In den meisten Gemeinden ist der neue Bürgermeister schon am Sonntagabend gewählt. In den Großstädten wie in Paris gibt es am kommenden Sonntag spannende Stichwahlen.
Knapp sechs Jahre nach einer von der Covid-19-Pandemie geprägten Kommunalwahl mit extrem niedriger Beteiligung waren die Französinnen und Franzosen an diesem Sonntag aufgerufen, ihre Bürgermeister, Stadt- und Regionalverwaltungen zu wählen. Und wieder war die Wahlbeteiligung sehr niedrig, was als Zeichen für die Politikverdrossenheit gewertet wird.
Sozialist Grégoire in Paris vor konservativer Ex-Ministerin Dati
Viele Augen richten sich auf die Hauptstadt, denn die Sozialistin Anne Hidalgo trat nach zwölf Jahren an der Spitze des Pariser Rathauses nicht mehr an. Ihr ehemaliger enger Mitarbeiter Emmanuel Grégoire (PS) hat die Grünen und die Kommunisten hinter sich vereint. Er kommt laut Hochrechnungen auf 36 Prozent der Stimmen und liegt sehr deutlich vor seiner konservativen Konkurrentin, der ehemaligen Kultur- und zuvor Justizministerin Rachida Dati (LR) mit 24 Prozent und der linken Sophia Chikirou (LFI) mit 13,7 Prozent.
Allerdings forderte Rachida Dati alle Rechten - auch die Rechtsextreme Kandidatin Sarah Knafo (Reconquête) - dazu auf, sie zu unterstützen, um einen Sieg der "extremen Linken" zu verhindern.
Die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) verzeichnet bei der Kommunalwahl besonders in kleineren Städten Erfolge. Amtsinhaber Louis Aliot wurde in Perpignan - der einzigen Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern, in der die Le-Pen-Partei bereits angetreten war - in der ersten Runde wiedergewählt. Die RN-Kandidaten lagen zudem in Toulon nach dem ersten Wahlgang in Führung und lieferten sich in Marseille und Nîmes enge Rennen mit der Linken.
Kopf-an-Kopf-Rennen in Lyon
In Lyon war der konservative Unternehmer und ehemalige Präsident des lokalen Fußballclubs Olympique Lyon Jean-Michel Aulas - unterstützt von Macron-Anhängern - gegen den von den Sozialisten unterstützten grünen Bürgermeister Grégory Doucet angetreten. Der Wahlkampf war extrem polarisiert und glich einer Schlammschlacht.
Ersten Prognosen zufolge waren Amtsinhaber Doucet und Herausforderer Aulas mit etwa 37 Prozent der Stimmen gleichauf. In weiteren Hochrechnungen hatte der Grüne einen leichten Vorsprung. Und auch die linke LFI-Kandidatin Anaïs Belouassa-Cherifi könnte mit mehr als 10 Prozent in der Stichwahl am kommenden Sonntag antreten.
Überschattet war die Wahlkampagne in Lyon auch vom gewaltsamen Tod eines rechtsextremen Studenten.
In Marseille liegt der sozialistische Bürgermeister vorn
In Marseille, Frankreichs zweitgrößter Stadt, liegt laut Meinungsforschungsinstitut Ifop der amtierende sozialistische Bürgermeister (unterstützt auch von der Kommunistischen Partei und den Grünen), Benoit Payan (38,4 %), vor dem Abgeordneten der Le-Pen-Partei RN, Franck Allisio (33,6 %).
Dahinter könnten der Abgeordnete der linken LFI, Sébastien Delogu, mit 12,3 % der Stimmen und die konservative Kandidatin der LR, Martine Vassal, mit ebenfalls 12,3 % der Stimmen für die Stichwahl qualifizieren. Doch der linke Delogu hat in den sozialen Medien bereits angedeutet, dass er den linken Bürgermeister Payan unterstützen könnte.
Grüne Bürgermeisterin von Straßburg kommt nur auf Platz 3
Die Sozialistin Catherine Trautmann liegt nach dem ersten Wahlgang der Kommunalwahlen in Straßburg laut Hochrechnung mit 25,1 % der Stimmen an der Spitze. Knapp dahinter folgt der Kandidat der konservativen LR, Philippe Vetter mit 23 % der Stimmen. Die bisherige Bürgermeisterin, die Grüne Jeanne Barseghian, erreicht 18,8 % der Stimmen laut Hochrechnungen von Ipsos BVA-CESI.
Bürgermeister und Bürgermeisterinnen gehören laut mehreren Umfragen weiterhin zu den Politikerinnen und Politikern mit dem größten Vertrauen in Frankreich zählen.
Insgesamt waren 48,7 Millionen Wahlberechtigte in rund 35 000 Gemeinden zur Stimmabgabe aufgerufen. Traditionell hatte die Macron-Partei Mühe, bei kommunalen und regionalen Wahlen Erfolge zu erzielen.
Knapp 900 000 Kandidatinnen und Kandidaten
Laut Innenministerium traten in der ersten Runde rund 900 000 Kandidatinnen und Kandidaten an, verteilt auf knapp 50 000 Listen.
In der Mehrheit der Gemeinden stand das Ergebnis schnell fest. In fast 32 000 Gemeinden wurde der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin bereits in der ersten Runde gewählt. In 68 % der Kommunen stand ohnehin nur eine Liste auf dem Stimmzettel, weil es nicht genug Kandidaten und Kandidatinnen gab.
In 68 Gemeinden gab es keine einzige Bewerberliste. Dort setzt die Präfektur eine Übergangsverwaltung ein, bis eine Neuwahl organisiert ist oder – in einigen Fällen – eine Fusion mit einer Nachbargemeinde erfolgt.
Eine weitere auffällige Entwicklung: Laut einer Studie des Cevipof treten 63 % der amtierenden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister erneut an. Das sind weniger als bei früheren Kommunalwahlen: 2014 lag der Anteil bei 72 %, 2020 bei 69 %.
Insgesamt waren 48,7 Millionen Wahlberechtigte in rund 35 000 Gemeinden zur Stimmabgabe aufgerufen.