Der Palantir-Mitgründer Peter Thiel reist Mitte März nach Rom, um in privaten Seminaren über den Antichristen und apokalyptische Vorstellungen zu sprechen. Die Veranstaltungen sind vertraulich und sorgen in Italien bereits für politische Kritik.
Der Tech-Milliardär und umstrittene Investor Peter Thiel wird vom 15. bis 18. März in Rom mehrere private Vorträge über den Antichristen und apokalyptische Vorstellungen halten. An den Veranstaltungen können nur geladene Gäste teilnehmen. Telefone, Aufzeichnungen und Notizen sind ausdrücklich untersagt. Der genaue Inhalt von Thiels Vorträgen ist unklar.
Zunächst kursierten Gerüchte, die Seminare könnten an der Päpstlichen Universität St. Thomas von Aquin – dem sogenannten Angelicum – stattfinden. Die Hochschule wies dies jedoch zurück. Rektor Thomas Joseph White erklärte in einer Stellungnahme, die Veranstaltung werde weder von der Universität organisiert noch auf ihrem Gelände durchgeführt.
Der Verein "Vincenzo Gioberti" organisiert die Vorträge
Organisiert werden die Treffen stattdessen vom Kulturverein „Vincenzo Gioberti“ aus Brescia sowie vom römischen Ableger der Catholic University of America, einer privaten Universität mit Sitz in Washington. Der Verein kündigte an, man werde „eine der prägendsten und zugleich umstrittensten Figuren des Silicon Valley“ empfangen, um Fragen zu diskutieren, die in der Tradition des klassischen und christlichen Denkens stünden.
Die Gioberti-Vereinigung spricht in einer Erklärung (Quelle auf Italienisch), von Treffen, die auf "der großen Tradition des klassischen und christlichen Denkens" basieren.
In einer Erklärung bezeichnete der Verein das Thema Antichrist als „dramatisch wichtig“. In der heutigen Zeit wirkten Kräfte, die darauf abzielten, „das zu zerstören, was vom Westen übrig geblieben ist“. Auch Thiels provokante Positionen – etwa seine These, Demokratie und Freiheit seien möglicherweise nicht miteinander vereinbar – enthielten aus Sicht der Organisatoren „wichtige Wahrheiten“.
Opposition verlangt Stellungnahme von Meloni
Der Besuch des Trump-nahen Unternehmers sorgt in Italien bereits für politische Reaktionen. Die oppositionelle Demokratische Partei kündigte an, die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni im Parlament zu fragen, ob Treffen zwischen Thiel und Regierungsvertretern geplant seien.
Kritik kommt auch von der Grünen-Politikerin Elisabetta Piccolotti. Sie verwies darauf, dass Thiel Mitgründer des Datenanalyseunternehmens Palantir ist, das wegen seiner Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden immer wieder in der Kritik steht. „Was sucht er in unserem Land?“, fragte Piccolotti. Möglich sei, dass es um neue Kooperationen mit staatlichen Stellen gehe.
Peter Thiels Antichrist-Theorie
Thiel beschäftigt sich seit einiger Zeit öffentlich mit religiösen und apokalyptischen Themen. Bereits im September 2025 hielt er in San Francisco eine Reihe von Seminaren über die Figur des Antichristen. Dabei argumentierte er, dieser könne sich heute auch hinter Institutionen und Bewegungen verbergen, die vorgeben, Frieden und Stabilität zu fördern.
Als Beispiele nannte Thiel unter anderem technologische Regulierung, globale Governance-Strukturen oder den Kampf gegen den Klimawandel – Entwicklungen, die aus seiner Sicht Sicherheit versprechen, letztlich aber die Freiheit der Bürger einschränken könnten. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg als Symbol einer Bewegung, die seiner Meinung nach die westliche Zivilisation gefährde.
Wer ist Peter Thiel?
Milliardär, Ultraliberaler, rechtsaußen Maga-Anhänger, Klimaleugner, Mitbegründer von Palantir und PayPal. Peter Thiel gehört zu den umstrittensten Persönlichkeiten im Silicon Valley.
Er wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren. Seine Familie zog schon in seiner Kindheit in die USA, wo er aufwuchs. Er studierte später an der Stanford University Philosophie und Jura.
Er fällt seit Jahren durch seine konservativen Ansichten auf, und sein Datenanalyseunternehmen Palantir erbringt Dienstleistungen für die Streitkräfte mehrerer Länder sowie für US-Regierungsstellen. Dazu gehört auch ICE, die Grenzschutzbehörde, die Dreh- und Angelpunkt von Donald Trumps Anti-Einwanderungspolitik ist.
Bereits 2016 gehörte Thiel zu den ersten Finanziers der Wahlkampagne des ehemaligen Tycoons sowie der Karriere des derzeitigen Vizepräsidenten JD Vance. Letzterer war, bevor er seine politische Karriere begann, eine Führungskraft in Thiels Investmentgesellschaft Mithril Capital.
In jüngster Zeit hat sich Thiel als Ideologe der internationalen christlichen Ultra-Rechten profiliert, mit mystischen Zügen und einer starken Leidenschaft für Diskussionen über das bevorstehende Ende des Abendlandes, die Apokalypse und den Antichristen. Vor kurzem traf er sich auch mit der rechtsgerichteten japanischen Premierministerin Sanae Takaichi, um mögliche Synergien und Vereinbarungen mit ihrem Unternehmen zu erörtern.