Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfängt am Montag die G7-Staats- und Regierungschefs im Kurort Évian. Der Gipfel findet inmitten großer internationaler und lokaler Spannungen statt.
Für die Sicherung des G7-Gipfels in Évian-les-Bains sind nicht weniger als 16.000 Angehörige der französischen Sicherheitskräfte im Einsatz. Das Treffen findet von Montag, dem 15., bis Mittwoch, dem 17. Juni, in dem Kurort am Genfer See statt.
Der Gipfel findet in einem Klima großer Spannungen statt – international wie lokal. Am Sonntag kam es in Genf zu Zusammenstößen zwischen G7-Gegnern und der Polizei.
G7-Sicherheit: Kontrolle von bis zu 1.000 Fahrzeugen täglich
Im Zentrum des umfangreichen Sicherheitskonzepts stehen die Entschärfungsteams. Sie müssen während des Gipfels mehrere tausend Fahrzeuge überprüfen.
„Wir haben mit bestimmten Volumen geplant, wir liegen ungefähr bei 1.000 Autos pro Tag“, erklärt Julien Perroudon, der Chef des Entschärfungs-Einsatzverbands. „Im Großen und Ganzen werden zwischen 500 und 1.000 Fahrzeuge pro Tag eintreffen“.
Im ersten Schritt durchlaufen alle Fahrzeuge, die auf das Gelände fahren, ein Hightech-System. Es ermöglicht den Spezialisten, jeden verdächtigen Gegenstand zu entdecken, der unter dem Fahrzeugboden angebracht ist.
„Das Fahrzeug fährt über eine gelbe Platte“, erklärt ein Mitglied des Entschärfungsteams. „Nach der Durchfahrt erhalten wir ein Bild, das uns erlaubt, das komplette Fahrzeug zu kontrollieren, einschließlich der Radkästen und des Auspuffbereichs“.
Anschließend kommen Sprengstoffspürhunde zum Einsatz und kontrollieren den Innenraum der Fahrzeuge. Danach folgen Spezialisten aus der Armee. Der gesamte Ablauf ist komplex und muss dennoch in nur wenigen Minuten abgeschlossen sein.
„Wir brauchen etwa fünf bis sieben Minuten pro Wagen. So können wir einen recht großen Fahrzeugstrom bewältigen“, sagt das Entschärfungsteam.
Lehren aus den Olympischen Spielen in Paris
Das verstärkte Sicherheitskonzept orientiert sich weitgehend an dem System, das bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 im Einsatz war. Es gilt in Frankreich inzwischen als Referenz für das Sicherheitsmanagement großer Menschen- und Fahrzeugströme.
Wichtigstes Ziel der Behörden: Unruhen wie beim G8-Gipfel 2003 in Évian verhindern. Damals kam es in Genf und Lausanne zu Krawallen, Plünderungen und heftigen Zusammenstößen. Die Schäden beliefen sich auf mehrere Millionen Schweizer Franken.
In diesem Jahr fährt der französische Staat schwere Geschütze auf: knapp 500 Motorradpolizisten aus Polizei und Gendarmerie, 64 Einheiten der mobilen Gendarmerie und der Compagnies républicaines de sécurité (CRS), dazu Patrouillenboote, Hubschrauber, mehrere hundert Ermittlerinnen und Ermittler sowie fast 1.000 Soldaten.
Beim Entschärfungspersonal ist es laut Julien Perroudon „praktisch ein Drittel des gesamten Personals des Entschärfungsdienstes“, das zur Sicherung der Veranstaltung abgestellt ist.
„Für jede Spur müssen Hundeführer mit Sprengstoffspürhunden sowie Spezialisten für die Sprengstoffsuche eingesetzt werden, die für diese Phase aus den Streitkräften abkommandiert sind. Insgesamt kommen wir so auf rund 500 Personen“, ergänzt er.
Die Staats- und Regierungschefs der G7-Länder werden an diesem Montag von Emmanuel Macron in Évian empfangen. Auch mehrere eingeladene Staaten, darunter Brasilien und Indien, sind vertreten.
Zusammenstöße am Vorabend des Gipfels
Der Gipfel beginnt einen Tag nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und mehreren tausend G7-Gegnern in Genf, nur wenige Dutzend Kilometer von Évian entfernt.
Randalierer warfen Flaschen, Steine, Trümmerteile und Böller auf die Einsatzkräfte, die mit dem Einsatz von Tränengasgranaten reagierten.
Die Schweizer Polizei schätzte die Teilnehmerzahl am Sonntag gegen 19 Uhr auf 20.000 Demonstranten. Der heterogene Zug setzte sich kurz nach 15.30 Uhr am Ufer des Genfer Sees in Bewegung und skandierte antikapitalistische, pro-palästinensische, feministische, klimaaktivistische und prokurdische Parolen.
Die Behörden meldeten, dass mehrere Gebäude von Demonstranten angegriffen wurden, darunter die Büroräume der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers und der Sitz der Internationalen Fernmeldeunion (ITU).
Nach Polizeiangaben wurden auch Schaufenster der Banque du Léman und der Raiffeisen-Bank beschädigt.