Stiftung zu einer der größten in Europa.

Schweizer Steuerparadies ohne Erbschaftsteuer

Der deutsche Reederei- und Logistikunternehmer, der Kühne+Nagel zum globalen Frachtkonzern ausgebaut hat, starb im Alter von 89 Jahren in Schindellegi. Das Dorf im Kanton Schwyz hat rund 5.000 Einwohner und liegt in einem von nur zwei Kantonen in der Schweiz, die überhaupt keine Erbschaftsteuer erheben – weder für Angehörige noch für Fremde.

Kühne machte nie einen Hehl aus seiner Frustration über das deutsche Steuer- und Wirtschaftssystem. In einem Interview mit dem Sender NDR aus dem Jahr 2022 sagte er offen, der Staat „kann die Wirtschaft nicht richtig führen“.

Das gilt als einer der Gründe, warum er seine privaten und geschäftlichen Angelegenheiten in die Schweiz verlegte – neben der völligen Abwesenheit einer Erbschaftsteuer in seinem Heimatkanton Schwyz.

Das Schweizer Recht verpflichtet private Unternehmen nicht zur Veröffentlichung von Jahresabschlüssen – anders als fast alle anderen europäischen Staaten. Deutsche Medien schätzen deshalb, dass bis zu 30 Prozent von Kühnes tatsächlichem Vermögen gar nicht öffentlich bekannt sind.

Auch Stiftungen zahlen keine Erbschaftsteuer, weil es in ihrem Fall keinen Erbanfall gibt. Kurz gesagt: Niemand hat Kühnes Vermögen persönlich geerbt.

Das gesamte Imperium aus Schifffahrt, Luftfahrt, Chemie und Immobilien gehört nun der gemeinnützigen Stiftung. Kontrolliert wird sie von einem Stiftungsrat, dem seine Ehefrau und ein kleiner Kreis langjähriger Berater angehören.

ARCHIV - Dieses Foto vom 24. Juli 2006 zeigt die Zentrale des weltweit größten Seefrachtspediteurs, des Schweizer Unternehmens Kuehne + Nagel, in Schindellegi, Schweiz.
ARCHIV - Dieses Foto vom 24. Juli 2006 zeigt die Zentrale des weltweit größten Seefrachtspediteurs, des Schweizer Unternehmens Kuehne + Nagel, in Schindellegi, Schweiz. AP Photo

Kühne bündelte sein Firmenimperium in einer privaten Gesellschaft, der Kühne Holding mit Sitz in Schindellegi. Mit seinem Tod geht nach Angaben der „Neuen Zürcher Zeitung“ das Eigentum an dieser Holding – und damit an allem darin, von der Beteiligung an Kühne+Nagel bis zu Hapag-Lloyd und Lufthansa – auf die Kühne Stiftung über.

Die Stiftung betreibt bereits 20 Tochterorganisationen und beschäftigt rund 800 Mitarbeitende.

In ihren eigenen Berichten beziffert sie das Budget für 2026 auf 135 Millionen Franken (144,6 Millionen Euro). Etwa 42 Prozent fließen in die Logistikausbildung, 20 Prozent in die Medizin, 15 Prozent in Klimaprojekte, 11 Prozent in humanitäre Logistik und 7 Prozent in Kultur.

Die nun zufließenden Vermögenswerte dürften laut NZZ jährliche Dividendenerträge von rund 1 Milliarde Franken bringen. Selbst wenn nur ein Teil davon direkt in der Stiftung landet, würde das ihre finanzielle Schlagkraft deutlich erhöhen.

Kühne ist nicht der erste europäische Großunternehmer, der die Erbschaftsteuer über den Weg der Philanthropie umgeht. Mit dem Zufluss seiner Vermögenswerte reiht sich die Kühne Stiftung nach ihrer Größe in die absolute Spitzengruppe ein, wenn auch nicht ganz an der Weltspitze.

Die größte Stiftung der Welt ist die Novo Nordisk Foundation. Die dänische Wohltätigkeitsorganisation steht hinter dem erfolgreichen Abnehm-Medikamentenhersteller Novo Nordisk; ihre Holding verwaltete Ende 2025 Vermögen von rund 93 Milliarden Euro.

