Von Tonfiguren bis Glaskunst: Diese alten Handwerke können Reisende entdecken, wenn sie mit dem Zug zu Orten fahren, an denen sie noch lebendig sind.
Das dichte europäische Bahnnetz bringt Reisende nicht nur in Metropolen mit ihren bekannten Sehenswürdigkeiten. Es öffnet auch den Weg zu kleineren Städten, in denen sich lokale Handwerke und Traditionen entdecken lassen.
Von Tonfiguren bis zu Glasarbeiten – hier einige alte Handwerkstechniken, die man kennenlernen kann, und wie man die Orte, an denen sie noch praktiziert werden, laut der Buchungsplattform Rail Europe (Quelle auf Englisch) mit dem Zug erreicht.
Faenza: italienische Stadt gibt europäischer Keramik ihren Namen
Im Herzen der Emilia-Romagna ist Faenza seit Jahrhunderten mit Keramik verbunden. Der Name der Stadt steht Pate für den Begriff „Faience“, der international eine bestimmte Art glasierter Irdenware bezeichnet.
Bis heute zählt die Stadt zu Europas wichtigen Zentren der Keramikkunst. Sie beherbergt das Internationale Keramikmuseum sowie ein Netz aus Werkstätten, Ateliers und Schulen, in denen traditionelle Techniken weiterentwickelt werden.
Nach Faenza gelangt man mit der Bahn über Bologna. Damit bietet sich die Stadt als unkomplizierter Zwischenstopp für Reisende an, die Norditalien abseits der klassischen Route Venedig–Florenz–Rom erkunden möchten.
Thiers: französische Hauptstadt der Messerschmiedekunst
In der Region Auvergne-Rhône-Alpes gelegen, ist Thiers seit dem Mittelalter für seine Messerfertigung bekannt.
In den steilen Gassen, Flusstälern und Werkstätten der Stadt haben über Generationen hinweg Kunsthandwerker ihre Fähigkeiten im Schmieden, Polieren und Zusammensetzen von Klingen verfeinert.
Heute können Besucher dieses Erbe im Musée de la Coutellerie, in historischen Werkstätten und bei lokalen Herstellern erleben, die weiterhin mit traditionellem Know-how arbeiten.
Thiers ist mit dem Zug über Clermont-Ferrand erreichbar. Von dort bestehen Direktverbindungen nach Paris und Lyon.
Nový Bor: Glasstadt in Tschechien, in der Feuer zu Kunst wird
Im Norden Tschechiens ist Nový Bor seit Langem mit der böhmischen Glaskunst verbunden. Die Glasmacher der Region sind bekannt für technische Präzision, dekorative Raffinesse und die Fähigkeit, flüssiges Glas in äußerst zarte Objekte zu verwandeln.
Besucher können das Glasmuseum der Stadt, Werkstätten und nahegelegene Glasgemeinden erkunden. Dort ist das Handwerk sowohl kulturelles Erbe als auch Teil einer modernen Kreativwirtschaft. Wer beim Blasen, Schneiden oder Gravieren von Glas zusieht, erhält einen seltenen Einblick in einen Prozess, der von Hitze, Timing, Geduld und außergewöhnlicher Handkontrolle lebt.
Nový Bor erreicht man per Bahn von Prag aus. Die Stadt ist damit ein lohnender Abstecher für alle, die über die Hauptstadt hinaus reisen möchten.
Tönning: deutsche Wolle, Naturfasern und Nordsee-Handwerk
An der Küste Schleswig-Holsteins erzählt Tönning eine zeitgenössische Geschichte des Handwerks, geprägt von Wolle, Naturfasern und der Landschaft Norddeutschlands.
Hier arbeitet die Werkstatt Friesenfaser mit Materialien aus Nordfriesland und verwandelt sie in Produkte, von Wolldecken bis zu Haushaltswaren.
Es handelt sich nicht um ein großes Museum, sondern um die Chance, ein lebendiges Handwerksprojekt kennenzulernen. Es ist eng mit dem Rhythmus der Küste, lokalen Rohstoffen und einer langsamen, bewussten Produktionsweise verbunden.
Tönning ist mit dem Zug über Husum erreichbar. Von dort bestehen Direktverbindungen nach Hamburg und Westerland (Sylt).