Warum ließ Napoleon das Marais d'Orx trockenlegen? Um 1800 galten Sümpfe als ungesunde Orte. Dieser Sumpf wurden trockengelegt, um ihn als landwirtschaftliche Fläche zu nutzen.
Warum hat eine öffentliche Einrichtung beschlossen, das Marais d'Orx zu kaufen? Ludovic Charrier ist Chefdiplomat des Conservatoire du Littoral (CdL) in der Region Aquitaine, einer öffentlichen Einrichtung, die sich vor allem dem Erwerb und Schutz von Küstengebieten in Frankreich widmet. Im Jahr 2025 feiert das Conservatoire du Littoral sein 50-jähriges Bestehen und hat bislang rund 220.000 Hektar Küstenland erworben, um es dauerhaft zu bewahren.
Warum also engagiert sich diese Institution im Feuchtgebiet? „Im Jahr 1800 ordnete Napoleon die Trockenlegung der Feuchtgebiete an, da sie als ungesund galten. Er übertrug sie den damaligen Adligen, um landwirtschaftliche Flächen zu schaffen und die öffentliche Gesundheit langfristig zu sichern“, erklärt Charrier.
Napoleon III. ließ daraufhin ein komplexes und innovatives Entwässerungssystem mit Pumpen und Deichen rund um das Marais d'Orx errichten, um einen Polder zu schaffen. Ein Polder ist ein durch Trockenlegung aus Sumpfgebiet gewonnenes Areal, das anschließend landwirtschaftlich genutzt werden kann.
Charrier betont, dass diese Polderisierung und Trockenlegung zu einer starken Entwicklung der Region geführt hat. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte die Industrialisierung der Landwirtschaft dafür, dass hier einige der höchsten Maiserträge Frankreichs erzielt wurden.
Während der Industrialisierung wurden die Pumpen zunächst mit Diesel, später auch mit Strom betrieben. Dadurch arbeiteten sie zwar äußerst effizient, doch die Wartung gestaltete sich zunehmend kostspielig. „Irgendwann waren die damaligen Landbesitzer nicht mehr in der Lage, das aufwändige System aus Pumpen und Deichen zu unterhalten, und das Wasser drang wieder in die Felder ein. Es kam, wie es kommen musste: Hin und wieder steht der Polder einen halben bis einen Meter unter Wasser“, erklärt Charrier.
Das Marais d'Orx, das bis in die 1980er-Jahre agrarwirtschaftlich genutzt wurde, rückte nun in den Fokus der Wissenschaft und des World Wide Fund for Nature (WWF). „Das Conservatoire du Littoral setzt sich heute dafür ein, diesen zuvor geschädigten Ort der Natur zurückzugeben“, berichtet der Leiter des Conservatoire du Littoral in Aquitanien stolz. Mit finanzieller Unterstützung des WWF erwarb die Einrichtung 1.000 Hektar des Marais d'Orx, das 1995 zum nationalen Naturschutzgebiet erklärt wurde.
„Nach und nach haben wir begonnen, mit dem Syndicat Mixte de Gestion des Milieux Naturels zusammenzuarbeiten, das für die Verwaltung und Betreuung des Naturschutzgebiets verantwortlich ist und ein umfassendes Projekt zur Wiederherstellung der natürlichen Umwelt initiiert hat.“ Dieses Feuchtgebietsökosystem dient in Frankreich als Renaturierungsexperiment und könnte laut Charrier als Vorbild für ähnliche Initiativen in ganz Europa sein.