Darunter folgen unter anderem die Gates Foundation mit rund 70,2 Milliarden Dollar (60,5 Milliarden Euro) und Indiens Tata Trusts mit über 100 Milliarden Dollar (86,2 Milliarden Euro). Der britische Wellcome Trust, eine Stiftung für medizinische Forschung, verfügte laut neuesten veröffentlichten Zahlen über etwa 42,8 Milliarden Dollar (36,9 Milliarden Euro). Damit liegt er in einer ähnlichen Größenordnung wie das geschätzte Vermögen, das nun auf die Kühne Stiftung übergeht.

Deutschlands eigene Robert Bosch Stiftung, die 94 Prozent des Technologiekonzerns Bosch hält, bietet im Vergleich nach unten einen interessanten Kontrast. Sie verfügt über rund 5,5 Milliarden Euro an Gesamtvermögen – fast achtmal weniger als das, was Kühne gerade übertragen hat, obwohl Bosch zu den bekanntesten Industrienamen des Landes zählt.

Die dänische Carlsberg Foundation arbeitet nach einem ähnlichen Modell wie Kühne. Sie hält knapp 30 Prozent der Aktien der Carlsberg-Gruppe, kontrolliert aber 77 Prozent der Stimmrechte und verfügt über zusätzliche Investitionen von rund 1,55 Milliarden Euro, gespeist durch etwa ein Drittel der jährlichen Dividende des Brauereikonzerns.

Die Kühne Stiftung wird damit zwar nicht zur größten Wohltätigkeitsorganisation ihrer Art in Europa. Doch sie gehört klar zu den zehn reichsten gemeinnützigen Stiftungen weltweit – vor traditionsreichen Namen wie Bosch und etwa auf Augenhöhe mit Wellcome. Möglich wurde das auf ungewöhnliche Weise: fast ausschließlich durch den Entschluss eines Mannes, keine Kinder zu haben und in genau jenem Ort der Schweiz zu leben, an dem ihn diese Entscheidung steuerlich nichts kostet.

Konzernvermögen finanziert Wohltätigkeitsstiftung

In die Stiftung fließt nicht nur ein Bankguthaben.

Es geht um Kühnes Mehrheitsbeteiligung an Kühne+Nagel, einen Anteil von 30 Prozent an der Reederei Hapag-Lloyd, 15 Prozent am Chemiehändler Brenntag, eine Beteiligung am Fernbusanbieter Flix, mehr als ein Fünftel von Lufthansa sowie Immobilien, darunter das Hamburger Hotel The Fontenay.

Laut dem Bloomberg Billionaires Index hat sich sein Nettovermögen in den vergangenen zehn Jahren mehr als vervierfacht und beträgt nun 49 Milliarden Dollar (42,2 Milliarden Euro). Grundlage ist vor allem sein Anteil von fast 60 Prozent an Kühne+Nagel selbst.

Damit stellt sich eine bislang offene Frage: Was macht eine gemeinnützige Stiftung mit einer Kontrollbeteiligung an einem Containerschifffahrtsimperium, mitten in der größten Konsolidierungswelle der Branche seit Jahren?

In den vergangenen Jahren hat der französische Schifffahrts- und Logistikkonzern CMA CGM einen Deal mit FedEx vereinbart, MSC ist in das Geschäft mit Öltankern eingestiegen, und easyJet hat einer Übernahme zugestimmt. Kühnes Beteiligungen liegen mitten in diesem Umbruch.

Die besondere Schweizer Steuerpolitik – beziehungsweise ihr Fehlen – hätte die Ausgangslage für die Kühne Stiftung beinahe grundlegend verändert.

Im November lehnten die Schweizer Stimmberechtigten einen Vorschlag für eine bundesweite Erbschaft- und Schenkungssteuer von 50 Prozent auf Nachlässe über 50 Millionen Franken (53,4 Millionen Euro) ab. Die Initiative zielte direkt auf die besonders vermögenden Einwohner, die das Land seit Jahrzehnten anzieht.

Finanzministerin Karin Keller-Sutter erklärte nach der Abstimmung in Bern gegenüber Medien, der Vorschlag hätte „unser Steuersystem aus dem Gleichgewicht gebracht und die Attraktivität der Schweiz beschädigt“. Das Ergebnis bezeichnete sie als Absage an ein „riskantes finanzpolitisches Experiment“.

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