Mit einem KI-generierten Video versucht die Orbán-Partei Fidesz, ihren starken Rivalen im Wahlkampf anzuschwärzen. Die Botschaft: Der Oppositionsführer wolle Ungarn in den Krieg hineinziehen.
Nach dem Aufruhr um ein für den Hauptrivalen kompromittierendes Sex-Video nun ein schockierendes, mit Künstlicher Intelligenz generiertes Kriegsvideo, das in den Social Media gepostet wurde: Die Fidesz-Partei, die seit 2010 an der Spitze Ungarns steht, zieht im Wahlkampf offensichtlich alle Register. Ihre Botschaft: Die Gegner würden Ungarn in einen Krieg gegen Russland hineinziehen.
Der Hauptgegner, Oppositionsführer Péter Magyar mit seiner Tisza-Partei, kritisierte das Video und sprach sich am Donnerstag gegen die Regierung aus.
Am 12. April findet in Ungarn die Parlamentswahl statt, und die Regierungspartei stellt diese als eine Wahl zwischen "Krieg und Frieden" dar. Wiederholt behauptet sie, die von Péter Magyar geführte Tisza-Partei versuche, Ungarn auf Befehl der Europäischen Union in den Ukraine-Krieg hineinzuziehen. Tisza hat wiederum wiederholt mitgeteilt, dass sie Frieden wolle und keine Waffen oder Truppen in die Ukraine schicken werde.
In dem 33 Sekunden langen Video wartet ein kleines Mädchen am Fenster auf seinen Vater, während dieser als Soldat auf dem Feld hingerichtet wird. Mit dem Text "Jetzt ist es ein Albtraum, aber Brüssel bereitet sich darauf vor, es Wirklichkeit werden zu lassen." wurde das Video auf der Facebook-Seite des Budapester Fidesz-Ablegers veröffentlicht.
Péter Magyar schrieb auf Facebook: "Mit Kindern spielen, Hinrichtungen, Angstmacherei, das ist keine Politik, das ist seelenlose Manipulation! Es ist ekelhaft, unentschuldbar und zutiefst empörend. Im Namen des ungarischen Volkes fordere ich Fidesz auf, dieses Video zu entfernen!"
Die Budapester Fraktion des Fidesz hat das Video nicht entfernt, und die Budapester Parteivorsitzende Alexandra Szentkirályi erklärte, dass das, was in dem Video zu sehen sei, ein wahres Abbild der Realität sei.
Der für das Amt des Regierungschefs zuständige Minister Gergely Gulyás blies ins selbe Horn und erklärte, in der Ukraine würden jeden Tag mehr als tausend Menschen sterben oder schwer verletzt werden - "was wir in dem Video sehen, ist also die Realität des Krieges". Gulyás bestritt nicht, dass das Video mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurde.
Fidesz hat in den vergangenen Monaten in mehreren Wahlkampfvideos Künstliche Intelligenz eingesetzt, aber nicht alle wurden als KI-generiert gekennzeichnet. Das KI-Gesetz der Europäischen Union, über das bald abgestimmt werden soll, schreibt dies vor.
Am Montag startete das ungarische Staatsfernsehen zudem eine tägliche Nachrichtensendung mit dem Titel "Die Schrecken des Krieges", in der der Moderator in einem Studio voller ausgebrannter Militärausrüstung und Trümmer über den russischen Einmarsch in der Ukraine berichtet.
Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des ungarischen Forschungszentrums 21 glauben 23 Prozent der Wähler, dass die Tisza-Partei Ungarn in einen Krieg in der Ukraine führen würde, sollte sie die Wahl gewinnen. Unabhängige Umfragen sehen Tisza vorn, mit einem Vorsprung von zehn bis zwölf Prozentpunkten vor der Partei von Viktor Orbán. Regierungsnahe Meinungsforscher sagen hingegen der Regierungspartei immer noch den Sieg voraus.